Ausstellung von Rosemarie Zens Konfrontation mit eigener Geschichte in Pommern


Osnabrück. Die Schilderung einer Flucht von Pommern nach Berlin im Jahr 1945 motivierte Rosemarie Zens zu einer fotografischen Dokumentation der persönlichen Art. Zu sehen ist sie bis zum 18. März im Intervision-Studio.

Das alte Bauernhaus im Nebel, der Angler mit seinem Boot auf einem See im Gegenlicht, der Fuchs, der über einen verschneiten Acker schnürt, eine Moorlandschaft in bizarren Farben: Die Bilder, die man zurzeit im Intervision-Studio zu sehen bekommt, erinnern an eine Reise in die Vergangenheit. Wo gibt es diese verlassenen Landschaften, in denen die Uhren stehen geblieben zu sein scheinen? Die Antwort: in Polen. Dort ging Rosemarie Zens auf fotografische Spurensuche in ihrer eigenen Vergangenheit.

Klar, irgendwie wusste Zens, dass sie Wurzeln in Pommern hat. Als Kind hatte ihre Mutter sie schon mal mit zu Veranstaltungen der Vertriebenenverbände mitgenommen. Hauptsächlich seien sie dort gewesen, um zu erfahren, ob Verwandte, die seit dem Krieg verschollen waren, eventuell wieder aufgetaucht sind.

Wurzeln in Pommern

Richtig bewusst geworden ist Rosemarie Zens ihre Vergangenheit mit Wurzeln in den Ostgebieten vor dem zweiten Weltkrieg aber erst, als sie nach dem Tod ihrer Mutter im Wäscheschrank ein Manuskript fand: Es war der detaillierte Bericht einer jungen Frau, die 1945 mit ihrem sechs Monate alten Baby die Flucht von Pommern nach Berlin angetreten war. Und Rosemarie war das Baby. Nach der Lektüre reifte in der Literatin und Fotografin der Entschluss, die Strecke nachzufahren, die der Flüchtlingstreck genommen und dem sich ihre Mutter angeschlossen hatte. Mehrere Male reiste sie nach Polen, versuchte, die Orte und Häuser wieder zu finden, in denen sie gelebt hatten. Die Kamera war immer griffbereit. Und so entstanden diese beeindruckenden Aufnahmen, die Zens für das Ausstellungsprojekt mit alten Familienfotos kombinierte: Brot, Tee, Speck, Ausweispapiere und eine Handvoll Fotografien seien das einzige gewesen, was ihre Mutter auf ihrer Flucht mitgenommen hatte.

„So, wie meine Erinnerungen fragmentarisch sind, habe ich die alten Fotos digitalisieren lassen, um bestimmte Ausschnitte verwenden zu können“, sagt Zens. So sieht man eine der drei jungen Frauen am Strand nur angeschnitten und in einem anderen Bild nur den gehäkelten Kragen einer Tracht, der nicht nur bei Rosemarie Zens Assoziationen an eine vergangene Zeit hervorruft.


Intervision-Studio, Lohstraße 58: „The Sea Remembers“. Fotografie von Rosemarie Zens. Bis 18. März, Fr. 16-18 Uhr, Sa. 12-14 Uhr, So. 14-16 Uhr und nach telefonischer Vereinbarung unter 0173 – 74 96 344. Zusätzliche Öffnung am Sonntag, 26. März, 14-17 Uhr.

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