Parteiveranstaltung unter Polizeischutz 200 AfD-Gegner trotzen in Osnabrück der Kälte


Osnabrück. Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt haben sich am Freitagabend etwa 200 Demonstranten vor der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Schule versammelt, um gegen die AfD zu protestieren.

Zusammen mit den etwa 50 Sicherheitskräften, die das Gebäude absicherten, dürften sich mithin vor dem ehemaligen Mädchengymnasium mehr Menschen befunden haben als darin. In der ehemaligen Schule traf sich die Osnabrücker AfD zu einer parteiinternen Veranstaltung. Die Partei bringt es in der Friedensstadt auf gerade mal 30 Mitglieder.

Björn Höckes Rede zeigt Wirkung

Die recht hohe Zahl der Gegendemonstranten erklärte sich der Sprecher des Bündnisses Emanzipatorische Politik Osnabrück (Epos), Markus Löwenkamp, auch als Resonanz auf die Rede des thüringischen AfD-Vorsitzenden Björn Höcke in Dresden. Eigentlich hatten Löwenkamp und seine Truppe vom Rosenplatz aus mit dem Bus anreisen wollen. „Wir sind so jetzt aber so viele geworden, dass wir uns spontan entschlossen haben einen Demonstrationszug zu machen.“ Also wurden die AfD-Gegner mit Polizeibegleitung in die Ameldungstraße geführt.

Polizei sperrt weiträumig ab

Die AfD-Mitglieder bekamen die Demonstranten nicht zu Gesicht, da die Polizei den Eingang weiträumig abgesperrt hatte. Also versuchten die 200 mit lautstarken Parolen und Trillerpfeifen den Ablauf der Veranstaltung im Gebäude so wirksam wie möglich zu stören. Es gehe darum, der AfD in Politik und Bevölkerung keinen Raum zu geben, so Löwenkamp in seiner Rede vor den bunt gemischten Gegnern der AfD. Die Partei habe es bereits geschafft, den politischen „Diskurs nach rechts zu verschieben“. Mittlerweile übernähmen die etablierten Parteien die Begrifflichkeiten der AfD, beschrieb er eine in seinen Augen gefährliche Entwicklung.

Die Demonstration vor der ehemaligen Käthe-Kollwitz-Schule erinnerte stark an eine ähnliche Veranstaltung im April des vergangenen Jahres, als die AfD zu einem Vortrag in das Gemeinschaftszentrum Lerchenstraße eingeladen hatte. Seinerzeit hatten es die Demonstranten geschafft, die Versammlung massiv zu stören und am Ende sogar deren vorzeitiges Ende erzwungen. Die Besucher wurden damals unter Polizeischutz aus dem Gebäude geführt. Die Lerchenstraße war im April wie auch die Ameldungstraße am Freitagabend für mehrere Stunden gesperrt.

Stadt vermietet Raum wie gewohnt kostenpflichtig

Den Veranstaltungsort Käthe-Kollwitz-Schule hatte die Stadt der AfD auf Bitte der Partei zur Verfügung gestellt. „Weil die AfD keine verbotene Partei ist, haben wir das als Genehmigungsbehörde gemäß Gleichheitsgrundsatz getan“, sagte Stadtsprecher Sven Jürgensen unserer Redaktion. Die Vermietung durch die Stadt sei selbstverständlich kostenpflichtig. Im April vergangenen Jahres hatte es im Nachgang einigen Wirbel um die Wahl des Gemeinschaftszentrums als Veranstaltungsort gegeben. Andere Veranstaltungen hatten wegen der notwendigen Sicherheitsvorkehrungen abgesagt werden müssen.


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