Kein Bedarf mehr Flüchtlingsunterkunft im alten Finanzamt wird geschlossen

Das ehemalige Finanzamt Osnabrück-Land hat als Notunterkunft für Flüchtlinge ausgedient. Foto: Jörn MartensDas ehemalige Finanzamt Osnabrück-Land hat als Notunterkunft für Flüchtlinge ausgedient. Foto: Jörn Martens

hin/pm Osnabrück. Die Notunterkunft für Flüchtlinge im ehemaligen Finanzamt Osnabrück-Land wird in diesen Tagen geschlossen. Das teilten der Malteser Hilfsdienst und das Innenministerium am Dienstag mit.

Es ist die letzte Notaufnahme des Landes, die jetzt vom Versorgungsnetz genommen wird. Der befristete Vertrag mit dem Betreiber, dem Malteser Hilfsdienst, läuft aus und wird nicht verlängert. Hintergrund sind die deutlich gesunkenen Flüchtlingszahlen.

Ein Sprecher des Innenministeriums verwies am Dienstag auf das Unterbringungskonzept des Landes, das zukünftig „aktive“ Plätze (sofort belegbar) und „passive“ Plätze (innerhalb weniger Tage belegbar) sowie Reserven (Vorlauf von zwei bis sechs Wochen) vorsieht. Aktuell sind nach Angaben des Innenministeriums bis zu 6500 Plätze in der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen vorhanden. Davon seien knapp 3000 Plätze belegt. Darüber hinaus stünden 14500 Reserveplätze zur Verfügung oder seien innerhalb weniger Tage und Wochen verfügbar. „Mit dem ab 2018 dann endgültig stehenden und gültigen Kapazitätskonzept wird dem Land dann mehr Flexibilität in der Erstaufnahmeunterbringung zur Verfügung stehen“, so der Ministeriumssprecher. Und weiter: „Damit kann zukünftig bei einer ähnlich hohen Zugangssituation wie insbesondere im dritten Quartal 2015 mögliche Obdachlosigkeit mit weniger Aufwand verhindert werden und eine noch ökonomischere Kostenkalkulation vorgenommen werden.“ Über die Kosten von Einrichtung und Betrieb der Notunterkunft an der Hannoverschen Straße konnte der Sprecher am Dienstag keine Angaben machen.

Malteser bedanken sich bei Helfern

Das Innenministerium hatte die Malteser auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsnot im Herbst 2015 beauftragt, eine Notunterkunft für maximal 400 Flüchtlingen im Gebäude des ehemaligen Finanzamtes-Land einzurichten. Das Haus sollte die Erstaufnahmestellen in Bramsche und am Natruper Holz entlasten. Nach dem Schutzpatron der Hilfsorganisation wurde die Einrichtung „Haus Johannes“ getauft und nahm nach umfangreichen Renovierungs- und Umbauarbeiten, unterstützt durch 60 Ehrenamtliche der kreisweiten Malteser-Ortsgliederungen, am 8. Februar 2016 den Betrieb auf.

Hausleiter Matthias Hülsmann nennt Zahlen zum Betrieb: Insgesamt waren 566 Flüchtlinge mit 21216 Übernachtungen zu Gast. Die Tageshöchstbelegung lag bei 253 Personen. „Darunter waren viele Familien mit Kindern aus insgesamt 26 Nationen, vom Balkan über den Nahen und Fernen Osten bis zu Afrika“, so Hülsmann. 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuten die Flüchtlinge.

Die Malteser danken den Kooperationspartnern und ehrenamtlichen Helfern. Das Marienhospital lieferte die Verpflegung, der Pfarreiengemeinschaft Osnabrück-Süd betreib eine Kleiderkammer, die Flüchtlingshilfe Rosenplatz bot eine Fahrradwerkstatt, der Verein Exil stellte ein Wochenendprogramm für Kinder auf die Beine, das Café Mandela und der TSV Osnabrück richteten Sportangebote ein, Zenit Boulderhalle und das Präventionsteam der Polizei boten Fahrradkurse. Das ehrenamtliche Ärzteteam der Malteser Migranten Medizin engagierte sich in hausärztlichen Sprechstunden.

Außerdem gab es nach den Worten von Hausleiter Hülsmann zahlreiche Sachspenden von Unternehmen und Privatpersonen, Spielzeug von der Awigo, ein Weihnachtskonzert der Musikschule und eine Weihnachtspäckchenaktion des Hümmling-Gymnasiums Sögel im Emsland. Hülsmann: „Auch mit Blick auf das ehrenamtliche Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger aus der Nachbarschaft ist es jetzt Zeit, Danke zu sagen. Durch ihr Anpacken haben die Osnabrücker ihr Herz für Flüchtlinge gezeigt.“


5 Kommentare