Protestaktion beim Uni-Ball Studenten tragen Osnabrücker Kunstgeschichte zu Grabe

Von Ulrich Eckseler


Osnabrück. Mit einer symbolischen Beerdigung haben Osnabrücker Studenten am Samstagabend gegen die geplante Schließung des Kunsthistorischen Instituts protestiert. Als Schauplatz wählten sie den Platz vor der Osnabrück-Halle, wo zu diesem Zeitpunkt der „Ball der Universität“ stattfand.

In einem Trauermarsch transportierten die Studenten zunächst einen selbst gebauten Sarg durch die Innenstadt und trugen das Fach Kunstgeschichte damit sinnbildlich zu Grabe. Begleitet wurde dieser Zug von Menschen mit Grablichtern und Blumen. Vor der Osnabrück-Halle wurde mit Lautsprecher-Durchsagen und Flugblättern auf die geplante Schließung des Instituts für Kunstgeschichte aufmerksam gemacht und der Sarg in unmittelbarer Nähe des Eingangs aufgebahrt.

Bilder bleiben unerklärlich

„1974 – 2024 Die Kunst ist Geschichte“ war auf dem Sargdeckel zu lesen. Neben dem Aufbau: eine Staffelei mit einem Plakat des berühmten „ Selbstbildnisses mit Judenpass “ des Osnabrücker Künstlers Felix Nussbaum. Ein schwarzer Balken mit der Aufschrift „Unerklärlich“ bedeckt die Augen des Malers. In der Fußnote die Erläuterung: „Was passiert mit der Kunst? Bilder wie dieses bleiben unerklärlich, wenn kunsthistorische Institute wie das in Osnabrück geschlossen werden!“

Neben Angehörigen des Fachs Kunstgeschichte unterstützten auch Asta-Vertreter von Universität und Hochschule Osnabrück sowie weitere Studenten die Protestaktion. Nach eigenen Angaben wurden die Demonstranten schon nach wenigen Minuten „auf Anweisung des Veranstalters (sprich: des Präsidiums der Universität)“ des Platzes verwiesen. Wie es in einer Pressemitteilung des Uni-Asta weiter heißt, sei das Wachpersonal beim Uni-Ball „extra aus Befürchtungen über Protestaktionen vonseiten der Kunstgeschichte engagiert“ worden. Die Universität widersprach am Sonntag dieser Aussage. Bei Veranstaltungen dieser Größenordnung sei es unerlässlich, ein Sicherheitskonzept zu haben. Dazu würden Rettungskräfte, die Feuerwehr und Wachpersonal gehören. „Das hat mit der Kunstgeschichte gar nichts zu tun“, sagte Uni-Sprecher Utz Lederbogen auf Anfrage unserer Redaktion.

Mehr als 3000 Stimmen gegen Schließung

Laut Uni-Asta zog sich der Trauerzug schließlich auf den Gehweg vor der Osnabrück-Halle zurück. Dort seien die Demonstranten jedoch vom Wachdienst aufgefordert worden, auch „aus dem Blickfeld des Veranstalters“ zu verschwinden. „Wir halten diese Reaktion für überzogen und sind enttäuscht, dass das Präsidium friedlichen Protest in dieser Frage nicht wahrzunehmen gewillt ist. Dies zeigt, dass der umfassende Widerstand gegen die Schließung der Kunstgeschichte in dieser Frage das Präsidium offenbar verunsichert“, schlussfolgert der Uni-Asta. (Weiterlesen: Streit um Osnabrücker Kunstgeschichte-Institut eskaliert)

Unterdessen steigt die Zahl der Unterstützer einer Online-Petition für den Erhalt des Osnabrücker Instituts weiter rasant an. Inzwischen haben bereits über 3000 Menschen auf der Internetplattform Change.org ihre Unterschrift geleistet. Die vom Institut selbst angestoßene Petition war erst Mitte Januar an den Start gegangen. (Weiterlesen: Uni Osnabrück erklärt Kunstgeschichte für verzichtbar)


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