Haft für Testamtsvollstrecker 52-Jähriger veruntreut Erbschaft einer Osnabrückerin

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Eine Erbschaft hat ein 52-jähriger Hamburger nicht mit der Erbengemeinschaft geteilt, sondern für sich behalten. Er muss deshalb jetzt ins Gefängnis. Foto: imago/blickwinkelEine Erbschaft hat ein 52-jähriger Hamburger nicht mit der Erbengemeinschaft geteilt, sondern für sich behalten. Er muss deshalb jetzt ins Gefängnis. Foto: imago/blickwinkel

Osnabrück. Zu dreieinhalb Jahren Freiheitsentzug hat das Osnabrücker Amtsgericht einen Mann aus Hamburg verurteilt. Das Gericht sah es als erweisen an, dass der Angeklagte als Testamentsvollstrecker einer Osnabrückerin eine Erbengemeinschaft um ihren Anteil betrogen hat.

Der heute 52-jährige Mann war vor dem Tod seiner Osnabrücker Lebensgefährtin im Oktober 2012 von ihr als Testamentsvollstrecker eingesetzt worden. Laut Anklage soll er dieses Amt aber so ausgeübt haben, dass es nur zu seinem eigenen wirtschaftlichen Vorteil war – und die drei Kinder der Frau leer ausgingen. So habe er mehrfach Geld vom Konto seiner Lebensgefährtin abgehoben, listete der Oberstaatsanwalt auf. Insgesamt sei so mindestens ein Schaden von 87.500 Euro entstanden.

Ruchbar wurde die Geschichte, als einer Tochter der Lebensgefährtin plötzlich Rechnungen der Uni-Klinik Münster im sechsstelligen Bereich ins Haus flatterten. Offenbar hatte der als Testamentsvollstrecker eingesetzte Freund der Mutter die gezahlten Beiträge der Beihilfe nicht an das Klinikum weitergeleitet, sondern für sich behalten. Auf Nachfrage „gab es immer wieder neue Geschichten“, erzählte die älteste Tochter nun vor Gericht.

Haus für Erben verloren

Die Einsicht in das Testament habe der Angeklagte verweigert, führte sie weiter aus. Stattdessen hätte ihm die Familie – immer noch im treuen Glauben an die Ehrlichkeit des Mannes – Blankopapiere unterschrieben. Auch gegen den Verkauf des Hauses der verstorbenen Mutter habe sich der Angeklagte als Testamentsvollstrecker gesträubt. „Wir sollten noch einige Jahre warten, dann würde jeder von uns noch 50.000 Euro dafür bekommen“, schilderte die Tochter die Versprechungen des Angeklagten. Doch daraus wurde nichts: Mittlerweile ist das Haus für die Erbengemeinschaft sogar ganz verloren, denn es ist in die Konkursmasse der Privatinsolvenz des 52-Jährigen geraten.

War der Angeklagte von der Verstorbenen finanziell abhängig gewesen? Die Aussagen der drei Kinder zu dieser Frage waren nicht ganz einheitlich. Die älteste Tochter und der Sohn behaupteten im Zeugenstand, der Angeklagte sei von ihrer Mutter finanziell ausgehalten worden. Die zweite Tochter hingegen berichtete, dass mancher gemeinsame Urlaub von dem heute 52-Jährigen bezahlt worden sei.

Der Angeklagte selbst wollte sich zur Sache nicht äußern. Stattdessen verwies sein Verteidiger auf ein Schriftstück, das in den Zusammenhang der mittlerweile abgeschlossenen Privatinsolvenz des 52-Jährigen gehörte. Darin führte der Angeklagte Forderungen in Höhe von 40.000 Euro auf, die er an seine ehemalige Lebensgefährtin gestellt habe. Außerdem verlas der Verteidiger ein Schreiben, wonach der 52-Jährige durch den Tod seiner Partnerin in eine schwere Lebenskrise geraten sei.

Rund 30 Besuche in der Spielbank

Auf diese Argumente ließ sich der Oberstaatsanwalt in seinem Plädoyer aber nicht ein. „Entscheidend ist: Wurden die Gelder zweckentsprechend verwendet oder nicht?“, bilanzierte der Jurist. Statt nachprüfbare Überweisungen zu tätigen oder ein Kassenbuch zu führen, habe der Angeklagte nur Barabhebungen vorgenommen. „Es gibt zudem Indizien, dass er das Geld nur für sich verwendet hat.“ Dafür sprächen auch die rund 30 Besuche des 52-Jährigen in Spielbanken, so der Oberstaatsanwalt. Die von der Verteidigung ins Feld geführten finanziellen Gegenforderungen wies der Anklagevertreter als unglaubwürdig zurück. Wegen Veruntreuung in 19 Fällen beantragte er eine Gefängnisstrafe von dreieinhalb Jahren.

Dem hatte der Verteidiger wenig entgegenzusetzen. Sein stärkstes Argument: Die Gegenforderungen seien gerade deswegen glaubhaft, weil sein Mandant „nur“ 40.000 Euro angegeben habe. „Er hätte ja leicht einen höheren Betrag aufschreiben können.“ Er forderte schließlich Freispruch für den Hamburger.

Dazu mochten sich die Richterin und die Schöffen aber nicht entschließen. Vielmehr machte sich die Vorsitzende in ihrem Urteil die Argumentationslinie des Oberstaatsanwaltes zu eigen und verurteilten den Angeklagten wie von diesem beantragt zu 42 Monaten Gefängnis.


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