Großes und kleines Besteck Doppelkonzert im Osnabrücker Lutherhaus mischt Stile

Vielseitig: Nicht nur mit dem HiFi Orchestra im Rücken, sondern auch im Duo trat Sängerin Franziska Loos im Lutherhaus auf. Foto: Elvira PartonVielseitig: Nicht nur mit dem HiFi Orchestra im Rücken, sondern auch im Duo trat Sängerin Franziska Loos im Lutherhaus auf. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Reduzierte Klang- und Vokalkunst zu zweit oder opulenter Stilmix mit großem Orchester: Sängerin Franziska Loos agierte im Osnabrücker Lutherhaus in beiden Kontexten gleichermaßen.

Dafür rückte zunächst einmal das Schlagzeug in den Vordergrund, um dem Duo Loos/Jakob einen Spielraum zu geben, den es vielschichtig nutzte. „Rostbraun“ hieß die Suite aus drei nahtlos ineinander übergehenden Stücken, mit der die beiden den ungewöhnlichen Crossover-Abend eröffneten. Zu den freien Vokal-Improvisationen, mit der sich die Sängerin von erdigen zu höchsten Tönen hinauf schwang, gesellten sich dabei langsam, aber sicher sanfte Schläge, Samples, Keyboarduntermalungen und Hall-Effekte, die am Ende mit Nina Simones Anti-Ehe-Jazzpop-Statement „Marriage Is For Old Folks“ verwoben wurden. Auch Soulpop von Sade und Politrock von System Of A Down interpretierte das Duo auf seine ganz eigene Art.

Kammermusikalische Miniaturen

Nach der Pause wurde schließlich das große musikalische Besteck aufgefahren, das nach einem kurzen „Tune In“ Franziska Loos zu vergleichsweise konventioneller Gesangskunst zwang. Gleichwohl präsentierte das vor vier Jahren gegründete, 19-köpfige HiFi Orchestra unter der Leitung von Chris Behr einen breit gefächerten Stilmix, der sich von Jazz-Standards wie Arthur Hamiltons „Cry Me A River“ über re-arrangierte Pop-Klassiker wie „Walking On The Moon“ von The Police bis hin zu zehn hintereinander weg gespielten kammermusikalischen Miniaturen erstreckte, die in jeweils kleiner Besetzung den einzelnen Instrumenten Geltung verschafften. Das galt aber auch für diverse Soli etwa am Flügelhorn, an der Trompete oder an der Bass-Klarinette, die nicht nur Pop-Cover wie Bill Withers „Ain’t No Sunshine“, sondern auch Eigenkompositionen wie das getragen melancholisch intonierte „A Glimpse A Sparkle“ prägten.

Jenseits aller Pop- und Jazz-Referenzen geriet „Siren“, eine mitunter dramatische, nahezu kakofonische Vertonung der griechischen Sage von Odysseus und den Sirenen. In die kalte Nacht entlassen wurde das Publikum aber mit einem warmen Ohrwurm – in Form von Sonny Bonos treffsicherem „Bang Bang“.


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