Singer-Songwriter-Slam in Lagerhalle Siegerpokal für Miss Allie aus Lüneburg

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Mit zum Teil schlüpfrigen Texten eroberte Miss Allie die Herzen ihres Publikums. Foto: Elvira PartonMit zum Teil schlüpfrigen Texten eroberte Miss Allie die Herzen ihres Publikums. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Am Ende eines facettenreichen Finalabends des Singer-Songwriter-Slams 2016/17 in der ausverkauften Lagerhalle durfte Miss Allie aus Lüneburg den Siegerpokal aus den Händen von Moderator Andi Weber entgegennehmen.

Zunächst einmal schien aber Vorjahressieger Bad Temper Joe das Maß aller Dinge zu sein. Er bearbeitete seine Lap-Steel-Gitarre zwar außer Konkurrenz, doch seine potenziellen Nachfolger schienen sich unwillkürlich am „Sleeping Giant“ des Bielefeld-Blues zu orientieren. Oliver West aus Münster etwa platzierte seine Gitarre ebenfalls auf seinem Schoß, um sie dann aber unkonventionell kreuz und quer zu beschlagen und am Ende gar zu schütteln.

Robert Kiesel, der es wie die beiden anderen Osnabrücker Kandidaten nicht unter die letzten Fünf schaffte, glänzte mit einer ähnlich männlich-markanten Vollrauchstimme. Seine abermalige Gitarrenverleiherin Yvonne Louise stand mit ihrer am Klavier vorgetragenen Sehnsuchts-Ballade „Du fehlst“ dem Special Guest in Sachen Traurigkeit ebenso wenig nach wie Katrin Göhringer aus Ludwigshafen, die beide Titel aus ihrer siegreichen Vorrunde wiederholte. Francisco Navarro schließlich ließ mit einem stampfenden Road-Song Country-Feeling aufkommen. Moe überzeugte dagegen mit kräftiger Stimme und wohltuend unkitschig im besten Billy Bragg-Stil, teilte mit Joe aber zumindest das Schicksal, aus Bielefeld zu kommen.

Selbstironisch und frech

Neben sämtlichen Siegern der vier Vorrunden wählte die Publikums-Jury auch Verona Vinken aus Essen in die Endauswahl, nachdem sie selbstsicher mit Gitarre darüber sang, nicht „perfect“ zu sein. Das nahm sicher auch Publikumsliebling Simon Klemp aus Bonn nicht für sich in Anspruch, der seine Musik augenzwinkernd als „Akustik-Stadionrock“ beschreibt und das auch eindrucksvoll untermauerte.

Aber auch er musste sich am Ende Miss Allie geschlagen geben, die als selbsternannte „kleine Singer-Songwriterin mit Herz“ die Herzen des Publikums eroberte. Zunächst nicht im Sturm, sondern mit leisen Tönen bei „Only A Child“, dem zum Ende hin aber auch härtere Gitarrenanschläge und eine lautere Stimme gut standen. Dann jedoch gewaltig mit jenem Song, den sie bereits beim letzten Mal als Zugabe gespielt hatte. Selbstironisch und bemüht frech besingt sie in „Du bist wunderschön“ ihren „oberkörperfreien“ Gärtner, der doch bitte nicht den Mund aufmachen, sondern einfach nur Liebe machen soll. Dafür bekam die Lüneburgerin bis auf zwei Ausnahmen die Höchstwertung.

Übler Beigeschmack

Doch auch wenn die Siegerin zum Schluss mit einem neuen Song ihrerseits dumme Anmachen, die ihr als „kleine Süße“ widerfahren sind, aufspießt und anprangert, hinterlässt es doch einen üblen Beigeschmack, dass die Akzeptanz von Sexismus offenbar davon abhängig zu sein scheint, von welchem Geschlecht er lanciert wird. Man stelle sich nur vor, ein Mann hätte etwas Ähnliches über seine Gärtnerin gesungen.


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