Uni prüft Alternativen zur Schließung Osnabrücker Kunstgeschichte-Institut vorläufig gerettet

Von Sebastian Stricker


Osnabrück. Die Frage nach dem Fortbestand des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Osnabrück bleibt offen. Eine vom Präsidium beabsichtigte Schließung ist auch nach der Senatssitzung am Mittwoch nicht vom Tisch. Allerdings sollen nun bis zum Frühsommer Alternativen geprüft werden.

Volle Zustimmung des Senats finden dabei grundsätzliche Überlegungen des Präsidiums, trotz finanzieller Engpässe die Wettbewerbsfähigkeit der Fächer insgesamt zu erhöhen und dafür „stellentechnische Gestaltungsspielräume“ zu schaffen, wie es in einer Beschlussvorlage heißt. Einig war sich das 19-köpfige Gremium, dem mit Hochschullehrern, Studenten und Mitarbeitern Vertreter aller Bereiche der Uni angehören, aber darin, dass dies nicht zwangsläufig auf Kosten des Fachs Kunstgeschichte und des Kunsthistorischen Instituts gehen dürfe.

Drei Professuren auf einen Schlag

Dort werden 2023/24 auf einen Schlag drei Professuren frei – was das Präsidium im Dezember zu dem heftig umstrittenen Vorschlag veranlasst hat, diese nicht wieder zu besetzen, sondern dorthin zu verlagern, wo die Universität sich stärker profilieren wolle.

„Wir befinden uns weiterhin im Abwägungsprozess“, stellte Präsident Wolfgang Lücke am Mittwoch nach der Senatssitzung fest. Als Senatsvorsitzender lobte er ausdrücklich die „konstruktive, sachliche, faktenbasierte und wertschätzende“ Auseinandersetzung des Gremiums mit diesem Thema. „Das war eine Sternstunde der Hochschuldiskussion.“

Präsidium beeindruckt vom Protest

Im Gegensatz dazu sei die wochenlange öffentliche Debatte über die Schließungspläne teilweise von falschen Behauptungen und Fehlinterpretationen geprägt gewesen, so Lücke – von Sachbeschädigungen und persönlichen Angriffen gegen ihn ganz zu schweigen. Dazu Vizepräsidentin Susanne Menzel: „Das hat unserer Universität sehr geschadet.“

Nachhaltig beeindruckt zeigte sich das Präsidium wiederum von den zahlreichen und vielfältigen Protesten, mit denen vor Ort, aber auch bundesweit und sogar auf internationaler Ebene für den Erhalt des Fachs Kunstgeschichte an der Uni Osnabrück gekämpft wurde. „Das war beachtlich“, sagte Lücke. Noch am Mittwoch nahm er etwa Listen mit 4500 Unterschriften entgegen, die Studenten seit Mitte Januar in einer Online-Petition gesammelt hatten. (Weiterlesen: Studenten tragen Osnabrücker Kunstgeschichte zu Grabe)

Institut auf der Roten Liste

Unterdessen kündigte der Deutsche Kulturrat an, das Kunsthistorische Institut der Uni Osnabrück auf seine symbolische Rote Liste zu setzen. „Ich finde es bedauerlich, dass heute gegen den Trend ein solches Institut geschlossen werden soll“, sagte der Geschäftsführer des Kulturrates, Olaf Zimmermann, der Deutschen Presse-Agentur. Das Institut habe sich unter anderem einen Namen gemacht mit der Erforschung mittelalterlicher Kunst in Niedersachsen. Der Deutsche Kulturrat ist der Spitzenverband der Bundeskulturverbände.

Rückendeckung bekommt die Hochschulleitung aus dem Wissenschaftsministerium in Hannover unter der Leitung von Ministerin Gabriele Heinen-Kljajic (Grüne). „Für eine zukunftsfähige Ausrichtung müssen sich Hochschulen beständig fortentwickeln und ihr Profil schärfen. Vor diesem Hintergrund können die an der Universität Osnabrück diskutierten strukturellen Veränderungen einen Beitrag zur Profilschärfung leisten“, teilte ihr Sprecher mit.