Serie: „Mit Stallgeruch“ Meller Hufheilpraktikerin sorgt für Laufkomfort bei Pferden


Melle/Osnabrück. Die Hufe von Pferd und Esel dienen zu mehr als nur zum Laufen. Sie sind auch Tast- und Stoffwechselorgan. Als Orthopädische Hufheilpraktikerin kümmert sich Barbara Uecker aus Melle um dieses tierische Körperteil und verhilft Pferden so zu mehr Laufkomfort und vor allem ganzheitlicher Gesundheit.

Den Wunsch, sich auch beruflich mit Tieren zu beschäftigen, hegte Barbara Uecker schon lange. Dennoch arbeitete die 37-jährige Pferde-und Hundebesitzerin seit mehr als 20 Jahren als Arzthelferin. „Letztes Jahr ließ sich der Wunsch nicht mehr unterdrücken. In mir rief es nach Veränderung, beziehungsweise mehr Selbstverwirklichung“, erzählt sie. Auf dem Osnabrücker Weihnachtsmarkt schmiedete sie in der Freundinnen-Runde Pläne. Die Idee, Hufheilpraktiker zu werden, war da.

Zweijährige Ausbildung

Beim Therapiestall Weserlauf in Gandesbergen zwischen Nienburg und Verden stieg sie im April 2016 in die zweijährige Ausbildung zur Orthopädischen Hufheilpraktikerin ein. Seitdem absolviert sie alle zwei Monate einen verlängerten Wochenendkurs sowie Praxistage und lernt zuhause Anatomie, Physiologie und Biomechanik. Zuvor besuchte Hufkurse beim Freizeitreiter-Verein Osnabrück kommen ihr dabei zugute.

Beschlag tut Tieren nicht gut

Als Hufheilpraktikerin pflegt sie nicht nur Hufe, sondern behandelt auch prophylaktisch oder bei gesundheitlichen Problemen. „Ohne den Einsatz von Eisen. Das ist ein Unterschied zum Hufschmied“, sagt Barbara Uecker. Sie vertritt die Meinung, dass Beschlag unter den Hufen den Tieren nicht guttut. Beschlag gäbe es seit dem Mittelalter. Damals mussten Pferde sehr viel mehr leisten. „Das heutige Durchschnittspferd wird eine Stunde pro Tag geritten. Wenn der Huf nicht mal das ohne Eisen kann, läuft was Grundsätzliches verkehrt“, sagt sie. Für Pferde, die viel auf Asphalt liefen, bei denen sich das Horn der Hufe schneller abnutze, als dass es nachwüchse, gäbe es Hufschuhe als alternativen Schutz.

Beweglicher und besser durchblutet

Bei ihren Patienten entfernt die Hufheilpraktikerin meistens den Beschlag, denn ohne Eisen sei der Huf beweglicher und besser durchblutet. „Nur so kann ein Heilungsprozess stattfinden“. Schon während ihrer Ausbildung lernte sie Pferde mit langer Leidensgeschichte kennen, die als „austherapiert“ galten, fast aufgegeben wurden, mit Maßnahmen der Hufheilpraktik aber wieder genesen konnten. Todesursache Nummer zwei bei Pferden seien Lahmheiten, davon haben rund 80 Prozent ihre Ursache im Huf.

Stoffwechselprobleme

Bevor Barbara Uecker Hufe behandelt, begutachtet sie Körperhaltung, Gang und eventuelle Stoffwechselprobleme des Pferds. „Tatsächlich können Stoffwechselprobleme Hinweis auf Hufkrankheit oder Fehlstellung sein“, weiß die Expertin. „Denn über feine Blutgefäße im Huf werden Giftstoffe abtransportiert“. Mit Raspel und Hufmesser entfernt sie überschüssiges Horn, das auf die Huflederhäute drückt. Ihr Ziel ist ein problemlos barhuf gehendes Pferd.

Mehr Sensibilität gefordert

„Es ist wie beim barfuß laufenden Menschen. Auf Dauer ist ein unbeschlagener Huf gesünder und härtet ab“, sagt Barbara Uecker. Von Pferdehaltern wünsche sie sich mehr Sensibilität. Wer nicht auf Eisen verzichten wolle, solle den Hufen Regenerationszeit gönnen, indem er das Pferd beispielsweise im Winter ohne Beschlag laufen lasse. (Weiterlesen: Weitere Teile unserer Serie „Mit Stallgeruch“ finden Sie auf www.noz.de/stallgeruch .)


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