Hilfe für Spielsüchtige Osnabrücker Spielhallen bald mit Gesichtskontrolle

Automatische Gesichtskontrolle: Das Glücksspielunternehmen Gauselmann hat  „Face-Check“ zu Demonstrationszwecken am Eingang des Spielcasinos an der Hannoverschen Straße aufgebaut. Das System, das registrierte Spielsüchtige aussperrt, soll bald flächendeckend zum Einsatz kommen. Foto: Michael GründelAutomatische Gesichtskontrolle: Das Glücksspielunternehmen Gauselmann hat „Face-Check“ zu Demonstrationszwecken am Eingang des Spielcasinos an der Hannoverschen Straße aufgebaut. Das System, das registrierte Spielsüchtige aussperrt, soll bald flächendeckend zum Einsatz kommen. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Glücksspiel-Großunternehmer Gauselmann will in diesem Jahr seine Spielstätten in Osnabrück mit automatischen Gesichtserkennern ausstatten. Das soll Spielsüchtigen helfen, der Versuchung zu widerstehen.

Am Eingang scannt eine Minikamera in Sekundenschnelle die Gesichtsmerkmale der Besucher und übermittelt sie zum Abgleich an eine Datenbank. Gäste, die sich zum eigenen Schutz haben sperren lassen oder die mit Hausverbot belegt sind, können so identifiziert werden und bekommen die rote Ampel gezeigt. Die Schranke bleibt zu. Bei Unklarheiten leuchtet das gelbe Licht auf und signalisiert dem Personal: Hier muss noch einmal persönlich kontrolliert werden. Denn bei Gelb sind entweder die Gesichtsmerkmale (sogenannte Templates) nicht eindeutig identifizierbar oder die Altersprüfung hat angeschlagen. Das System erkennt an den Gesichtszügen nämlich auch, ob der Besucher möglicherweise noch gar nicht 18 Jahre alt.

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Datenschutz gewährleistet

Nichtregistrierte erhalten Grün und dürfen eintreten. Deren Gesichtsdaten werden nach dem Abgleich „unverzüglich gelöscht“, wie Gauselmann-Pressesprecher Mario Hoffmeister versichert. Der Kommunikationschef hat eigens einen Prototyp des „Face-Check“-Systems in der Merkur-Spielothek an der Hannoverschen Straße aufbauen lassen, um den Stellenwert zu unterstreichen, den die Spielsucht-Vorbeugung inzwischen auch bei privaten Glücksspielbetreibern hat.

Die Gauselmann-Gruppe mit Sitz in Espelkamp steht mit der Entwicklung eines eigenen biometrischen Einlasskontrollsystems an der Spitze einer Bewegung, die seit einigen Jahren die Branche beschäftigt. Treiber sind die Gesetzgeber in den Ländern, die immer schärfere Einlasskontrollen verlangen. Ziel ist die Eindämmung der Spielsucht. Gefährdete Extremspieler, die der Versuchung aus eigener Kraft nicht zu widerstehen vermögen, können sich sperren lassen.

Statt Ausweiskontrolle

Die staatlichen Spielbanken sind seit der Reform des Glücksspielstaatsvertrages 2008 zur Ausweiskontrolle am Eingang verpflichtet. Die persönlichen Daten der Besucher werden aufgenommen und mit der Sperrdatei abgeglichen. Das wirke abschreckend und verzerre den Wettbewerb mit den privaten Glücksspielanbietern, sagen die Spielbanken, die nach Einführung der Ausweispflicht ein Drittel weniger Besucher zählten.

Die privaten Spielstättenbetreiber richten sich auf schärfere gesetzliche Vorgaben ein. Hessen führte 2014 als erstes Bundesland eine landesweite Sperrdatei für Spielhallen ein und verband damit Vorschriften für die Einlasskontrolle. Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wollen dem Beispiel folgen. Die Gauselmann-Gruppe reagiert auf diese Herausforderung: Um abschreckende und zugleich personalintensive Ausweiskontrollen am Eingang zu vermeiden, treibt das Unternehmen in Kooperation mit der Firma Cognitec aus Dresden die Entwicklung des Gesichtsscanners voran. Das System „Face-Check by Gauselmann“ wird bereits in über 100 Spielstätten in Bad Württemberg, Thüringen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt eingesetzt. In diesem Jahr sollen die Spielotheken in Niedersachsen damit ausgerüstet werden, darunter auch die Spielstätten an den sechs Gauselmann-Standorten in Osnabrück. Die nordrhein-westfälische Datenschutzbehörde hat keine Einwände. Die erhöhten Anforderungen bei der Nutzung biometrischer Daten würden eingehalten.

Eingebaute Gesichtskontrolle

Gauselmann schätzt an dem Scanner, dass die Spieler ihre Anonymität wahren, Wartezeiten am Eingang vermieden werden, die Fehlerquote im Vergleich zur persönlichen Besucherkontrolle sinkt und die Datenerfassung auf gesperrte Spieler beschränkt bleibt. Über die Investitionssumme schweigt Gauselmann-Pressesprecher Hoffmeister. Nur so viel sagt er: „Die Summe ist siebenstellig.“

Face-Check ist auch in Kneipen oder Imbissbuden einsetzbar, wo Geldspielgeräte locken. Die Gesichtskontrolle kann in die Geräte eingebaut werden. Ein Blick in die Kamera und die Ampel zeigt Rot, Gelb oder Grün. Prototypen sind schon im Einsatz.


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