„Ich komm‘ zum Glück aus Osnabrück“ Pariser Modenschau: Woher kommt der Sweater mit Osnabrück-Slogan?

Mit einem Pulli mit dem Slogan „Ich komm’ zum Glück aus Osnabrück“ lief dieses Model auf einer Schau des Modelabels Vetements in Paris. Foto: AFPMit einem Pulli mit dem Slogan „Ich komm’ zum Glück aus Osnabrück“ lief dieses Model auf einer Schau des Modelabels Vetements in Paris. Foto: AFP

Osnabrück. Vor 15 Jahren war es eine riesengroße Kampagne, jetzt sorgt der Slogan „Ich komm‘ zum Glück aus Osnabrück“ erneut für Aufmerksamkeit. Doch was hat der Sweater mit dem Spruch, den ein Model bei einer Modenschau in Paris trug, mit einem Bullen zu tun?

Um die ganze Geschichte zu verstehen, muss man einige Jahre zurückgehen. 15, um genau zu sein. Damals führten mehrere Unternehmen zusammen mit dem „Stern“ eine Umfrage durch, die klären sollte, wo in Deutschland die glücklichsten und zufriedensten Menschen lebten. Die Antwort: In Osnabrück. „Der damalige Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip wollte damals ein Ortseingangsschild haben, auf dem das irgendwie drauf stand“, sagt Thomas Schulte, Geschäftsführer der Werbeagentur Hagenhoff. „Wir haben dann an einem Wochenende gleich eine ganze Kampagne entwickelt.“ So wurde ein Satz geboren, der noch heute häufig verwendet wird: „Ich komm‘ zum Glück aus Osnabrück.“

Beliebte T-Shirts

In einer großen Printkampagne im „Stern“ stellten sich Unternehmen aus der Region vor, die „Neue Osnabrücker Zeitung“ brachte eine große Sonderbeilage zu dem Thema heraus. Auch die Bevölkerung sollte an der Kampagne beteiligt werden. Da zu der Zeit die Maiwoche stattfand, wurden T-Shirts mit dem Slogan gedruckt, die das Personal trug. Und die schlugen ein wie eine Bombe: „Sie waren bei den Besuchern so begehrt, dass sie neu aufgelegt wurden“, sagt Schulte, der damals zu dem Team gehörte, dass sich die Kampagne ausdachte.

Die T-Shirts, die die Werbeagentur Hagenhoff für die Kampagne entwickelte, waren knallrot. Foto: Pollert

Sweatshirt von Osnabrücker Herdbuch-Genossenschaft?

Seitdem taucht der Claim immer mal wieder auf – als Etikett an Autos, in Reden, auf dem T-Shirt einer Schauspielerin im Tatort oder wie jetzt grade auf dem dunkelgrünen Sweater eines Models, das bei einer Modenschau des Labels Vetements in Paris lief. Jetzt ist klar, woher der Sweater vermutlich stammt: von der Osnabrücker Herdbuch-Genossenschaft (OHG), einer der führenden Rinderzuchtorganisationen in Europa. „Wir hatten damals den weltbesten Bullen Namens Lancelot“, sagt Andreas Kandzi von der OHG. „Ich habe den Slogan auf einem Auto gesehen und ihn anlässlich der europäischen Holsteinshow in Oldenburg auf dunkelgrüne Sweatshirts drucken lassen“, sagt Kandzi. Auf der Rückseite sei wie bei einem Torwarttrikot der Name des Bullen und eine „eins“ gedruckt worden. Ob es sich tatsächlich um diesen Pulli handelt und wie das Modelabel den Sweater bekommen hat, ist unklar. Das Unternehmen hat eine Anfrage unserer Redaktion immer noch nicht beantwortet.

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Ein von VETEMENTS (@vetements_official) gepostetes Foto am 6. Mai 2016 um 8:33 Uhr

Neuauflage der T-Shirts möglich?

Dass die OHG den Slogan abgekupfert hat, findet die Werbeagentur im Übrigen nicht schlimm. Auch andere Unternehmen hätten das gemacht. „Wir freuen uns wahnsinnig, dass jemand in Paris mit dem Slogan rumläuft und die Geschichte immer noch weiterlebt“, sagt Schulte. Immer wieder würden Menschen bei ihnen anrufen und nach T-Shirts oder Aufklebern mit dem Claim fragen. Bislang gibt es diese zwar seit der Kampagne nicht mehr – möglicherweise aber bald wieder. „Wir überlegen, ob wir den Auftritt des Models nicht zum Anlass nehmen sollen, noch mal T-Shirts mit dem Spruch bedrucken zu lassen“, sagt Sven Jürgensen, Sprecher der Stadt Osnabrück. Doch warum hat man das nicht schon früher gemacht, wenn der Spruch immer noch so beliebt ist? „Die Kampagne war wohl die erfolgreichste, die wir je gemacht haben. Es sollte kein Ladenhüter werden, sondern eine kraftvolle Kampagne. Und die hat immer einen Anfang und ein Ende.“


Das Modelabel Vetements

Das Pariser Modelabel Vetements mischt seit drei Jahren die Modeszene auf. Kopf hinter dem siebenköpfigen Designerkollektiv des Labels ist der gebürtige Georgier Damna Gvasalia. Zum Liebling der Modeszene machte er Vetements Anfang 2016 mit einer aus zwei Vintage-Jeans zusammengenähten Hose.

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