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Folge des niedrigen Ölpreises Krisenstimmung bei KME: Wieder 86 Stellen weniger

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Foto: Michael GründelFoto: Michael Gründel

Osnabrück. Der Osnabrücker Kupferverarbeiter KME streicht 86 Stellen in der Sonderfertigung. Das teilte die Geschäftsführung der Belegschaft am Donnerstag in einer Betriebsversammlung mit.

Betroffen ist der Sonderfertigungsbau, der Teile für Öl- und Gasförderanlagen produziert. Wegen des niedrigen Ölpreises habe sich die Investitionsbereitschaft in dieser Branche sehr abgeschwächt, wie eine Unternehmenssprecherin erklärte. Darauf habe KME reagieren müssen. Betroffen seien alle Bereiche von der Produktion bis zur Verwaltung. Über Details des geplanten Arbeitsplatzabbaus konnte die Sprecherin am Donnerstag nichts sagen. Das sei Gegenstand der Verhandlungen zwischen der Geschäftsführung und der Arbeitnehmervertretung.

Betriebsrat und IG Metall halten den Stellenabbau für den falschen Weg und fordern die Unternehmensleitung auf, andere Lösungen zu suchen. Die Nachricht habe in der Belegschaft „große Betroffenheit“ ausgelöst, sagte der 2. Bevollmächtigte der IG Metall, Stefan Deeters. „Die Restrukturierung vor eineinhalb Jahren steckt uns ja allen noch in den Knochen“, so Deeters. Und nun der nächste Schlag.

Scharfe Kritik von der IG Metall

Die Arbeitnehmervertreter räumen in einer Stellungnahme ein, dass sich der betroffene Bereich in einer „angespannten Situation“ befinde. Der Betriebsratsvorsitzende André Lücke bestätigte, „dass aufgrund des niedrigen Ölpreises im Offshore-Bereich aktuell nicht großartig investiert wird und es deshalb zu einer Schieflage in diesem Sektor gekommen ist“. Aus Sicht der IG Metall ist das Vorgehen der Geschäftsleitung aber der falsche Weg. „Es ist aus unserer Sicht überhaupt nicht geprüft, inwieweit andere Möglichkeiten angewendet werden können“, äußerte sich der 2. Bevollmächtigte Stefan Deeters. „Auf der einen Seite bietet das Tarifwerk der Metall- und Elektroindustrie genau für solche Situationen passende Instrumente als Lösung an,“ so der Unternehmensbeauftragte. Auch das Thema Kurzarbeit müsse als eine mögliche andere Lösung geprüft werden. Deeters kritisierte „dieses Vorpreschen als vorschnell und unüberlegt.“

Weiter heißt es in der Stellungnahme der Arbeitnehmervertreter: „Entlassungen sind für uns als Interessensvertretung immer die schlechteste Lösung eines Problems. Wir werden im Rahmen der Gespräche in den nächsten Wochen jede auch nur denkbare Möglichkeit prüfen und auch bei der Unternehmensleitung einfordern.“

Trotzdem „Anlass zur Hoffnung“

Der Betriebsratsvorsitzende André Lücke kündigte an, „um jeden einzelnen Arbeitsplatz“ zu kämpfen. „Ich hoffe doch sehr, dass wir möglichst viele retten können“, sagte er unserer Redaktion. Lücke bekräftigte seine schon früher geäußerte Kritik an der italienschen Konzern-Geschäftsführung: Diese „inkompetenten Vorstände“ hätten „keine Ahnung von den Märkten“.

Trotz der schwierigen Marktlage sieht Lücke, der Mitglied des Aufsichtsrates ist, „Anlass zur Hoffnung“. Die Geschäftsführung habe in der Betriebsversammlung Perspektiven aufgezeigt, KME auf eine breitere und sichere Finanzbasis zu stellen. Details wollte Lücke nicht preisgeben. Auch die KME-Geschäftsführung war zu einer weitergehenden Stellungnahme nicht bereit.

Schmerzhafter Prozess

Die KME Germany GmbH & Co. KG ist eine hundertprozentige Tochter der italienischen Intek Group Spa mit Sitz in Mailand. An weltweit 15 Produktionsstandorten sind 4700 Mitarbeiter beschäftigt. Im Hauptsitz an der Klosterstraße in Osnabrück arbeiten zurzeit etwas mehr als 2000 Menschen.

Der Kupferverarbeiter befindet sich seit Jahren in einem schmerzhaften Anpassungsprozess. 2012 vereinbarten Betriebsrat und Geschäftsführung eine Arbeitsreduzierung für einen Teil der Belegschaft, die mit Gehaltseinbußen von bis zu zehn Prozent verbunden war. Im Mai 2015 kündigte das Unternehmen den Abbau von 340 Stellen an, zum Teil durch betriebsbedingte Kündigungen. Betroffen waren alle Betriebsbereiche von der Produktion bis zur Verwaltung. Die Rohrproduktion und die damit verbundenen 40 Arbeitsplätze wurde in das Werk Menden verlegt. 2016 keimten Hoffnungen auf, es könnten an der Klosterstraße 130 neue Arbeitsplätze entstehen, weil eine KME-Tochter in Italien von heute auf morgen aus Sicherheitsgründen schließen musste. Die Hoffnung hat sich nicht erfüllt.


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