Kulturgeschichtliches Museum „Der Kupferschatz von Osnabrück“: Fund aus der Jungsteinzeit

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Osnabrück. Im Osnabrücker Kulturgeschichtlichen Museum ist noch bis Mitte Januar der „Kupferschatz von Osnabrück“ zu sehen. Er wurde im Juni bei Bauarbeiten gefunden und ist mehr als 4000 Jahre alt.

Dieser Schatz aus der Jungsteinzeit ist nicht nur sehr alt. Er hat auch einen weiten Weg zurückgelegt. Hergestellt wurde er vor mehr als 4000 Jahren entweder im Karpatenbecken, also in Ostmitteleuropa, oder vielleicht auch in Vorderasien. Vor einigen Monaten wurde er im heutigen Ortsteil Lüstringen entdeckt, wo er einst in der Nähe eines alten Fernweges vergraben wurde.

Das sind Ergebnisse, die Untersuchungen des derzeit im Kulturgeschichtlichen Museum ausgestellten Kupferschatzes ergeben haben. Im Juni wurden die drei Mondsicheln, sogenannte Lunulae, und eine Kupferaxt bei Bauarbeiten gefunden. Die Stadtwerke wollten zu dem Zeitpunkt mit dem Bau eines Regenrückhaltebeckens beginnen. Dass dort in der Nähe der Haseniederung etwas Wertvolles im Boden liegen würde, sei eigentlich eher unwahrscheinlich gewesen, sagt Stadt- und Kreisarchäologe Bodo Zehm. Der ehrenamtliche Mitarbeiter Lennard Janßen suchte den Boden trotzdem mit seiner Metallsonde ab. Und wurde fündig.

Fund „extrem selten“

Janßen rief Bodo Zehm an. Und der erkannte sofort, dass der Fund „extrem selten“ ist. Denn Lunulae sind seit 1883 erst fünf Mal in Deutschland gefunden worden. Ein so umfassender Fund aus drei Mondsicheln und dazu einer Kupferaxt ist hierzulande sogar einmalig.

Erstmalig in Deutschland konnte außerdem das Alter solcher Mondsicheln festgestellt werden. Den archäologischen Untersuchungen stammen sie aus der Zeit 2000 bis 2500 v. Chr., den metallologischen Untersuchungen zufolge gar aus der Zeit zwischen 3000 bis 3300 v. Chr. Die Rohstoffe habe es damals in dieser Gegend nicht gegeben, sagt Zehm. Außerdem beherrschte niemand die Verarbeitung, so dass die Forscher davon ausgehen können, dass die Lunulae den weiten Weg aus dem Karpatenbecken bis hierhin genommen haben.

Schmuck und Axt als Opfergabe

Die Mondsicheln waren als Brustschmuck gedacht und wurden als Opfergabe im Boden vergraben. Sie seien Prestigeobjekte gewesen, so Bodo Zehm. Das weist auch auf einen damaligen Wandel der Gesellschaft hin. Denn lebten die Menschen zuvor im Kollektiv, bildete sich zum Ende der Jungsteinzeit eine Schicht aus reichen und einflussreichen Menschen heraus.

Der Fund hat in der Fachwelt großes Interesse ausgelöst. 2018 soll er bei einer Ausstellung im Martin-Gropius-Bau in Berlin gezeigt werden. Bis Ende Januar ist er aber erst einmal in Osnabrück zu sehen. Neben den Lunulae und der Kupferaxt gehören Informationstafeln über die Jungsteinzeit zur Ausstellung. Außerdem ist der Film „Der Kupferschatz von Osnabrück“ zu sehen, der auch im Internet abgerufen werden kann.

Hinweise auf den alten Fernweg gibt es übrigens bis heute. So dürfte der Name Sandforter Straße in der Nähe auf diese wichtige Verkehrsverbindung verweisen.


Zur Ausstellung:

Ausstellung „Der Kupferschatz von Osnabrück“: bis Sonntag, 15. Januar 2017, im Kulturgeschichtlichen Museum. Öffnungszeiten: Di-Fr 11 bis 18 Uhr, Sa/So 10 bis 18 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat 11 bis 20 Uhr; Infos hier.

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