Tatort Kirche Einbrüche in Kirchen werden in der Region Osnabrück zum Problem


Osnabrück. Den Dieben ist offenbar nichts mehr heilig: Einbrecher haben bei Straftaten in Kirchen im vergangenen Jahr in Stadt und Landkreis Osnabrück einen Schaden vermutlich im sechsstelligen Eurobereich angerichtet. Oft sind die Reparaturkosten für die Gemeinden höher als der Wert des Diebesguts.

Wie dreist die Kirchendiebe mittlerweile vorgehen, zeigt ein Beispiel aus Ostercappeln. In der Nacht vom 1. auf den 2. Weihnachtstag hatten Einbrecher die St. Lambertus Kirche heimgesucht und bei der Suche nach Beute einen schweren Tresor gefunden, den sie mit einem Hubwagen durch den Haupteingang aus der Kirche transportierten. Nach Angaben der Polizei befanden sich in dem Safe neben der Weihnachtskollekte auch zahlreiche wertvolle und historische sakrale Gegenstände. Dass dieser Einbruch kein Einzelfall ist, bestätigt die Osnabrücker Polizeisprecherin Anke Hamker, die für das Jahr 2016 insgesamt 41 schwere Einbrüche aus der polizeilichen Statistik abliest. (Weiterlesen: Polizei sucht nach Zeugen für Kircheneinbruch in Ostercappeln)

Entwicklung schwer zu erkennen

Eine Entwicklung über mehrere Jahre hinweg ist nach Angaben des Bistums in Stadt und Landkreis Osnabrück jedoch nicht eindeutig zu erkennen. „Dafür variieren die Zahlen zu sehr“, sagt Bistumssprecher Hermann Haarmann. Die Einbrüche in katholische Kindertagesstätten und Kirchen – die Hauptziele der Einbrecher – lagen in Stadt und Landkreis Osnabrück im Jahr 2016 bei 28, davor waren es 47 (2015) und 34 (2014). Ähnlich verhält es sich zahlenmäßig bei evangelischen Einrichtungen, wie die Landessuperintendentur auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilt.

Kein Unterschied zwischen Konfessionen

Lutz Dettmer sieht zwar bundesweit keine eindeutige Zunahme von Einbrüchen in Kirchen und Gemeindeeinrichtungen. Für den Prokuristen der Ecclesia-Unternehmensgruppe, die als Versicherungsmakler Bistümer und Kirchenkreise betreut, bewegen sich die Fallzahlen aber auf einem „normalen Niveau“. Kunstraube, wie es sie in der Vergangenheit im Kölner Dom und auch in Steinfurt gegeben habe, seien äußerst selten. „Wir beobachten eher Fälle von Beschaffungskriminalität, bei denen sich Personen an Opferstöcken oder Sammelboxen zu schaffen machen.“ Dabei würden die Diebe in der Regel keinen Unterschied zwischen katholischer und evangelischer Konfession machen. Wohl aber gebe es regionale Unterschiede.

Ideeller Wert meist unbezahlbar

Bemerkenswert in negativer Hinsicht ist, dass nicht einmal die geklauten Gegenstände den Großteil der Schadenssumme bei Einbrüchen ausmachen. „Etwa drei Viertel einer Schadenssumme betrifft die Reparaturkosten, nur rund ein Viertel das erbeutete Diebesgut. Beim Diebstahl von Sakralgegenständen ist der materielle Wert der Beute manchmal nur gering, der ideelle Wert für die betroffenen Kirchengemeinden oder Personen aber sehr hoch und meist unbezahlbar“, sagt Haarmann. Ohne den Einbruch in Ostercappeln mitgerechnet, sind dem Bistum im vergangenen Jahr in Stadt und Landkreis Osnabrück rund 62.000 Euro an Kosten entstanden. Im Jahr davor waren es 125.000 Euro, im Jahr 2014 61.000 Euro. Genaue Zahlen für evangelische Einrichtungen für das Jahr 2016 gibt es nicht, jedoch ist davon auszugehen, dass insgesamt ein sechsstelliger Betrag erreicht wurde.

In Kirchen wird abgeräumt

Doch was tun gegen die Einbrecher? Laut Haarmann sind die katholischen Kirchen in der Region ganz unterschiedlich gesichert. „Es gibt Überwachungskameras, Bewegungsmelder und zum Teil Alarmanlagen.“ Außerdem habe Licht eine abschreckende Wirkung und aufmerksame Nachbarn seien ebenso wichtig. Sicherheitstechnische Aufrüstungen sieht Lutz Dettmer in diesem Zusammenhang aber nicht als Lösung. „Es ist unheimlich schwer und sehr teuer, Kirchen mit Sicherheitstechnik auszustatten. Das fängt bei den alten Türen an und hört bei historischen Fenstern auf.“ Dettmer beobachtet indes, dass in Kirchen mehr und mehr „abgeräumt statt aufgerüstet“ wird: „Alles was einen bestimmten Wert hat, kommt immer häufiger in den Tresor“, bestätigt der Versicherungsexperte das, was in der Region langsam aber sicher zur Regel wird.

Kirchen sollen geöffnet bleiben

„Wir empfehlen zumindest, täglich den Opferstock in den Kirchen zu leeren und Bargeld, zum Beispiel aus Kollekten, sehr zeitnah zu den Geldinstituten zu bringen. Im Übrigen raten wir dazu, sakrale Gegenstände und Kunstgegenstände auch fotografisch zu dokumentieren“, sagt Bistumssprecher Haarmann. Nicht zur Diskussion stünde allerdings, die Kirchen zu verriegeln und nur zu Gottesdiensten zu öffnen. Die Kirchen so weit es geht geöffnet zu halten, ist auch Ziel der Superintendentur, wie es auf Nachfrage unserer Redaktion heißt.

Einbrüche in Kitas häufen sich

Doch nicht die Einbrüche in Kirchengebäude allein treiben den Opfern die Sorgenfalten auf die Stirn. Bei der Landessuperintendentur beobachtet man derweil einen neuen Trend. Seit Herbst vergangenen Jahres habe es eine steigende Anzahl von Einbrüchen in Kindertagesstätten gegeben – obschon es dort meist wenig zu holen gibt. Nutzen die Einbrecher die zur Nachtzeit verlassenen Gebäude etwa als Trainingsobjekte? Marco Ellermann, Sprecher der Polizeidirektion Osnabrück ist da skeptisch: „Einbrüche zu Trainingszwecken sind uns nicht bekannt. Sollte es so etwas geben, ist das aus polizeilicher Sicht aber auch schwer zu belegen.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN