Ausblick gut, Sanierung teuer 1974 wurde das Iduna-Hochhaus in Osnabrück bezugsfertig

Meine Nachrichten

Um das Thema Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

66 Meter hoch, mit 128 Wohnungen: Das Iduna-Hochhaus als Baustelle. Foto: Strenger66 Meter hoch, mit 128 Wohnungen: Das Iduna-Hochhaus als Baustelle. Foto: Strenger

Osnabrück. Beste Absichten hatten die Stadtplaner, als sie 1969 ein Wohnhochhaus am Herrenteichswall vorschlugen. Die Innenstadt müsse als Wohnquartier erhalten und ihrer Verödung entgegengewirkt werden. Wenn man in die Höhe baue, komme man mit einer bescheidenen Grundfläche aus und könne einen Großteil der Grünflächen zwischen Herrenteichswall und Karlsring (heute E.-M.-Remarque-Ring) bewahren.

Als die Iduna-Versicherung ihre Pläne für einen 20-geschossigen Wohnsilo vorstellte, gab es vereinzelte Kritik, weil der 66 Meter hohe klobige Bau die altvertraute Stadtsilhouette mit den mittelalterlichen Kirchtürmen störe. Die Kritik blieb aber verhalten und führte zu keinen Planänderungen.

Im Februar 1973 erhielt die Osnabrücker Handwerksbau GmbH den Auftrag zur schlüsselfertigen Erstellung des Gebäudes für neun Millionen DM. Durch die weitgehende Verwendung von Fertigteilen betrug die Bauzeit wenig mehr als ein Jahr. Zum Richtfest am 2. Juli 1974 gab es lobende Worte für die hohe Wohnqualität in den insgesamt 128 Wohneinheiten, für den fantastischen Ausblick auf die Stadt, für die komfortable elektrische Fußboden-Speicherheizung, die Tiefgarage und das Schwimmbad im 20. Stock. Bis zum Jahresende waren fast alle Wohnungen vermietet.

Wegen damals schon erkennbarer Baumängel verkaufte die Iduna das Haus 1987 weit unter dem Herstellungspreis an eine Beteiligungsgesellschaft. Die wandelte das Objekt in Eigentumswohnungen um, hübsch verpackt als Steuersparmodelle. Die neuen Eigentümer stellten bald fest, dass die „krisensichere Kapitalanlage“ zu einem Albtraum zu werden drohte. Der Sanierungsaufwand überstieg die dafür gebildeten Rücklagen bei Weitem, viele Wohnungen gingen in die Zwangsversteigerung. Mittlerweile habe man aber die Probleme im Griff, versichert die jetzt zuständige Hausverwaltung.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN