Aufführung von Lessings Ringparabel im Theater Osnabrück Statements Osnabrücker Religionsvertreter


Osnabrück.  Was sagen Osnabrücker Vertreter der monotheistischen Religionen zur Ringparabel in Lessings „Nathan der Weise“? Anlässlich der Aufführung im Theater Osnabrück hat unsere Redaktion nachgefragt.

Die Ringparabel erzählt davon, wie ein Vater der Tradition seiner Familie folgend seinem liebsten Sohn einen wertvollen Ring vererben soll. Doch weil er seine drei Söhne gleichermaßen liebt, lässt er zwei Duplikate anfertigen und vererbt jedem Sohn einen Ring. Welcher ist nun der wahre? Ein Richter entscheidet: Alle drei sind die wahren Ringe.

 

Philipp Eifler, Referent der evangelisch-reformierten Jugendkirche:

Ich bin der Auffassung, dass wir offen und begeistert von dem erzählen dürfen, was wir in unseren Religionen für wahr halten. Was jemand glaubt, hängt sicher auch davon ab, womit er aufwächst. Ich bin mit dem christlichen Glauben erzogen worden, und er hat sich in meinem Leben immer wieder als tragfähig erwiesen. Der Glaube an den Schöpfer eint Islam, Judentum und Christentum. Doch unsere Religionen führen uns auf unterschiedliche Wege.

 

Dechant Dr. Bernhard Stecker, Pfarrer der katholischen Christus-König-Kirche:

Theologisch ist die Ringparabel nicht unproblematisch und auch so nicht haltbar. Es wird eine Außensicht gewählt, die den inneren Kern unserer Wahrheiten nicht erfasst. Der Wahrheitsbegriff ist sehr vereinfacht und dinghaft und zeigt kein personales Verständnis. Trotzdem: Die Ringparabel gibt gerade in unserer Zeit einen wichtigen Impuls für eine Verständigung der Religionen, auch für Toleranz und gegenseitigen Respekt. Im theologischen Studium kommt heute niemand um die Parabel herum.

 

Imam und Theologe Mustansar Ahmad, Basharat Moschee Osnabrück:

Die Christen haben Jesus, die Juden haben Moses, die Muslime haben Mohammed. Die Propheten wurden alle von demselben Gott auf die Erde gesendet. Wenn die Religionen von Menschen erfunden worden wären, dann hätten sie sich nicht so weit verbreiten können. Deshalb bin ich der Ansicht, dass alle drei Religionen wahrhaftig sind.

 

Rabbiner Avraham Radbil, Jüdische Gemeinde Osnabrück:

Aus jüdischer Sicht ist es verboten zu missionieren. Wir glauben, dass man nicht Jude sein muss, um in die kommende Welt zu gelangen. Für Nichtjuden reicht es, sich an die sieben Noachidischen Gebote zu halten. Es gibt verschiedene Wege, mit Gott zu kommunizieren. Ich kenne das aus meinem Leben von meinen drei Kindern. Zu jedem habe ich einen anderen Zugang, weil sie alle unterschiedlich sind. Genauso haben die drei Religionen einen eigenen Zugang zu Gott.


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