Osnabrücker Familiennamen In Enders steckt der Apostel Andreas

Von Winfried Breidbach

Osnabrücker Familiennamen: Dieses Mal der Name Enders. Foto: colourboxOsnabrücker Familiennamen: Dieses Mal der Name Enders. Foto: colourbox

Osnabrück. Eine Leseranfrage aus Bramsche betrifft den Ursprung des Namens „Enders“. Mehr als 10.000 Personen tragen den sehr häufigen Familiennamen Enders in Deutschland, wo er in fast allen Regionen anzutreffen ist.

Besonders konzentriert tritt der Name in Mitteldeutschland auf, vor allem in Hessen, Nordbayern und Rheinland-Pfalz. Auch in allen Nachbarländern gibt es diesen Namen. Dort ist Enders aber jeweils selten, es handelt sich also um einen deutschen Nachnamen im engeren Sinne.

In einem Lexikon deutscher Familiennamen wird Enders als Genitivform des von etwa 4000 Personen getragenen Namens Ender erklärt. Formal ist dies ohne Weiteres möglich, und auch die ähnliche Namengeografie scheint diese Annahme zu stützen. Der Nachname Ender ist eine vor allem mitteldeutsche volkssprachliche Form des Apostel- und Taufnamens Andreas. Ender entstand als Variante von Ander, einer der zahlreichen Kurzformen von Andreas.

Phänomen „hypokoristischer Umlaut“

Der Vokalunterschied ist als Umlaut zu erklären, der A in E umwandelte. Normalerweise wird ein sogenannter „Umlaut“, der auch a zu ä, o zu ö und u zu ü umformte, durch einen folgenden Vokal i bewirkt. Doch findet sich bei Rufnamen und hier insbesondere bei Kurznamen häufig ein Umlaut, obwohl im Namen kein i enthalten war. Dieses Phänomen wird als „hypokoristischer Umlaut“ bezeichnet und tritt in Fällen wie Märx/Merx zu Markus, Köbes/Köpp/Jäck zu Jakob, Kläs/Klös zu Nikolaus, Görg/Jörg/Jürgen zu Georg auf. Ganz entsprechend ist Ender neben der älteren Form Ander zu erklären.

Ender ist als Vorname nachweisbar, so zum Beispiel 1560 bei „Ender Päucker“ (Ratschendorf/Sudetenland). Erheblich häufiger aber ist Enders als Vorname belegt, beispielsweise durch 1478 „Enders der Hirte“ (Freiendiez an der Lahn), 1497 „Enders Pfawe“ (Ehrenhain/Thüringen), 1519 „Enders Schopff“ (Pausa/Vogtland). Belege mit Personengleichheit erweisen die Identität von Enders und Andreas: 1583 „Enders Lippoldt“ = 1602 „Andreas Leupoltt“ (Vogtland).

Anders noch häufiger als Enders

Ganz entsprechend wie Ender als Variante von Ander ist Enders als umgelautete Form von Anders zu erklären, der beliebtesten volkssprachlichen Form von Andreas. Als Familienname ist Anders mit 21.000 Namensträgern noch erheblich häufiger als die umgelautete Variante Enders.

Seit dem 16. Jahrhundert ist Enders vielfach als Nachname nachzuweisen: 1531 „Hans Enders“ (Tirschendorf/Vogtland), 1542 „Cresse Enders“ (Hainstadt/Odenwald), 1565 „Daniel Enders“ (Zweibrücken/Pfalz), 1566 „Martin Enders“ (Pfaffenhoffen/Elsass), 1567 „Matthias Enders“ (Ulm).

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