Premiere von „Momo“ Neues Oskar-Stück in Osnabrück verzaubert

Da ist noch alles gut: Momo (Johanna Franke) mit ihren besten Freunden Beppo (Jost op den Winkel, links) und Gigi (Benjamin Werner). Foto: Uwe LewandowskiDa ist noch alles gut: Momo (Johanna Franke) mit ihren besten Freunden Beppo (Jost op den Winkel, links) und Gigi (Benjamin Werner). Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. „Momo“ hat am Samstag im Emma-Theater Osnabrück Premiere gefeiert. Die Bühnenversion, die mit einfach Mitteln überzeugen kann, kam beim Publikum gut.

Diese beiden Männer scheinen unversöhnlich. Nicola und Nino wollen sich eigentlich aussprechen. Doch nun folgt ein Wort auf das andere, jeder Vorwurf wird mit einem Gegenvorwurf gekontert. Und Momo? Die hört einfach zu. Und das ist genau richtig. Denn die Streithähne merken schließlich doch, dass sie eigentlich keinen Grund haben, sich böse zu sein.

Dass sie gut zuhören kann, ist Momos prägendste Eigenschaft. So wird es in Michael Endes Kinderbuch beschrieben. Und auch in der Schauspielversion des Kinder- und Jugendtheaters Oskar bleibt das so. Doch zum Zuhören braucht es Zeit. Und die wird knapp in dieser Geschichte, in der die Zeitdiebe in Form der grauen Herren unterwegs sind.

Zeitlose Geschichte

Die von Dramaturgin Maria Schneider geschriebene und von Guillermo Amaya inszenierte Bühnenversion zeigt, dass Endes „Momo“ auch 44 Jahre nach ihrer Erstveröffentlichung nichts an seiner Aktualität verloren hat. Eher das Gegenteil ist der Fall. Denn dass keiner mehr Zeit für hat, dürfte heute mehr denn je gelten.

Das bedeutet aber nicht, dass Schneider und Amaya das Stück künstlich aktualisiert hätten. Gut, es tauchen ganz nebenbei mal Smartphones auf. Doch „Momo“ ist eine zeitlose Geschichte. Und so wird sie hier auch erzählt, in Form einer modernen Theaterinszenierung.

Überzeugende Schauspieler

Die Zuschauer werden buchstäblich im Foyer abgeholt, wo Gigi Fremdenführer sie mit einem „Kommen Sie näher!“ in den Theatersaal einlädt. Die Einladung ins Theater macht doppelt Sinn. Schließlich lebt Momo in einem Amphitheater, das hier auf der Bühne nachempfunden ist.

Momo wird von Johanna Franke gespielt, ein zotteliges, verspieltes Mädchen mit einem großen Herzen. Ein Kind, das einfach da ist. Diese Selbstverständlichkeit nimmt man Oskar-Schauspielerin Franke gern ab.

Benjamin Werner (Gigi) und Jost op den Winkel (Beppo) fungieren hier auch als Erzähler und schlüpfen in alle anderen Rollen der auf das Wesentliche gerafften Geschichte. Die beiden sind ein schönes Gegensatzpaar: Hier der sprudelnde und lebendige Gigi, dort der bedächtige und zurückhaltende Beppo.

Plädoyer für das Zeithaben und Herzenswärme

Natürlich lässt sich aus so einer Geschichte mit fantastischen Elementen auch großes Kino machen. Doch das Oskar-Theater, das mit seinen Stücken durch die Gegend reist, muss mit einfachen Mitteln arbeiten. Und so reichen hier auf vielfältigste Art verwendete Paletten und Wasserkanister völlig aus. Wenn dann die grauen Herren oder die Schildkröte Kassiopeia auftauchen, gelingt das sehr mit überraschenden und charmanten Ideen (Bühne: Jörg Zysik). Wie ein Teil der Kulisse wirkt auch die atmosphärische und reduzierte Musik von Eberhard Schneider, die oft Geräusche imitiert.

Das Herz des Stücks sind aber die drei Oskar-Schauspieler, ohne die dieses Stück, das für das Zeithaben, aber auch für Freundschaft und menschliche Wärme wirbt, nichts wert wäre. Guillermo Amaya ist eine Inszenierung gelungen, die einen nach etwas mehr als einer Stunde verzaubert in den grauen Alltag zurückschickt. Das Premierenpublikum war begeistert und bedankte sich mit einem langen Applaus.


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