„Nathan der Weise“ Geflüchtete über ihre Erfahrungen als Statisten im Theater

Teil des Bühnengeschehens: Amer Alnawara (von links), Mouin Youssef, Samer Asaad und Ahmed Idriss wirken als Statisten in „Nathan der Weise“ am Osnabrücker Theater am Domhof mit. Foto: Hermann PentermannTeil des Bühnengeschehens: Amer Alnawara (von links), Mouin Youssef, Samer Asaad und Ahmed Idriss wirken als Statisten in „Nathan der Weise“ am Osnabrücker Theater am Domhof mit. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. In „Nathan der Weise“ am Theater Osnabrük spielen Geflüchtete als Statisten mit. Sie verkörpern in Lessings Drama eine Gruppe Muslime.

„Nathan der Weise“ beginnt in der Osnabrücker Inszenierung damit, dass Christen, Juden und Muslime beten. Jede Religion bildet eine Gruppe für sich und pflegt ihr religiöses Ritual. Die Mitglieder der muslimischen Gruppe werden größtenteils von Geflüchteten dargestellt. Der Syrer Amer Alnawara etwa, der seit eineinhalb Jahren in Deutschland lebt, spielt den Imam.

Zu seiner Rolle gekommen ist er über eine Bekannte, die selbst Statistin in der Produktion ist. Sie habe ihn gefragt, ob er nicht mitmachen wolle, berichtet der 56-Jährige. Auch in Syrien hat er mal einer Theatergruppe mitgemacht. Das ist allerdings mehrere Jahrzehnte her. Im Alter zwischen 20 und 30 Jahren habe er Theater gespielt, berichtet Alwara. (Weiterlesen: Rezension von „Nathan der Weise“ am Theater Osnabrück)

Statisten aus Syrien und dem Sudan

Zum Gespräch mit unserer Redaktion kurz vor Beginn einer Vorstellung sind noch weitere Geflüchtete gekommen, die als Statisten in der Inszenierung von Schauspielchef Dominique Schnizer dabei sind, die ds Geschehen in ein Flüchtlingscamp verlegt. Neben Amer Alnawara sind das Mouin Youssef und Samer Asaad, beide ebenfalls aus Syrien, und Ahmed Idriss aus dem Sudan. Außerdem sind die beiden Übersetzer Khalet Betar und Wail Haddad dabei, die auch bei den Proben die Kommunikation zwischen deutschem Produktionsteam und den Geflüchteten ermöglicht haben.

Ahmed Idriss hat noch nie Theater gespielt. Seine Hobbys sind eigentlich Fußball spielen und Musik hören. Doch eine Lehrerin hat ihn darauf gebracht, als Statist in „Nathan der Weise“ mitzumachen. Und nun findet Ahmed Idriss es „aufregend“. (Weiterlesen: Osnabrücker „Nathan“ spielt in einem Flüchtlingscamp)

Religionen seien eigentlich nicht das Problem

Mouin Youssef dagegen war sogar schon der Leiter einer kurdischen Theatergruppe in Syrien. „Wir sind auf Festen aufgetreten und haben auch gesungen und getanzt“, berichtet er. Auf der Bühne muss er auch einmal gemeinsam mit einem Christen eine Jüdin angreifen.

Denn in dieser „Nathan“-Variante ist das Verhältnis der Religionen alles andere als harmonisch. Und wie sehen das die Statisten? Glauben sie, dass die Konflikte unlösbar sind? Die Religionen seien nicht das Problem, antworten sie. „Das sind eigentlich politische Konflikte“, so Amer Alnawara

Einig sind sie auch, dass das Theaterspielen Spaß macht. Sie würden auch gern bei nächster Gelegenheit wieder mitmachen, sagt Samer Asaad. „Dann aber auf Deutsch“, erklärt er. Denn wenn sie in der aktuellen Produktion etwas sagen, dann eben auf Arabisch. (Weiterlesen: Statements Osnabrücker Religionsvertreter zur Ringparabel in „Nathan“)


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