Osnabrücker Familiennamen Namensforscher: Der Leimkühler wohnte an der Lehmgrube

Von Winfried Breidbach


Osnabrück. NOZ-Leser Horst Leimkühler aus Osnabrück vermutet, dass sein Name mit dem Begriff „Lehmkuhle“ zusammenhängt – und liegt damit genau richtig.

Der häufige Nachname Leimkühler wird von etwa 650 Personen getragen, die überwiegend in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen leben. Die drei stärksten Nester sind in den Kreisen Gütersloh, Osnabrück und Wesel festzustellen.

Es gibt mehrere Varianten des Namens, zunächst Lehmkühler mit mehr als 800 Namensträgern. Die Namengeografie von Lehmkühler ähnelt der von Leimkühler, die stärkste Konzentration hat er in den Kreisen Steinfurt und Recklinghausen sowie im Märkischen Kreis. Weitere Namensformen sind Leimküller, Lehmenkühler und Leimenkühler.

Wort aus dem Mittelniederdeutschen

Die Annahme unseres Lesers trifft ins Schwarze: Zugrunde liegt das mittelniederdeutsche Wort „lêmkûle“, das in den Texten auch in den Varianten leim-, lême-, leime-, lêmen- und leimenkûle bezeugt ist und das „Lehmgrube“ bedeutete. Das Wort lêm (auch leim, lehm, lehem, lême, leime) bezeichnete generell „feuchte Erde, die sich als Bindemittel eignet“. In der Regel meinte man mit Lehm einerseits die zum Binden und Verputzen der Fachwerkwände und zur Dichtung des Daches verwendete Erde, andererseits die für Ziegel und zum Töpfern benötigte feinere Tonerde. Der Lehm wurde in Gruben abgebaut, die mithilfe eines speziellen Verfahrens eingerichtet wurden. Derjenige, der an einer solchen Lehmkuhle wohnte, konnte einen auf diesen Wohnsitz bezogenen Beinamen erhalten. Dies waren zunächst dreigliedrige Wohnstättennamen, bezeugt sind etwa: 1350 „tor Lemculen“ (ohne Vorname, Evinghausen), 1359 „ter Lemkulen“ (Bocholt), 1498 „Elze ter Lemkule“ (Nordwalde), 1498 „Fibbe thor Lemkule“ (Westbevern), 1521 „Johan up der Lemekulen“ (Stuhr), 1601 „Johan upr Leemkulen“ (Damme), 1604 „Thyes opper Leemcuilen“ (Ibbenbüren), 1605 „Jürgen up de Lehmkule“ (Recke). Diese Namensformen verloren meist schon früh Artikel und Präposition und leben heute in den Familiennamen Lehmku(h)l, Lehmkuhle, Leemkuil und Leimkuhl(e) fort.

Kuhle oder Grube

So, wie sich die mit -er abgeleiteten einfachen Namen Kühler und Kuhler auf den Wohnsitz an einer nicht näher bestimmten Kuhle „Grube“ bezogen, benannten die Namen Leimkühler, Lehmkühler den an der Lehmkuhle Wohnenden, vielleicht im Einzelfall auch denjenigen, der die Grube für den Abbau einrichtete und betreute.

Einige Belege: 1545 „Leemecuyler“ (Recke), 1630 „Marghereitha Leimkuler“ (Darfeld), 1654 „Catharina Elisabeth Leimkühler“ (Hagen aTW), 1660 „Leimkühler“ (Gelsenkirchen), 1707 „Johan Jürgen Leimkühler“ (Versmold).


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN