Osnabrücker Aussichten 2017 Griesert glaubt zu „mehr als 50 Prozent“ an den Centerbau

Oberbürgermeister Wolfgang Griesert blickt vom Panorama-Café am Neumarkt auf die Stadt. Foto: Michael GründelOberbürgermeister Wolfgang Griesert blickt vom Panorama-Café am Neumarkt auf die Stadt. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Aussichten 2017: Die Lokalredaktion erklimmt mit Osnabrückern, die etwas zu sagen haben, Türme, Häuser oder Anhöhen, um über die Aussichten zu sprechen. Heute: Oberbürgermeister Wolfgang Griesert blickt vom Panorama-Café auf den Neumarkt.

Osnabrück. 9 Uhr, die Wintersonne erhebt sich über den Süden Osnabrücks. Auf der Dachterrasse des Panaroma-Cafés im Neumarkt-Carreés lehnt sich Oberbürgermeister Wolfgang Griesert ans Geländer und zeigt auf ein Schild in einem Fenster des grünen Kachelhauses gegenüber. „Büro zu vermieten“ steht auf dem vergessenen Schild. Griesert stört das. Er habe Ulrich Wölfer, den Deutschland-Chef des französischen Centerentwicklers Unibail Rodamco , gebeten, doch wenigstens „die schäbige Erdgeschossfassade mit einer Folie zu überziehen, die Bilder vom Center zeigt und damit gleichzeitig für das neue Einkaufszentrum wirbt.“ Solange die Bauarbeiter nicht da sind, könnten doch große Animationen vom geplanten Center die Vorfreude wecken oder zumindest signalisieren: Keine Sorge, dieser miese Zustand hier ist nur vorübergehend, bald wird hier gebaut. Die Reaktion von Unibail: bisher nichts Konkretes.

Wo sind die Ankermieter?

Was ist los bei Unibail Rodamco? Ist dem großen Centerentwickler das kleine Osnabrück inzwischen egal? Griesert sagt, er mache sich keine Sorgen – aber schon Gedanken. Die Lage im Einzelhandel habe sich seit Beginn der Planungen vor sechs, sieben Jahren deutlich verändert. „Früher konnte es den Centerentwicklern gar nicht schnell genug gehen. Heute scheint es allgemein ein Problem, einen Ankermieter zu finden.“

Als mfi noch mfi war, herrschte der Eindruck: Hier kommt ein Investor, der bleiben, der das Center selbst betreiben, der nicht das schnelle Geld, sondern Beständigkeit will. Dann übernahm der börsennotierte Konzern Unibail Rodamco das Essener Unternehmen mfi, stellte die Weichen neu und die Planungen für das Neumarkt-Einkaufszentrum „Oskar“ auf Anfang.

Alle Welt wartet seither auf ein Signal von Unibail Rodamco, wann es am Neumarkt losgeht . Auch Griesert. Aber klare Antworten bekommt selbst der erste Mann der Stadt nicht. „Wir brauchen einen verlässlichen Zeitplan, damit die verschiedenen Bauprojekte am Neumarkt vernünftig koordiniert werden können“, sagt der OB.

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit auf einer Skala von null bis 100 Prozent, dass das Center kommt? Griesert lacht: „Klar mehr als 50 Prozent“. Er bietet eine Wette an, dass 2017 begonnen wird, schreckt beim Wetteinsatz aber zurück: Um eine Tasse Tee vielleicht, sagt er augenzwinkernd. Achtung, Ironie! Aber in jeder Form der spitzen Übertreibung steckt ja auch ein Körnchen Wahrheit. Im Moment beschäftige ihn aber nicht so sehr die Frage des Ob. Sondern: „Die Frage ist, wie es kommt: Wird es mit vielen neuen Läden bereichernd sein für Osnabrück und damit den Handelsstandort auch regional noch attraktiver machen?“ Griesert hat, wie seine Partei, die Centerplanungen stets mit Skepsis und kritischen Fragen begleitet, was ihm den Vorwurf der früheren Ratsmehrheit einbrachte, er torpediere das Projekt.

Und wenn nicht...?

Und wenn Unibail Rodamco doch aussteigt? „Dann müssen wir mit den Eigentümern über Veränderungen von Baurechten nachdenken und andere Nutzungen und Konzepte ermöglichen.“ Hier ist der gelernte Architekt und frühere Stadtbaurat auf sicherem Terrain, er lässt seine Gedanken schweifen und sinniert über eine Aufteilung der Flächen nach. Im hinteren Teilbereich am alten Wöhrl-Parkhaus zum Beispiel könnten Wohnungen entstehen...

Doch ohne Unibail Rodamco läuft hier nichts. Das Unternehmen ist in Besitz aller Liegenschaften, die für das geplante Center gebraucht werden. Über 30 Millionen Euro soll der Konzern schon für die Immobilien aufgewendet haben. Griesert lässt das Wort Güterbahnhof fallen. Wichtig sei, mit den Grundeigentümern im Gespräch zu bleiben, um Blockade und Stillstand zu vermeiden. Das sei die Lehre aus dem Fall Güterbahnhof.

Doch so weit wolle er gar nicht vorausdenken, unterbricht er sich selbst: „Unsere Pflicht ist es, das Projekt Einkaufszentrum zu fördern und nicht zu zerreden.“

Es ist inzwischen fast 10 Uhr. Von der Dachterrasse aus lässt dich wunderbar der Verkehr beobachten, der um diese Uhrzeit so flüssig über den Neumarkt rollt, wie es die Gegebenheiten halt zulassen. Die Umwidmung zur Fußgängerzone, die eine bunte Ratsmehrheit noch in diesem Frühjahr anstrebt, lehnt Griesert bekanntlich ab. Aus der Öffentlichkeitsbeteiligung liegen 17 Einwendungen vor, die jetzt fachlich zu prüfen sind, wie der Oberbürgermeister erklärt. Unklar sei auch, welche Umbauten nach einer Umwidmung nötig wären. Für Griesert ist die Sache „noch nicht entschieden“.

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