390 Euro für 88 Quadratmeter Betrugsversuch mit Mietwohnung am Westerberg

Von Sven Kienscherf

Es klingt zu gut, um wahr zu sein: 390 Euro inklusive aller Nebenkosten für eine knapp 90 Quadratmeter große Wohnung am Westerberg. Screenshot: wg-gesucht.de/nozEs klingt zu gut, um wahr zu sein: 390 Euro inklusive aller Nebenkosten für eine knapp 90 Quadratmeter große Wohnung am Westerberg. Screenshot: wg-gesucht.de/noz

Osnabrück. Es klingt zu gut, um wahr zu sein: 390 Euro inklusive aller Nebenkosten für eine knapp 90 Quadratmeter große Wohnung am Westerberg. Diese Anzeige war bis vor Kurzem noch auf dem Portal „wg-gesucht.de“ zu finden. Es handelt es sich dabei um eine bekannte Betrugsmasche.

Auf den Fall hat unsere Redaktion Leserin Sarah Müller (Name geändert) aufmerksam gemacht. Sie hatte auf noz.de über einen ähnlichen Betrugsversuch mit einem Haus am Westerberg gelesen und sich daraufhin gemeldet. „Die Anzeige kam mir komisch vor, aber ich hatte ja nichts zu verlieren und ich habe mich beworben.“ (Weiterlesen: Wieder Betrugsversuch mit Haus am Westerberg)

Die 24-Jährige studiert an der Uni Osnabrück und sucht zusammen mit ihrem Freund eine Wohnung. Auf dem Portal „wg-gesucht.de“ stieß sie auf die Anzeige der Drei-Zimmer-Wohnung in der Marie-Curie-Straße. Die 88 Quadratmeter große Wohnung sollte 390 Euro Gesamtmiete kosten.

Besitzerin angeblich aus Italien

Müller meldete sich über den angegebenen Kontakt. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Es schrieb die vermeintliche Besitzerin, angeblich eine Frau aus Italien. Sie habe die Wohnung für ihren Sohn gekauft, der lebe aber jetzt wieder in Italien. Kurzum: Die Wohnung könne mit oder ohne Möbel angemietet werden. Persönlich treffen könne sie die neuen Mieter leider nicht. Das sei aber kein Problem, es müsse lediglich über die Wohnungsvermittlung Airbnb eine Kaution überwiesen werden, ein paar Tage später werde jemand Müller die Schlüssel übergeben.

Täter eröffnen Guthabenkonten im Ausland

Daraufhin brach Müller die Konversation ab. Wie wäre es weitergegangen? Das erklärt Oberkommissar Eiko Patzig, zuständig für Betrugsdelikte bei der Osnabrücker Polizei. „Aller Wahrscheinlichkeit nach hätte die Leserin eine Mail bekommen, die angeblich von Airbnb stammt. Darin wäre eine Kontoverbindung angegeben gewesen, auf die das Geld überwiesen werden soll.“

Auch das vermeintliche Airbnb-Konto wäre ein Fake gewesen. „Mit der originalen Plattform Airbnb hat das nichts zu tun“, sagt Patzig. Auch wenn in der URL der Mail bisweilen das Wort Airbnb auftauche.

Anonymität des Internets

Hätte Müller das Geld überwiesen, hätte sie nie wieder etwas von der Wohnung gehört. Die 1000 Euro wären wohl weg gewesen, wahrscheinlich für immer. „Die Täter sitzen im Ausland und lassen sich das Geld beispielsweise nach England oder Frankreich überweisen.“

Das Geld lande auf sogenannten Guthabenkonten, die mit gefälschten Daten eröffnet würden und die die Täter nur kurzzeitig nutzten, so Patzig. Eine Variante sei auch die Überweisung mit Western Union. Auch hier könnten die Täter das Geld anonym abholen. Für die Polizei seien die Drahtzieher praktisch nicht zu ermitteln. „Sie nutzen die Anonymität, die das Internet möglich macht.“

In der Summe lohnend

Auch wenn der Trick zumeist als Nepp erkannt wird – manchmal haben die Ganoven Erfolg. Das könne sich in der Summe für die Betrüger durchaus lohnen, sagt Patzig. „Alleine auf Immobilienscout24.de werden pro Monat 150000 Angebote eingestellt. 500 Fake-Anzeigen siebt die Plattform pro Woche von selbst aus. Aber es rutschen immer welche durch.“

In Osnabrück gebe es im Jahr rund 10 bis 20 Hinweise auf Immobilienangebote dieser Art. „Im vergangenen Jahr habe ich zwei Fälle bearbeitet, in denen Menschen Geld überwiesen haben“, sagt Patzig.

Wohnung kostet 1000 Euro kalt

Die Anzeige auf „wg-gesucht.de“wurde mittlerweile gesperrt. Übrigens: Die Wohnung am Westerberg gibt es tatsächlich. Die Bilder kopierten sich die Täter aus dem Internet. Die Wohnung wird über eine Immobilienverwaltung in Hamburg vermietet. Sie ist über hundert Quadratmeter groß und kostet knapp 1000 Euro Miete. Und zwar kalt.