Alltägliche Gewalt im Nahen Osten BBK Kunst-Quartier zeigt Zeichnungen traumatisierter Kinder

Auf den Exponaten wimmelt es von Soldaten mit Maschinengewehren, von Bomben, Toten und zerstörten Stadtvierteln. Foto: Jörn MartensAuf den Exponaten wimmelt es von Soldaten mit Maschinengewehren, von Bomben, Toten und zerstörten Stadtvierteln. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. „Kinder in Palästina“ heißt eine Ausstellung im BBK Kunst-Quartier in Osnabrück. Zu sehen sind Zeichnungen von traumatisierten Kindern, die in therapeutischen Einrichtungen versuchen, mit ihrem gewalttätigen Alltag zurechtzukommen.

Die Sonne scheint, doch scheinen sich dunkle Wolken zusammenzubrauen: Ein Bagger mit bewaffneten Soldaten und einer dicken Abrissbirne rollt heran, um ein Haus einzureißen. Ein Kind hat diese Szene gemalt, das offenbar in der Angst lebt, sein Elternhaus und damit seine Heimat zu verlieren.

Zu sehen ist die Zeichnung zurzeit im BBK Kunst-Quartier. „Kinder in Palästina“ heißt die Ausstellung mit zahlreichen Faksimiles von Kinderbildern aus Palästina. Dort gibt es zwei Institutionen, die sich um traumatisierte Kinder kümmern: „Let the children play and heal“ in Gaza sowie das Behandlungs- und Rehabilitationszentrum (TRC) in Ramallah. Zur Therapie gehört eine kreative Auseinandersetzung mit einem Alltag voller Gewalt und Unterdrückung.

Zeichnungen zeigen alltägliche Gewalt im Nahen Osten

Als Karin Nebauer vom Münchner Friedensbüro die Bilder in Spanien entdeckte, stand für sie fest, dass sie sie in Deutschland zeigen wollte, allerdings nicht unkommentiert. Denn auf den Exponaten wimmelt es von Soldaten mit Maschinengewehren, von Bomben, Toten und zerstörten Stadtvierteln. „In unseren Medien erfährt man sehr wenig von der alltäglichen Gewalt in den besetzten Gebieten und deren Auswirkungen besonders auf Kinder und Jugendliche…“ sagt die Kuratorin im Vorwort zum Ausstellungsprospekt. Daher hat sie zahlreiche Texte geschrieben, mit denen die Situation der Palästinenser erklärt wird. Hintergründe über das „Leben im Westjordanland“ und im Gazastreifen machen deutlich, wie es zu der derzeitigen Lage kommen konnte.

Auf Missstände aufmerksam machen

„Zunächst war ich enttäuscht, als ich die Pakete mit den Exponaten ausgepackt habe“, sagt Jens Raddatz, Vorsitzender des Bundes Bildender Künstler Osnabrück (BBK). Er war davon ausgegangen, dass er die Originalbilder ausstellen könne. Doch gerade aufgrund der Begleittexte, die wichtig für das Verständnis der Bilder sind, konnte er sich mit der Faksimileausstellung anfreunden. Er hält es für gerechtfertigt, mit einer Ausstellung auch auf politische-gesellschaftliche Missstände aufmerksam zu machen. „2012 haben wir mit „Air“ schon einmal eine Ausstellung zum „Arabischen Frühling“ im Kunstquartier gezeigt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN