Appell an Stadt und Sponsoren Zoo Osnabrück warnt: Verlieren auf Dauer an Boden

Wer ist der Stärkere? Wie diese beiden Elefanten aus dem Zoo Osnabrück ringt auch der Tierpark selbst mit seinen Konkurrenten um die Gunst der Besucher – dies mit ungleichen Mitteln. Denn anders als seine Mitbewerber wird der Zoo Osnabrück längst nicht so stark kommunal subventioniert. Foto: David EbenerWer ist der Stärkere? Wie diese beiden Elefanten aus dem Zoo Osnabrück ringt auch der Tierpark selbst mit seinen Konkurrenten um die Gunst der Besucher – dies mit ungleichen Mitteln. Denn anders als seine Mitbewerber wird der Zoo Osnabrück längst nicht so stark kommunal subventioniert. Foto: David Ebener

Osnabrück. Akute Geldsorgen hat der beinahe zuschussfrei wirtschaftende Zoo Osnabrück zwar nicht. Doch angesichts einer erstarkenden Konkurrenz, die im öffentlichen Geld schwimmt, schrillen am Schölerberg die Alarmglocken.

Mit Blick auf die Bilanz 2016 hat Geschäftsführer Andreas Busemann eigentlich nur Grund zum Jubeln: Auch im Jubiläumsjahr lagen die Einnahmen deutlich über den Ausgaben. Sponsorengelder sprudelten wie nie zuvor, der Jahreskarten-Verkauf erreichte Rekordhöhen, und zum dritten Mal in Folge überschritt der europaweit glänzend postierte Zoo die 1-Million-Besuchergrenze. Trotzdem sieht sich der kaufmännische Leiter zu einer lauten Warnung veranlasst. Grund ist die zunehmende, teils gewaltige finanzielle Subvention benachbarter Zoos durch die jeweiligen Kommunen.

Nachteile und Entwicklungsbarrieren

„Noch schneidet der Zoo Osnabrück in allen wesentlichen Rankings gut ab. Doch angesichts der signifikanten Förderung nahezu aller deutschen Zoos durch die jeweiligen Städte ist zu befürchten, dass der Osnabrücker Zoo auf Dauer an Boden verliert“, schreibt Busemann in einem Rundbrief, der in diesen Tagen allen Gönnern und Unterstützern des Zoos zugeht, aber auch dem Rat der Stadt und anderen einflussreichen Personen. Anders als die Mitbewerber verfüge der Zoo Osnabrück über eine „sehr schwach ausgeprägte Zuschusskulisse“. Darüber hinaus nennt der Geschäftsführer „weitere Nachteile und Entwicklungsbarrieren“, die dem Zoo Osnabrück das Leben schwer machen.

Das Markteinzugsgebiet sei insbesondere im Vergleich zu Zoos aus Metropolregionen stark eingeschränkt und mittlerweile komplett ausgeschöpft. Gleiches gelte für den Wirtschaftsstandort. „Der Sponsorenkreis von aktuell 190 Firmen wird kaum noch auszubauen sein“, ist Busemann überzeugt. Deshalb werde die weitere Umsetzung der Masterplanung, welche aufgrund neuer gesetzlicher Wildtier-Haltungsnormen und gewachsener Besucheransprüche unabdingbar sei, den Osnabrücker Zoo „stark belasten“.

Stark subventionierte Nachbarzoos

Als Beleg führt der Geschäftsführer die Zahlen der unmittelbaren Konkurrenz an. Der Zoo in Emmen beispielsweise, gelegen an der deutsch-niederländischen Grenze, sei für 200 Millionen Euro neu gebaut und 2016 im Beisein des holländischen Königs eröffnet worden. „Emmen hat die Wettbewerbssituation für unseren Zoo insbesondere im nordwestlichen Niedersachsen und im Raum Bremen deutlich verschärft“, stellt Busemann fest. Der Allwetterzoo Münster, geplagt von einem 40-Millionen-Euro-Investitionsstau, erhalte einen laufenden Zuschuss aus öffentlicher Hand von 3,8 Millionen Euro. Käme auch der Zoo Osnabrück in diesen Genuss, könnte er die Eintrittspreise drastisch senken, so Busemann: auf 5 Euro für Erwachsene, 2 Euro für Kinder und 30 Euro für Familienjahreskarten.

