Zucht kann endlich beginnen Elefantenkühe im Zoo Osnabrück eingetroffen

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Osnabrück. Nach mehr als vier Jahren hat das Warten ein Ende: In der Nacht zu Mittwoch sind im Zoo Osnabrück zwei asiatische Elefantenkühe eingetroffen. Damit kann die Zucht dieser stark gefährdeten Tierart am Schölerberg endlich beginnen.

In der Nacht zum Mittwoch, kurz vor Mitternacht, kamen Elefantenkuh Douanita und ihre Tochter Sita wohlbehalten auf dem Schölerberg an. Wobei es ja eigentlich schon fast drei Tiere sind, denn die 29-jährige Douanita ist tragend. Ihr fünftes Junges wird im September oder Oktober zur Welt kommen.

Begleitet worden waren die beiden Kühe von zwei Pflegern aus dem Prager Zoo und einer Osnabrücker Mannschaft mit Tierarzt Thomas Scheibe, Elefantenrevierleiter Detlef Niebler, Tierpflegerin Heike Läkamp sowie Biologe Andreas Wulftange. Das Be-und Entladen der Dickhäuter sei ebenso gut verlaufen wie der gesamte etwa elfstündige Transport, so Niebler. „Im LKW war eine Kamera installiert, sodass eine durchgehende Kontrolle gewährleistet war. Außerdem haben wir ungefähr alle zweieinhalb Stunden angehalten, um die Tiere direkt in Augenschein zu nahmen“, berichtete Andreas Wulftange. Beide Kühe, die zusammen über viereinhalb Tonnen wiegen, wurden gemeinsam in einem Container transportiert, waren aber durch ein Gitter voneinander getrennt, um das Verletzungerisiko zu minimieren. In ihrem neuen Zuhause sollen sie nun mit den drei Elefantenbullen Luka, Shanti und Shahrukh zusammengeführt werden. Die erste gegenseitige „Berüsselung“ der asiatischen Elefanten ist gut verlaufen. „Das war wirklich toll zu beobachten, wie die Elefanten sich gegenseitig berüsselten und mit ihrem Rüssel ins Ohr oder auch ins Maul des anderen fassten. Das ist eine sehr freundliches und vertrauensvolles Verhalten“, freute sich Zoodirektor Michael Böer.

Haben die ruhige Douanita und ihre verspielte Tochter Sita ihr neues Haus erkundet, werden sie die Außenanlage kennenlernen und direkt auf die beiden acht Jahre alten Jungbullen treffen. Auch mit dem Zuchtbullen Luka (43) werden sie zunächst mithilfe eines Kontaktgitters und dann direkt zusammengeführt. Luka ist nachts in einem separaten Bullenstall untergebracht und hat die Kühe zwar sicherlich gehört, aber noch nicht kennengelernt. „Wie schnell die Kühe direkt auf die Bullen treffen, können wir noch nicht sagen – das liegt ganz an den Elefanten. Schließlich braucht jedes Tier eine andere Zeit zur Eingewöhnung“, so Zoodirektor Böer. Besucher können die beiden Elefantenkühe aber bereits ab Donnerstag in der Elefantenhalle in Osnabrück begrüßen.

Der Zoo Osnabrück wartete bereits seit längerer Zeit auf eine Mutterlinie von Asiatischen Elefanten. In der letzten Zeit wohnten die Jungbullen Shanti und Shahrukh gemeinsam mit dem ausgewachsenen Bullen Luka am Schölerberg. Vor kurzem bekam der Zoo vom Zuchtbuchkoordinator für Asiatische Elefanten den Bescheid, dass die zwei Elefantenkühe aus Prag ein neues Zuhause suchen und nach Osnabrück ziehen sollen. Der Transfer der beiden Elefantenkühe sei notwendig gewesen, so Zoodirektor Böer. „Douanita verstand sich in Prag nicht mehr mit den anderen Kühen. Sie hat Leitkuhqualitäten und duldete Familienbildungen der anderen beiden Elefantenkühe, die inzwischen eigene Kinder haben, nicht. Es kam in den vergangenen Monaten in Prag daher immer wieder zu Spannungen unter den nicht verwandten Müttern, weshalb man Douanita und die anderen Mütter nun nicht mehr zusammen halten kann. Der Transport war zu der Zeit der Trächtigkeit unbedenklich.“ Zoos sind mittlerweile dazu übergegangen Mutterlinien, also miteinander verwandte Elefantenkühe, zu halten oder an andere Zoos zusammen weiterzugeben. Dies entspricht der Herdenbildung in der Wildbahn und gewährleistet, dass die Töchter Fortpflanzung und Jungtieraufzucht von ihren Müttern oder Tanten lernen. „Der Zoo Osnabrück beteiligt sich damit zukünftig aktiv am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Asiatische Elefanten mit eigener Nachzucht. Damit kommen wir einer von Umweltveränderungen unabhängigen überlebensfähigen Population des Asiatischen Elefanten in Obhut des Menschen einen entscheidenden Schritt näher“, so Zoodirektor Prof. Dr. Michael Böer.


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