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Siegerehrung und Plakatausstellung Berufliche Chancen für alle Jugendlichen


Osnabrück. Auch junge Leute, die Probleme und weniger gute Noten haben, haben eine Chance verdient: auf Ausbildung und Arbeit. Das ist kurz zusammengefasst die Aussage von fünf Plakaten, die bald in vielen Geschäften und Einrichtungen der Stadt zu sehen sein werden.

Die Plakate sind das Ergebnis einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit: Aussagen wie „Als Hauptschüler bin ich abgestempelt, aber in einem Praktikum werde ich zeigen, was ich draufhabe“ wurden von jungen Leuten zusammengetragen, die beim Übergang von der Schule in die Berufswelt Unterstützung brauchen. Sie haben darin ihre Erfahrungen, Ängste und Wünsche zusammengefasst. In Bild und Schrift umgesetzt wurden die Kernsätze von 30 jungen Leuten, die eine Ausbildung machen.

Zusammengeführt wurden beide Gruppen von der Kompetenzagentur Osnabrück, die sich für benachteiligte Jugendliche einsetzt. Mit der Eröffnung der Plakatausstellung und der Ehrung der Siegerentwürfe wurde zugleich die Woche der Kompetenzagenturen eröffnet, die sich und ihre Arbeit bekannter machen wollen.

„Ich bin sprachlos“, meinte der ansonsten nicht auf den Mund gefallene Pouya Amiri, der an der Auswahl der Plakatslogans mitgewirkt hatte. „Die Texte passen hundert Prozent mit den Bildern zusammen.“

Bei der Einladung zur Vernissage habe er nicht gewusst, was das sei, gestand Marc Jaspers vom Siegerquartett. Er habe deshalb nachgeschlagen und erfahren, dass es sich um die Eröffnung einer „Ausstellung von Werken eines noch lebenden Künstlers“ handele. Seine Schlussfolgerung: „Das Projekt hat uns alle zu kleinen Künstlern gemacht.“ Klassenlehrer Bernd Dittrich vom Berufsschulzentrum am Westerberg bestätigte, dass das Projekt eine echte Herausforderung gewesen sei, die seine Schüler aber hervorragend umgesetzt hätten.

„Was auf dem Zeugnis steht, heißt noch lange nicht, dass man nichts kann“, betonte Marc Jaspers. Das unterstrich auch Stadträtin Rita Maria Rzyski, die den Spruch „Als Hauptschüler bin ich abgestempelt“ aufgriff. Ein Hauptschulabschluss könne sehr wohl der Beginn einer beruflichen Karriere sein: „Vor Ihnen steht eine ehemalige Hauptschülerin.“ Sie wechselte nach der Hauptschule zur Berufsfachschule, machte die mittlere Reife und eine Ausbildung zur staatlich geprüften und anerkannten Erzieherin. Später holte Rzyski das Abitur nach und studierte Sozialwissenschaft.

Ein klares berufliches Ziel hat auch Pouya Amiri: den erweiterten Hauptschulabschluss, eine Ausbildung, weiter Schule, und dann will er sich beim Zoll bewerben. Auch Dennis Ehnen hat Hoffnung auf eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Über die Kompetenzagentur wurde er in ein Praktikum vermittelt, wo er schon bald den Gabelstaplerschein machen kann: „Mein Chef hat gesagt, ich kann das.“ Parallel dazu lernt er beim Bildungswerk der niedersächsischen Wirtschaft, richtige Bewerbungen zu schreiben. Vielleicht folgt dem Praktikum die Ausbildung.

Über die Mitarbeiter der Kompetenzagentur berichten beide nur Gutes. „Mit denen kann man über alles reden. Und Probleme müssen auch nicht peinlich sein.“ Und wie sind sie zur Agentur gekommen? „Gar nicht“, grinst Pouya: „Die sind zu uns in die Schule gekommen.“

Wer mehr über die Arbeit der Kompetenzagentur wissen will, kann sich am Mittwoch von 12.30 bis 14.30 Uhr bei einer „offenen Mittagspause“ in den Räumen an der Krahnstr. 49 umsehen.


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