Kritik an Ucars Haltung zur Ditib „Imame überwachen ihre Gemeinden mit Stasi-Methoden“

Von Rainer Lahmann-Lammert


Osnabrück. Bülent Ucar, Leiter des Instituts für Islamische Theologie, bekommt Widerspruch für seine Haltung zur Auslandsfinanzierung türkischer Moscheen in Deutschland. Präsident Erdogan instrumentalisiere die Imame für integrationsfeindliche Zwecke, sagt Ali Ertan Toprak, Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland (BIGEV).

Die Finanzierung der Imame durch den türkischen Staat schaffe eine unerträgliche Situation in Deutschland, bekundet der in Hamburg lebende Toprak, der für die Grünen Politik gemacht hat und jetzt in der CDU aktiv ist. Unter Erdogans Einfluss seien die Vorbeter instruiert worden, ihre Gemeinden mit Stasi-Methoden zu überwachen. Die Ditib, der Dachverband der türkisch-islamischen Moscheegemeinden, indokriniere die Muslime, keine deutschen Staatsbürger zu werden, sondern eine „türkisch-muslimische Minderheit für die Ewigkeit“ zu bleiben.

„Politiker oft zu naiv“

Toprak findet, dass die deutsche Politik oft zu naiv mit der Ditib umgehe. Nach seiner Ansicht sollte der Bund die Entsendung und Finanzierung der Imame durch den türkischen Staat unterbinden, so wie es auch in Österreich geschehen sei. Damit stellt er sich gegen die Auffassung des Osnabrücker Islamforschers Bülent Ucar und wirft ihm vor, die Einflussnahme des türkischen Staates zu verharmlosen.

Ucar hatte gegenüber unserer Redaktion die Auffassung vertreten, unter dem Einfluss von Staatspräsident Erdogan sei zwar eine „kritische Situation“ entstanden, ohne die Finanzierung durch den türkischen Staat werde das Feld aber den Salafisten und radikalen Predigern überlassen. Die Finanzkraft der muslimischen Gemeinden gebiete es, das Angebot des türkischen Staates anzunehmen.

In diesem Punkt widerspricht Toprak dem Osnabrücker Institutsleiter vehement. Von den Gemeinden könne erwartet werden, dass sie sich selbst finanzieren. Die alevitische Gemeinde, deren Generalsekretär er jahrelang war, bekomme schließlich auch kein Geld. Der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände nennt es „verwerflich“, dass andere diskriminierte und nicht anerkannte Religionsgemeinschaften in der Türkei durch ihre Steuern die Ditib mitfinanzieren müssten.

„Das Zusammenleben vergiftet“

Unverständlich findet er zudem, dass sich die „angeblich aufgeklärten Deutschen und die Intellektuellen“ mit den erzreaktionären muslimischen Kreisen verbünden. Präsident Erdogan habe in Deutschland ungehindert die Strukturen seiner Gegengesellschaft aufbauen können. Dabei sei er sogar von der Politik gefördert worden. Seit Jahren machten kritische Muslime darauf aufmerksam, dass der größte Islamverband, die Ditib, das Gegenteil von Integration betreibe: „Sie vergiftet das Zusammenleben und schafft eine Gegengesellschaft“, erklärt Toprak. Offen und aggressiv werde gegen die christliche Kultur gehetzt. Das zeige sich auch in Facebook-Botschaften der Ditib-Jugendverbände, in denen das Weihnachtsfest als Auswuchs von Alkoholkonsum und der Prostitution diffamiert werde.

Solche Töne des radikalen Islam hätten früher nur Salafisten angeschlagen, vermerkt Toprak. Unter Erdogans Ägide würden sie zur Staatsdoktrin erhoben. Von einem Islamwissenschaftler wie Professor Ucar erwarte er, dass er dieser Entwicklung entgegentrete.


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