Der Zoo Hannover schließlich habe in den vergangenen zehn Jahren insgesamt 120 Millionen Euro investiert – vor allem dank hoher Zuschüsse der Region. Gleichwohl würden die Besucherzahlen merklich sinken, weshalb der Zoo Hannover in den nächsten Jahren weitere 75 Millionen Euro investieren wolle. Wobei knapp die Hälfte des Geldes erneut von der Region zur Verfügung gestellt werde, bemerkt Busemann – und fügt an: „Die Entwicklung in unseren drei Nachbarzoos ist dabei nicht die Ausnahme, sondern die Regel.“

Geldspritze im Fall der Fälle

Sein Rundbrief endet deshalb mit einem Appell, dem Zoo Osnabrück die Treue zu halten – vor allem finanziell. Eine konkrete Forderung etwa an die Stadt Osnabrück, gleichfalls regelmäßig Millionen in den Zoo zu stecken, sei damit aber nicht verbunden, betont der Geschäftsführer auf Nachfrage unserer Redaktion. „Wir sind sehr stolz auf unsere niedrige Bezuschussung und wollen gar nicht mehr haben.“

Es sei denn, es kommt tatsächlich einmal hart auf hart. Dann wünscht sich der Zoo zumindest ein Überbrückungsgeld. Busemann: „Das Einzige, was ich von der Stadt Osnabrück erwarte, ist die Bereitschaft, uns bei Liquiditätsschwierigkeiten geräuschlos und ohne Vorbehalte zu unterstützen.“ Und so ein Worst-Case-Szenario sei nicht weit hergeholt: Schon ein Schlechtwetterjahr oder eine Tierseuche könne den Zoo Osnabrück in Existenznot stürzen.


Im Jubiläumsjahr 2016 zählte der Zoo Osnabrück nach eigenen Angaben 1.020.000 Besucher. Das sind 5000 mehr als im Vorjahr und 17.000 mehr als 2014. Folglich machten Eintrittsgelder den größten Anteil bei den Einnahmen aus: Von den insgesamt 7,3 Millionen Euro stammen 5,35 Millionen aus dem Ticketverkauf. Das entspricht einer Quote von 74 Prozent.

Zusätzliche 950.000 Euro generierte der Zoo Osnabrück durch Sponsoring. Die Ausgaben addierten sich auf 6,85 Millionen Euro, was unterm Strich einen Überschuss von 450.000 Euro bedeutet. Davon können laut Geschäftsführer Andreas Busemann jedoch nur 200.000 Euro frei investiert werden. Die übrigen 250.000 Euro werden zur Tilgung von Krediten benötigt.

Durch neue Online-Marketing-Kampagnen sei es dem Zoo Osnabrück 2016 gelungen, mit insgesamt 25.575 Stück noch mehr Jahreskarten zu verkaufen (2015: 21.025). 60 Prozent der Besucher würden inzwischen aus Regionen außerhalb des Osnabrücker Landes kommen. So verschaffe der Zoo nach einer Analyse des Instituts für Tourismus und Freizeitforschung ift Köln der Region jährlich Einnahmen von über 13 Millionen Euro.

Bei der Weiterentwicklung des Zoos habe dieser seine Besucher fest im Blick. Bei Befragungen zur Kundenzufriedenheit schneide die Gesamtanlage weiterhin sehr gut ab, ebenso die Kinder- und Familienfreundlichkeit sowie die Tierauswahl und -vielfalt. Nur bei der Tierpräsentation verfehle der Zoo Osnabrück die selbst gesteckten Ziele.

Das soll sich mit laufenden und geplanten Umbauten jedoch ändern. Bereits in der ersten Jahreshälfte 2017 wird mit dem Menschenaffenhaus der dritte Teil der asiatischen Tierwelt „Angkor Wat“ fertiggestellt. Im Sommer soll dann der erste Teil der neuen Themenwelt „Nordamerika“ eröffnet werden – mit Bereichen für Wölfe, Bären und Bisons. Binnen eines Jahres sollen die weiteren Areale folgen.

Der Umbau der Löwenanlage werde spätestens 2018 in Angriff genommen. Mit EU-Fördermitteln in Höhe von einer Million Euro und einem zusätzlichen, kommunal verbürgten Kredit über 1,5 Millionen Euro wird der Bereich für die Raubkatzen sowie ein weiterer Bereich für Nashörner vergrößert. Das Investitionsvolumen für das Projekt „Mapungubwe“ beläuft sich auf insgesamt 2,9 Millionen Euro.

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