Kunst und Kommunikation hase29: Wilfried Bohne ist Ansprechpartner für Besucher

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Teilt sein künstlerisches Wissen gerne mit den Ausstellungsbesuchern: Wilfried Bohne. Foto: Swaantje HehmannTeilt sein künstlerisches Wissen gerne mit den Ausstellungsbesuchern: Wilfried Bohne. Foto: Swaantje Hehmann

Osnabrück. Ansprechpartner in Sachen Kunst: Im Kunstraum hase29 trifft der Besucher auf Wilfried Bohne, dem der Begriff „Aufsicht“ zu kurz greift.

Am Schritt hört er, ob sich ein Besucher der jeweiligen Ausstellung für die präsentierten Arbeiten interessiert oder nicht. „Das gibt es die Leute, die durch den Raum gehen und nur selten verharren. Andere gehen  immer nur ein kurzes Stück, halten immer wieder an“, erzählt Wilfried Bohne. Zurzeit verbringt er sehr viel Zeit im Kunstraum hase29, weil er sich bereit erklärt hat, während der Öffnungszeiten des Ausstellungsraumes die Aufsicht zu übernehmen.

Als der Kunstraum, der von der Osnabrücker „Gesellschaft für zeitgenössische Kunst“ betrieben wird, im Mai seine Pforten öffnete, wurde unter den Vereinsmitgliedern gefragt, wer die Aufsicht übernehmen könnte. Bohne, selbst Künstler, erklärte sich bereit: „Ich habe Zeit, kenne mich im Kunstbereich aus und kann hier arbeiten, wenn mal nichts los sein sollte“, sagt er. Mit dem Ausdruck „Aufsicht“ kann er sich allerdings nicht so gut anfreunden. Denn während die Aufsicht in einem Museum dazu dient, auf die Bilder aufzupassen und Besucher davon abzuhalten, die Kunstwerke anzufassen, sieht er sich eher als Ansprechpartner.

„Sehr viele Besucher, die hier hereinkommen, suchen das Gespräch. Sie fragen nach Informationen über die Künstler und ihre Exponate“, erklärt Bohne. Das habe viel damit zu tun, dass der Kunstraum in einem ehemaligen Supermarkt untergebracht ist. Die großen Schaufenster gewähren einen Blick ins Innere und machen Passanten neugierig. So seien dem Künstler schon sehr häufig Menschen begegnet, die vorher noch nie in einem Museum oder einer Galerie gewesen sind. „Man merkt an den Fragen schnell, ob sich jemand schon einmal mit Kunst beschäftigt hat oder nicht“, so Bohne. Auffällig viele junge Menschen fühlten sich von dem Geschehen hinter der Glasfront angezogen.

Besonders spannend seien die Gespräche mit den Besuchern gewesen, als Christine Hoffmann im Rahmen der Ausstellung „Time Capsule“ ihre Installation „Zeitlabor“ aufgebaut habe. Sie hängte zerschnittene Schullandkarten und Zeitkapseln, in denen sich Gegenstände aus dem Nachlass ihrer Mutter befanden, über Rechnerlüfter, die sie in kreisende Bewegungen versetzten. Schnell hätten die Betrachter gemerkt, dass hier Entwurzelung und Verlust thematisiert werden. Sehr viele Gespräche über Vertreibung, Flucht und Probleme, die die Globalisierung mit sich bringt, hätten sich daraus ergeben.

In der aktuellen Ausstellung mit Videoinstallationen der amerikanischen Künstlerin Janet Biggs erfassten einige Besucher beim Betrachten der Bilder intuitiv, dass es hier um die Alzheimer-Krankheit geht. „Es ist wirklich spannend, was mir hier passiert“, sagt der Mann, der die Kommunikation liebt und sich freut, seinen Sachverstand mit anderen zu teilen. „Der Job erweitert meinen Horizont“, sagt Bohne. Zusätzlich zu den spannenden Begegnungen und Kontakten, die er hier knüpft, könne er sich intensiv mit der Kunst auseinandersetzen, die in der Hasestraße 29 gezeigt wird. Und wenn es die Zeit zulässt, zückt er seinen Fineliner und zeichnet Briefmarken. Diese assoziative Kunstform, der er seit 2007 frönt, ermöglicht es ihm, seine satirischen Einfälle zu visualisieren.


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