Schülerfriedenspreis 2016 Sonderpreis für Osnabrücker Filmemacherin Abigail Mathew

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Hannover. Bei der Verleihung des niedersächsischen Schülerfriedenspreises 2016 im frisch renovierten Gästehaus der Landesregierung in Hannover hat die Osnabrücker Gymnasiastin Abigail Mathew für ihr Filmprojekt „Flucht 1937“ einen Sonderpreis erhalten.

Entstanden ist der Film aus einer Schulaufgabe heraus. Die hatte die damals 13-jährige Ratsgymnasiastin im Sommer 2015 zum Anlass genommen, mehr über die Rolle ihres Urgroßvaters im Dritten Reich zu erfahren. Nach einer intensiven Recherche war mehr als ein Jahr später schließlich ein professionell gedrehter und geschnittener Dokumentarfilm mit Spielszenen im Kasten, der in so eindringlicher wie authentischer Weise zeigt, wie Wilhelm Hellmeister in den Dreißigerjahren seinen jüdischen Chefs - darunter der ältere Bruder von Felix Nussbaum - zur Flucht von Osnabrück nach Amsterdam verholfen hat.

Beitrag zur Erinnerungskultur

Abigail Mathew hat damit anhand der Beschäftigung mit einem Teil ihrer eigenen Familiengeschichte einen nachhaltigen Beitrag zur Erinnerungskultur geleistet. Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt würdigte das Projekt als „außergewöhnliche und herausragende Einzelleistung“. Dabei wäre die Umsetzung der Idee, die Geschichte zu verfilmen, ohne zahlreiche Unterstützer und Helfer nicht möglich gewesen. Um das zu verdeutlichen, hat ein Teil der insgesamt mehr als 70-köpfigen Filmcrew die junge Preisträgerin zur feierlichen Urkundenübergabe nach Hannover begleitet.

Das Preisgeld soll unter anderem für Rückvergütungen verwendet werden für Beteiligte, die unentgeltlich einen Beitrag zum Film geleistet hatten, kündigte Abigails Vater Mark Mathew am Rande der Veranstaltung an. Zudem arbeite man derzeit aufgrund der hohen auch internationalen Nachfrage an einer englischsprachigen Version des preisgekrönten Films, zumal er in diesem Jahr auch auf verschiedenen Festivals im In- und Ausland gezeigt werden wird.

Noch Fragen offen

Da der letzte Schnitt nicht gleichbedeutend mit dem Ende der Recherche gewesen ist, noch längst nicht alle Fragen beantwortet und zudem auch neue aufgekommen sind, werde außerdem über eine Art Fortsetzung nachgedacht, die möglicherweise in Amsterdam spielen könnte. Auch ein Film-Buch mit Fotostrecken und Originaldokumenten oder ein „Making Of“ seien angesichts des sich auf drei Dutzend Stunden summierenden Filmmaterials denkbar.

Auf ihre Frage, warum das damals alles so passiert ist, habe sie bis heute nie eine passende Antwort gefunden, sagte die inzwischen 15-jährige Filmemacherin nach der Preisübergabe. Warum ihr Urgroßvater so gehandelt hat, wie er es tat und tun musste, ist ihr indessen im Laufe der Recherche und der Dreharbeiten umso verständlicher, bewusster und nachvollziehbarer geworden: „Aus Anstand und Menschlichkeit“. Als Beitrag „gegen das Vergessen“ wolle Abigail Mathew ihren Film verstanden wissen. Dabei erscheint eine solche Form der Aufarbeitung von Diktatur und Terrorherrschaft aktuell wertvoller denn je – umso mehr, wenn sie wie im Fall Abigail Mathew durch eine engagierte Angehörige der jungen Generationen vorangetrieben wird.


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