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Streit eskaliert Osnabrücker Kunstgeschichte-Institut attackiert Uni-Präsident

Der Streit um die geplante Schließung des Kunsthistorischen Instituts der Uni Osnabrück ist dramatisch eskaliert. Foto: GründelDer Streit um die geplante Schließung des Kunsthistorischen Instituts der Uni Osnabrück ist dramatisch eskaliert. Foto: Gründel

Osnabrück. Der Streit um die geplante Schließung des Kunsthistorischen Instituts der Uni Osnabrück ist dramatisch eskaliert. Das Institut wirft Uni-Präsident Lücke vor, „von moderner Universität nichts verstanden“ zu haben. Lücke droht mit „personalrechtlichen Schritten“.

Auf der Homepage des Kunsthistorischen Instituts und auf Facebook üben die Lehrenden scharfe Kritik an der geplanten Schließung des Instituts. Diese Entscheidung sei „skandalös“ und ihre Begründung „in hohem Maße befremdlich“.

Auf der Facebook-Seite rieten die Professoren sogar jungen Menschen davon ab, an der Universität Osnabrück ein geisteswissenschaftliches Studium aufzunehmen. Wörtlich hieß es dort vorübergehend: „In dieser Situation können wir niemandem raten, ein Kunstgeschichtsstudium in Osnabrück zu beginnen. Auch die Aufnahme des Studiums in einem anderen geisteswissenschaftlichen Fach an der Universität empfiehlt sich angesichts der derzeitigen Lage nicht, weil jederzeit weitere Institute kurzfristig von einer Schließung oder einer deutlichen Reduzierung des Personals bedroht sein können.“ Diese Passage ist am Donnerstagvormittag auf Druck von Uni-Präsident Wolfgang Lücke gelöscht worden. Schriftlich drohte Lücke dem geschäftsführenden Direktor des Kunsthistorischen Instituts, Klaus Niehr, mit personalrechtlichen Konsequenzen, wenn diese „wahrheitswidrige“ und „für die Gesamtuniversität schädigende“ Äußerung nicht umgehend entfernt werde. Lücke setzte eine Frist bis Donnerstag, 12 Uhr.

Aufforderung nachgekommen

Niehr ist der ultimativen Aufforderung nachgekommen, an der grundsätzlichen Kritik hält er fest. In der Stellungnahme des Instituts heißt es, ein „erfolgreiches, innerhalb der Universität traditionell und weitverzweigt eingebundenes Fach“ zu schließen, sei ein „alarmierendes Signal“ für andere geisteswissenschaftliche Fächer. „Ganz offensichtlich kommt es nicht auf Fakten an. Dies zu vermuten liegt deshalb nahe, weil im Vorfeld falsche Zahlen über das Institut in Umlauf gebracht wurden. Ein derart unfaires Vorgehen zeigt, dass ein bewusst erweckter falscher Eindruck einer Legitimierung der sachlich und inhaltlich unbegründeten Entscheidung dienen soll.

Die Kunsthistoriker werfen der Universitätsleitung vor, „die Zeichen der Zeit zu verschlafen“. Außerhalb Osnabrücks habe man mittlerweile erkannt, dass Kompetenz im Umgang mit Bildern, die Kultur und menschliches Verhalten prägten, von zentraler Bedeutung sei und sein werde. Deshalb baue man an anderen Orten gerade Kunstgeschichte und Bildwissenschaft als unverzichtbare Disziplinen im Spektrum des geisteswissenschaftlichen Fächerkanons weiter aus. Im Zukunftskonzept der Universität Osnabrück aber finde diese Entwicklung keine Beachtung.

Screentshot: Kunsthistorisches Institut / Foto: ack

Scharfe Kritik

Weiter heißt es: „Wir kritisieren auf Schärfste auch die Informationspolitik des Präsidiums, die allen Regeln eines von Vertrauen geprägten Umgangs miteinander widerspricht. Die Vertreter des Fachs ohne Vorankündigung vor vollendete Tatsache zu stellen, hat im 21. Jahrhundert keinen Platz. Wo Gesprächsverweigerung das Handeln bestimmt und universitäre Einrichtungen zu bloßen Entscheidungsempfängern degradiert werden, ist Universität als eine Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden tot. Wer glaubt, auf diese Weise eine zukunftsorientierte Hochschulpolitik betreiben zu können, hat von moderner Universität nichts verstanden.“

Die Studentenschaft solidarisierte sich am Donnerstag mit den Professoren des Kunsthistorischen Instituts zu „100 Prozent“, wie es in einer Stellungnahme heißt . „Der Präsident der Universität versucht nun zu verhindern, dass die Wahrheit über die Gründe der Schließung ans Licht kommt, indem er unserem Vorsitzenden droht.“ Dieses Verhalten sei auch für die Studierenden inakzeptabel und verdeutliche nur noch einmal, den „Vertrauensbruch“ sowie die absolute „Gesprächsverweigerung“ des Uni-Präsidiums.

Lücke weist Vorwürfe zurück

Uni-Präsident Wolfgang Lücke weist diesen Vorwurf mit Nachdruck zurück. Er habe im Dezember die Mitarbeiter im Beisein des Dekans und tags darauf den Asta informiert. Die Behauptung, die Betroffenen seien vor vollendete Tatsachen gestellt worden, sei nicht richtig. „Wir gehen den gesetzlich vorgeschriebenen Weg, und das bedeutet, dass zunächst der Senat eine Stellungnahme abgeben wird“, sagte Lücke unserer Redaktion. „Es gibt bislang keine Beschlüsse.“ Die in der Stellungnahme des Instituts geäußerten Vorwürfe wollte Lücke nicht kommentieren. Er betrachte sie als „Meinungsäußerung“.

Grund für die Schließung ist angeblich eine Umverteilung finanzieller Mittel zugunsten von Naturwissenschaften und Rechtswissenschaften, wo hochkarätige Wissenschaftler gehalten und weitere geworben werden sollen. Hinzu kommt, dass das Fach Kunstgeschichte keine Studienbewerber für das Lehramt ausbildet. Schon ab dem Wintersemester 2017/18 werden keine Studenten mehr im Fach Kunstgeschichte aufgenommen. Die jetzigen Studenten sollen ihr Studium aber noch abschließen können. Gegenwärtig sind etwa 200 Männer und Frauen in Kunstgeschichte eingeschrieben.


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