Info-Abend der Bürgerinitiative Voxtruper formieren sich gegen Stromtrasse

Diese 110-kV-Stromleitung quer durch Voxtrup könnte abgebaut werden. Foto Jörn MartensDiese 110-kV-Stromleitung quer durch Voxtrup könnte abgebaut werden. Foto Jörn Martens

Osnabrück. Das Thema Hochspannungsleitungen elektrisiert nun auch die Voxtruper. An einer Versammlung, in der eine Voxtruper Bürgerinitiative am Freitagabend über die Pläne zum Bau einer 380-Kilovolt-(kV)-Leitung durch den Ort informierte, nahmen am Freitagabend weit mehr als 200 Personen teil. Auch in Borgloh (Hilter) und Wellingholzhausen (Melle) haben sich entlang der geplanten Trasse schon Bürgerinitiativen gegründet.

Der große Saal im Haus Rahenkamp war so voll, dass die Servicekräfte Schwierigkeiten hatten, ihre Getränkewagen durch die Reihen zu schieben.

Was genau ist in Voxtrup eigentlich geplant? Derzeit verlaufen zwei Hochspannungstrassen durch den Osnabrücker Stadtteil, eine 110-kV-Leitung mitten hindurch und eine 220-kV-Leitung vom Umspannwerk in Lüstringen am östlichen Ortsrand vorbei in Richtung Gütersloh. Um letztere Leitung geht es: Sie soll abgebaut werden, damit in ihrer Trasse eine 380 kV starke Leitung mit fast doppelt so hohen Masten und breiteren Schutzstreifen entstehen kann. So sehen die Pläne des Übertragungsnetzbetreibers Amprion aus. Die Firma ist vom Bund mit dem Stromnetzausbau im Osnabrücker Land beauftragt. Hintergrund ist die von der Bundesregierung ausgerufene Energiewende: Windenergie aus dem Norden Deutschlands soll in den Süden transportiert werden – und dazu reicht die Netzkapazität derzeit nicht aus.

In Voxtrup werden bei der bestehenden 220-kV-Trasse die vom Land vorgeschriebenen Mindestabstände von 400 Metern zu Wohnhäusern im Innen- und 200 Metern im Außenbereich teilweise unterschritten. Sollte Amprion in dieser Trasse bleiben und darin die geplante 380-kV-Leitung bauen, will das Unternehmen im Gegenzug aber die 110-kV-Leitung mitten durch den Ort abbauen.

„Lassen Sie sich hier in Voxtrup nicht entzweien von Amprion“, appellierte Frank Vornholt von der Bürgerinitiative in Wellingholzhausen an die Zuhörer. Zusammen mit Dierk Bollin und Aljoscha Kipp von der Bürgerinitiative im westfälischen Borgholzhausen und der Gründerin der Voxtruper Initiative Christine Hoefer informierte Vornholt über das Vorhaben. Ihre Hauptforderung: Erdkabel statt Freileitungen. Erdkabel sind vom Bund deutschlandweit bislang nur auf vier Pilotstrecken außerhalb des Osnabrücker Landes vorgesehen.

Zur emotionalen Einstimmung zeigten die Organisatoren eine Diaschau, die unter anderem die Strommasten zeigten, die bei dem Schneechaos im November 2005 in Münster umgeknickt waren. Christine Hoefer zählte sodann die Konfliktpunkte in Voxtrup auf: die Überspannung von Häusern und Gärten, die Nähe des Voxtruper Kindergartens zu beiden Leitungen, die Zerstörung von Natur im Wasserschutz- und Überschwemmungsgebiet, die Beeinträchtigung des Naherholungsgebietes Sandforter Berg. Und auf einer beliebten Rodelwiese müsse man bald wohl Schilder aufstellen: „Rodeln kann tödlich sein“, zeichnete Hoefer ein Schreckensszenario.

Eines der Ziele, die alle Bürgerinitiativen verfolgen, ist seit kurzem erreicht: Das Land hat ein Raumordnungsverfahren angeordnet. Das bedeutet, dass sich die Bürger dazu äußern können werden – und dass diverse Varianten des Leitungsverlaufs geprüft werden. „Das verschafft uns ein gutes Jahr mehr Zeit“, betonte Vornholt.

Aljoscha Kipp wies darauf hin, dass der Grenzwert für die Strahlung von Hochspannungsleitungen vom Bundesamt für Strahlenschutz auf 100 Mikrotesla festgelegt sei – in anderen Ländern sei der Grenzwert um ein vielfaches geringer, in den USA etwa liege er bei 0,2 Mikrotesla. Gesundheitliche Folgen könnten sein: gesteigertes Schmerzempfinden, Tinnitus und Schlafstörungen. Zudem könnte das Krebsrisiko steigen. Kipp betonte das Wort „könnte“: „Ich will nicht sagen: Wenn ich unter der Trasse lebe, werde ich krank.“ Dierk Bollin erläuterte dann wiederum, dass Erdkabel durchaus eine praktikable Lösung seien und europaweit Hunderte Kilometer Hochspannungskabel in der Erde lägen. Bollin: „Es kann also nicht heißen, dass es nicht möglich ist – das ist Politik, sonst nichts.“

Vornholt betonte abschließend, dass es den Bürgerinitiativen um Sachlichkeit gehe. „Wir begegnen Amprion auf sachlich-konstruktiver Ebene“, sagte er. „Unser Ansprechpartner ist die Politik.“ Der Bundestagswahlkampf müsse also dazu genutzt werden, die Abgeordneten von den Vorteilen einer Erdverkabelung zu überzeugen. Der Technik stehen Landwirte skeptisch gegenüber. Also sagte Vornholt: „Holen Sie sich Landwirte mit ins Boot!“ Christine Hoefer, die bislang alleine an der Front in Voxtrup stand, sei von mindestens 25 Personen angesprochen worden, die sich in der Initiative engagieren wollen, sagte sie hinterher. Im Bürgerforum Voxtrup werde das Thema am 21. August auf der Tagesordnung stehen. Der Stadtentwicklungsausschuss wird sich schon am Donnerstag, 15. August damit beschäftigen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN