„fremdsein. ein dialog“ Neues tpw-Stück und Wanderausstellung in Osnabrück

Von Anne Reinert

Die gefahrvolle Grenzüberquerung zeigt diese Szene aus „fremdsein. ein dialog“ bei der Premiere in Osnabrück. Foto: Hermann PentermannDie gefahrvolle Grenzüberquerung zeigt diese Szene aus „fremdsein. ein dialog“ bei der Premiere in Osnabrück. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Das Stück „fremdsein. ein dialog“ der Theaterpädagogischen Werkstatt (tpw) Osnabrück hat Premiere gefeiert. Es erzählt von Geflüchteten und Vertriebenen. die seit dem Zweiten Weltkrieg aus verschiedenen Ländern nach Deutschland gekommen sind. Außerdem ist eine Ausstellung zum selben Thema zu sehen.

Diese junge Frau lebt in einem afrikanischen Land, einer Militärdiktatur, deren Doktrin sie sich unterordnen muss. Doch sie will in Freiheit leben und macht sich auf den gefahrvollen Weg nach Deutschland. Dann gibt es den jungen Mann, ein DDR-Bürger, bei dem auf einmal die Polizei in der Wohnung steht. Er soll ausgewiesen werden. Sofort. Fünf Minuten bleiben ihm, um sich von seiner Mutter verabschieden.

Diese beiden Menschen trennen Ort und Zeit. Die Geschichte der jungen Afrikanerin stammt aus der Gegenwart; die geschilderte Ausbürgerung fand in den späten 80ern statt. Und doch eint sie eine Menge. Für beide war es ein Aufbruch ins Ungewisse, ein Weg voller Angst. Beide mussten außerdem in einem neuen Land Fuß fassen, das sie gar nicht kannten.

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Stück basiert auf Interviews

Das Stück „fremdsein. ein dialog“ eint diese und andere Geschichten Geflüchteter damals und heute. Die Produktion der Theaterpädagogischen Werkstatt (tpw) feierte nun in der Katholischen Bildungsstätte Premiere. Vorher wurde die Ausstellung „Schau mich an – Gesichter einer Flucht“ des Asylkreises Haltern am See eröffnet.

Entwickelt wurde das Stück auf der Grundlage von Interviews, die die tpw-Theaterpädagoginnen Liane Kirchhoff (Projektleitung bei „fremdsein“) und Judith Röser (Autorin und Regisseurin) mit Geflüchteten und Vertriebenen aus den Ostgebieten nach dem Zweiten Weltkrieg, mit DDR-Aussiedlern und mit Menschen aus arabischen und afrikanischen Ländern, der in jüngster Zeit nach Deutschland gekommen sind, geführt haben. Und es zeigt sich: Ihre Geschichten haben viel miteinander zu tun. Zu den Stärken des intensiven Stücks zählt, das klar zu machen. Etwa, wenn ein Bürgermeister die Dorfbewohner zur Flucht aufruft. In welchem Land diese Szene spielt, wird erst klar, als von den Russen die Rede ist, die näher kommen.

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Ausstellung „Schau mich an“

Röser hat die Rollen gegen den Strich verteilt. Die beiden Studentinnen Johanna Moußet und Mareen Nykamp spielen junge Frauen aus arabischen und afrikanischen Ländern, die nach Deutschland eingereisten Sevdalina Marinova und Kaisar Mahmoud diejenigen, die aus der DDR und Osteuropa kamen. Neben Fluchterlebnissen erzählt „fremdsein“ aber auch vom Ankommen in einem anderen Land und von Fremdenhass.

Noch bis Freitag, 17. Februar, ist die Ausstellung in der Familienbildungsstätte zu sehen. Auf großen Bannern zeigen die Poträtierten buchstäblich Gesicht; daneben stehen ihre Geschichten. Journalistin Gerburgis Sommer hatte die Geflüchteten und Vertriebenen zunächst für eine Zeitungsserie konzipiert, bevor aus ihren Geschichten eine sehen- und lesenswerte Ausstellung wurde.

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Schulen in Osnabrück und dem Landkreis können das tpw-Stück buchen unter Tel. 0541/58054630 oder per E-Mail unter kontakt@tpw-osnabrueck.de.


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