2012 bis 2016 elf Verdachtsfälle Plagiate: Uni Osnabrück erkennt zwei Titel ab

Von Jörg Sanders

Die Uni Osnabrück hat eine Wissenschaftlerin vergangenen Woche einen Bescheid über die Aberkennung ihres Doktortitels geschickt. Sie soll in weiten Teilen abgeschrieben haben. Symbolfoto: dpaDie Uni Osnabrück hat eine Wissenschaftlerin vergangenen Woche einen Bescheid über die Aberkennung ihres Doktortitels geschickt. Sie soll in weiten Teilen abgeschrieben haben. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Die Universität Osnabrück hat seit 2012 zwei Wissenschaftlern den Titel aberkannt. Die Arbeiten sollen in großen Teilen Plagiate gewesen sein.

Es hatte sich um eine Dissertation und um eine Habilitationsschrift gehandelt. In beiden Fällen habe die Uni die Titel aberkannt, sagt Sprecher Utz Lederbogen unserer Redaktion.

Elf Verdachtsfälle seit 2012

Mitte des Monats hatte die Deutsche Presseagentur Niedersachsens Unis nach gemeldeten Plagiatsverdachtsfällen befragt. Dabei kam heraus: Der Uni Osnabrück waren zwischen 2012 und 2016 insgesamt elf Verdachtsfälle von sogenanntem wissenschaftlichen Fehlverhalten gemeldet worden.

Weiterlesen: Niedersachsens Unis sind bei Plagiaten wachsam

Teilweise mehr als 75 Prozent abgeschrieben

Im Falle einer auf der Internetseite Vroniplag gelisteten Doktorarbeit hakte unsere Redaktion nun nach, da diese bereits 2009 erschienen war. Der Enthüllungsplattform zufolge wurden in dieser Arbeit auf 108 von 214 Seiten Plagiatsfundstellen dokumentiert, was einem Anteil von 48,6 Prozent aller Seiten entspricht. 52 Seiten seien gar zu mehr als 75 Prozent Plagiatstext. Häufig soll die Verfasserin von Wikipedia abgeschrieben haben. Vroniplag hatte die Uni eigener Angabe zufolge im Oktober vergangenen Jahres über den Verdacht informiert.

Doktortitel aberkannt

Die Uni Osnabrück bestätigt auf Nachfrage unserer Redaktion: Diese Doktorarbeit fiel – ebenso wie eine Habilitationsschrift – unter die elf Verdachtsfälle zwischen 2012 und 2016. Die Verfasserin habe in der vergangenen Woche einen schriftlichen Bescheid über die Aberkennung ihres Titels erhalten, sagt er. „Weitere rechtliche Schritte stehen nicht zur Diskussion, da die Dame nicht bei der Universität beschäftigt ist.“

Diese drohten ihr aber von anderer Stelle, etwa von einer Staatsanwaltschaft, wenn sie den Titel weiterhin angäbe: Das wäre Urkundenfälschung.

Auf ihrer Internetseite wirbt die Betroffene nicht mit einem Doktortitel. Zu finden ist dieser aber noch in der Beschreibung ihrer Internetseite im Google-Ergebnis. Es dauert seine Zeit, bis Google Änderungen im Ergebnis übernimmt, sofern die Frau diese Änderung vornahm.

Arbeit weiterhin im Internet auffindbar

Im Internet ist ihre Arbeit weiterhin lesbar: Auf der Internetseite der Uni Osnabrück sowie im Online-Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, wo die Verfasserin noch als „Dr. phil“ geführt wird.

Die Bibliothek der Uni Osnabrück werde nun über das Plagiat informiert, versichert Lederbogen. Die Arbeit soll dann aus dem Bücherregal und auch von der Internetseite verschwinden.

Die Uni hat eigener Angabe zufolge eine uniinterne Software, um Plagiate zu entlarven. Allerdings würden nur Verdachtsfälle durch die Software gejagt, erklärt Lederbogen.

Erst kürzlich hatte die Uni Münster acht Medizinern den Doktortitel wegen Abschreibens entzogen. In 14 weiteren Fällen sprach sie eine Rüge wegen grober Mängel aus.

Update: Am 2. März teilte die Uni Osnabrück mit, die Doktorarbeit am Abend des 28. Februar von ihrer Internetseite entfernt zu haben. In der Tat ist die Arbeit am 2. März nicht mehr dort zu finden.