Osnabrücker Familiennamen Im Namen Seidel steckt der altdeutsche Rufname Siegfried

Von Winfried Breidbach

Osnabrücker Familiennamen:  NOZ-Leserin Sabine Haluszka-Seidel interessiert sich für den Ursprung des Namens Seidel. Foto: colourboxOsnabrücker Familiennamen: NOZ-Leserin Sabine Haluszka-Seidel interessiert sich für den Ursprung des Namens Seidel. Foto: colourbox

Osnabrück. Unsere Leserin Sabine Haluszka-Seidel interessiert sich für den Ursprung des Namens Seidel.

Mit über 60.000 Namensträgern in Deutschland ist Seidel ein besonders häufiger Familienname, der in der Häufigkeitsrangliste etwa Platz 80 belegt. Deutlich seltener, aber mit rund 16.000 Personen immer noch häufig, ist die bayrisch-österreichische Schreibvariante Seidl.

In Sachsen und in Bayern verbreitet

Seidel ist vor allem in Sachsen und in Bayern verbreitet, die Schreibung Seidl weit überwiegend in Bayern und in Österreich. Der Name war in beiden Schreibungen vor dem Zweiten Weltkrieg in Schlesien und insbesondere im Sudetenland sehr häufig, wo es am Anfang der 1940er-Jahre 5700 Personen namens Seidel und 2500 Seidl gab. Heute gibt es in Tschechien noch über 5000 Namensträger, auch in Schreibungen wie Saidl, Sajdl, Zajdl und Zejdl.

Reguläre Lautentwicklung

Die Recherchen ergeben, dass der Name Seidel/Seidl auf zwei verschiedenen Grundlagen beruhen kann. Bei beiden Möglichkeiten entstand der Familienname im hochdeutschen Gebiet als lautliche Weiterentwicklung einer ursprünglichen Form Sîdel. Bei der Umformung von Sîdel zu Seidel wurde der Langvokal -î- zum Zwielaut -ei-. Dies ist eine reguläre Lautentwicklung, die an vielen deutschen Wörtern zu beobachten ist (wînahten wurde zu Weihnachten, mîn zu mein usw.).

Kosename der altdeutschen Männernamen

Erstens und wahrscheinlich in den meisten Fällen geht der Familienname auf den Rufnamen Sidel/Seidel zurück. Dieser wurde als Kosename der altdeutschen Männernamen mit einem ersten Namenwort Sigi- „Sieg“ verwendet. Der Kosename wird vor allem vom besonders beliebten Namen Siegfried ausgegangen sein, wofür es auch Belege mit Personengleichheit gibt: 1328/46 „Sydel Brockotindorff“ = „Siffridus Brockotendorff“ (Liegnitz), 1345/51 „Syffridus Wemmener“ = „Sydel Wemmener“ (Breslau), 1399 „Zyfridus alias Zeydl“ (Prag).

Einfügung eines Gleitlauts

Formal ist der Ursprung von Seidel so zu erklären: ursprünglicher Kosename Sigilo, mit Schwund des -g- zu Siilo, dann Sielo, Siel, Einfügung eines Gleitlauts -d- in die Fuge zwischen -i-e- zu Sîdel, mit Diphthongierung des -î- zu Seidel. Älteste Belege des Namens in der Form Seidel: 1313 „Seidel Sartor“ (Nürnberg), 1319 „Seidel der Chrautaer“ (Regensburg). Zweitens kann im fränkischen und im bayrischen Gebiet der Gefäßname Seidel (alt Sîdel) zugrunde liegen, mit dem meist ein Halbliterglas bezeichnet wird. Der Familienname entstand dann als indirekter Berufsname für den Hersteller (Glasbläser) oder den Händler. Nur im Umkreis des ehemaligen Ortes Seidel im Kreis Köslin (Pommern) konnte der Nachname auch als Herkunftsname vergeben werden.


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