Hauptrolle bei „Spieltrieben“ Sandro Šutalo ist neuer Oskar-Schauspieler

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Mit einer Karnickel-Haube: Oskar-Schauspieler Sandro Šutalo bei Proben auf Gut Leye. Foto: Elvira PartonMit einer Karnickel-Haube: Oskar-Schauspieler Sandro Šutalo bei Proben auf Gut Leye. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Der neue Oskar-Schauspieler Sandro Šutalo spielt bei den Spieltrieben die Hauptrolle im Kriegsstück „Mensch Karnickel“, das auf Gut Leye gezeigt wird. Das Thema ist ihm nicht unbekannt.

Sandro Šutalos Erzieherin im Kindergarten hat es gewusst: Aus diesem Jungen wird mal ein Schauspieler. Sie hatte Recht. Seit dieser Spielzeit gehört der 25-Jährige zum Ensemble des Kinder- und Jugendtheaters Oskar und ist unter anderem beim Spieltriebe-Festival in der Uraufführung von Wolfgang Herfurtners „Mensch Karnickel“ zu sehen.

Vor dem Festivalstart wird das Stück noch auf Gut Leye geprobt. Bühnenbildnerin und -techniker machen die Kulisse für das Stück startklar, während Sandro Šutalo auf den Pappkartons sitzt, auf denen die Zuschauer Platz nehmen werden, und erzählt, wie er zum Schauspiel kam. Und nach Deutschland.

Sandro Šutalo wurde in Sarajevo geboren. Als er dreieinhalb war flüchteten seine Eltern mit ihm kurz vor Ausbruch des Krieges auf dem Gebiet des einstigen Jugoslawien zu einer Tante nach Hamburg. Also kennt er das Thema Krieg, um das es in „Mensch Karnickel“ geht? „Gott sei Dank habe ich den Krieg selbst nicht erlebt“, sagt Šutalo. Und doch ist ihm das Thema nicht unbekannt. Denn sowohl seine Mutter als auch sein Vater haben damals jeweils 20 Angehörige verloren. Zudem bekam Sandro Šutalo viel über seine Cousins mit, die in der alten Heimat geblieben waren.

Helfen ihm die Erfahrungen, den kriegstraumatisierten Clemens zu spielen? Alles, was er fühle, fließe in sein Spiel ein, antwortet Šutalo. Der Junge aus Herfurtners Stück wird von einer Mutter im Zweiten Weltkrieg landverschickt. So soll er vor den Bomben, die auf seine Stadt fallen, geschützt werden. Doch Clemens verpasst sein Schiff und irrt allein durch Polen. Der verstummte Junge spricht nur, wenn er in die Rolle des titelgebenden Karnickels schlüpft. „Das ist sein Alter Ego oder auch so etwas wie ein großer Bruder für ihn“, erklärt Schauspieler Šutalo.

Rudolf Herfurtner, dessen Stück „Das Geschenk des weißen Pferdes“ das Oskar-Theater in der letzten Spielzeit in sein Repertoire aufnahm, hat „Mensch Karnickel“ im Auftrag des Theaters Osnabrück auf der Grundlage seines gleichnamigen Romans geschrieben. „Das Buch ist unter dem Eindruck des Bosnienkrieges entstanden. Rudolf Herfurtner hat die Geschichte aber in eine andere Zeit verlegt“, erklärt Dramaturgin Maria Schneider. Wieder ein Bezugspunkt zwischen Stück und Hauptdarsteller.

Bezüge solcher Art sind symptomatisch für die Spieltriebe-Produktion im Gut Leye. Denn auch die Geschichte des Ortes hat mit dem Thema zu tun, besetzten doch nach dem Zweiten Weltkrieg die Briten das Gut. Nachdem sie in die Kaserne Eversburg umgezogen waren, wurde das Gebäude bis in die 50er-Jahre hinein zum Kinderheim.

Für das Team um Regisseurin Charlotte Burger war schnell klar, dass sie Herfurtners Stück im Gut Leye inszenieren wollten. Sie habe es sich zum Ziel gemacht, „den Raum so gut wie möglich zu nutzen“, so Burger. Gespielt wird in zwei Räumen, dem Flur und einem angrenzenden Saal. Auf- und Abgänge sind so von verschiedenen Seiten möglich.

Mit „Mensch Karnickel“ ist auch sein Stück für Kinder ab elf Jahren im Spieltriebe-Programm. Interessant sei es aber sowohl für Kinder als auch Erwachsene, so Dramaturgin Schneider.


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