Inklusion und Schulqualität Ministerin Heiligenstadt diskutiert in Osnabrück mit Eltern

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Kultusministerin Frauke Heiligenstadt setzte sich mit den Fragen von Eltern und Lehrkräften zum Thema Inklusion auseinander. Foto: Swaantje HehmannKultusministerin Frauke Heiligenstadt setzte sich mit den Fragen von Eltern und Lehrkräften zum Thema Inklusion auseinander. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Auf der gemeinsamen Sitzung von Kreis- und Stadtelternrat Osnabrück im Kreishaus stellte sich die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt kritischen Fragen zu den Themen Inklusion und Schulqualität. Die anwesenden Eltern und Pädagogen beklagten, dass Kinder mit besonderem Förderbedarf in den Regelschulen derzeit nicht ausreichend gefördert werden.

In den zahlreichen Wortmeldungen berichteten betroffene Eltern, dass ihre Kinder sich an Regelschulen ausgegrenzt und vernachlässigt fühlen. In Klassen von zum Teil mehr als 25 Schülern gehen ihre Kinder regelrecht unter. Die wenigen Extrastunden mit ausgebildeten Sonderpädagogen reichen bei weitem nicht aus, erklärten sie. Den Kindern werde mit Abschaffung der Förderschulen ein „notwendiger Schutzraum“ genommen, und die Eltern von Kindern mit entsprechendem Förderbedarf haben keine Wahlmöglichkeit mehr, ihre Kinder auf eine ihren Bedürfnissen entsprechend Schule zu schicken. Sogar eine Schülerin der Hasetalschule Quakenbrück, einer Förderschule Lernen, meldete sich im voll besetzten Sitzungssaal mutig zu Wort: „Ich mache jetzt meinen Hauptschulabschluss. An einer normalen Schule hätte ich das nicht geschafft, weil ich schon viel Hilfe brauche.“ 

Nur Einzelfälle

Frauke Heiligenstadt, die eingangs in einem Kurzvortrag die wichtigsten Punkte des „Rahmenkonzepts Inklusive Schule“ dargelegt hatte, relativierte die Einwände der anwesenden Pädagogen und Lehrer. In jeder Schulform, egal ob es dort behinderte Kinder gebe oder nicht, gebe es bedauerlicherweise Fälle von Ausgrenzung. Man müsse bedenken, dass es sich bei den geschilderten Beispielen um Einzelfälle handle.

Freundschaften geschlossen

In der Region Hannover etwa gebe es rund 570 Schüler mit Unterstützungsbedarf im Lernen, die auf inklusive Schulen gehen. „Nur sieben von diesen Schülern haben im vergangenen Jahr die Schule wechseln müssen, weil es Probleme gab“, so Heiligenstadt. Alle anderen kommen an den inklusiven Schulen gut zurecht, schließen Freundschaften und entwickeln sich insgesamt positiv. 

Breit gefächerte Schullandschaft

Wahlfreiheit bestehe weiterhin zwischen verschiedenen Regelschulformen, erklärte die Ministerin. Gerade in Niedersachsen gebe es eine sehr breit gefächerte Schullandschaft. Außerdem sei es eine Fehlannahme, dass Förderunterricht nur von Sonderpädagogen erteilt werde. Jeder Lehrer in allen Fächern habe an inklusiven Schulen die Aufgabe, jeden Schüler gemäß seinen Bedürfnissen und Begabungen zu fördern.

Spielraum bei Klassengrößen

Die Klassengrößen und die Unterrichtsversorgung im Land Niedersachsen waren weitere Themen der Diskussion. Heiligenstadt erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die Klassengrößen vor dem Regierungswechsel 2013 noch größer waren. Die sinkenden Schülerzahlen der kommenden Jahre lassen Spielraum, die Klassengrößen weiter zu verkleinern, stellte die Ministerin in Aussicht.


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