Familie, Tradition und Kulinarisches So feiert die Osnabrücker Prominenz Weihnachten 2016


Osnabrück. Beim überzeugten Atheisten Kalla Wefel sucht man vergeblich nach Weihnachtsdeko. Joe Enochs, Trainer des VfL Osnabrück, schwört auf die besten American Football-Spiele zu Weihnachten, und bei Familie Griesert kommt Gans mit Rotkohl auf den Tisch. So feiern bekannte Osnabrücker Weihnachten 2016.

„Von mir aus könnte Weihnachten das gesamte Jahr sein“, sagt der Osnabrücker Kabarettist, Autor und Musiker Kalla Wefel. Eigentlich ist er überzeugter Atheist. Trotzdem freut er sich auf die Festtage. „Ich werde mit meiner Tochter, meiner Ex-Frau und ihrem Lebensgefährten in Hamburg feiern. “ Auch wenn es nicht so klingt, laufe das alles ganz harmonisch ab.

Früher habe Wefel zu Weihnachten immer Braten gemacht. „Seit der Hamster meiner Tochter gestorben ist, ist sie Vegetarierin. Da kommt höchstens noch Fisch auf den Teller“, sagt er schmunzelnd. Nach dem Essen wird der Abend mit Gesellschaftsspielen fortgesetzt. Die Ruhe zu Weihnachten ist ihm besonders wichtig: „Die Zeit scheint still zu stehen, bis es Silvester wieder loskracht.“

Bezug zu den Menschen

Für den Bischof des Bistums Osnabrück Franz-Josef Bode, ist Weihnachten einer der wichtigsten beruflichen Tage im Jahr. „Mittags halte ich einen Gottesdienst im Krankenhaus von Ostercappeln ab.“ Im Anschluss besuche er die Patienten, die nicht das Glück haben, Weihnachten bei ihrer Familie verbringen zu können. „Die Begegnungen sind oft mit viel Leid verbunden. Man bekommt einen ganz besonderen Bezug zu den Menschen.“

Am Nachmittag geht es weiter in der Osnabrücker Wärmestube und im Laurentiushaus, wo sich meist über 300 Obdachlose zusammenfinden. „Bei warmem Essen und gemeinsamen Weihnachtsliedern können die Menschen für kurze Zeit ihre Sorgen vergessen“, sagt Bode. An der abendlichen Christmette nimmt der Bischoff nur als Zuschauer teil. Bevor er am nächsten Tag zu seinen Schwestern nach Paderborn fährt, hält er aber noch die morgendliche Weihnachtsmesse ab.

Besonderes Erbstück

Der Beruf prägt auch den Heiligabend von Landessuperintendentin Birgit Klostermeier. Bevor im Kreis der Großfamilie gefeiert werden kann, hält sie zuerst den Gottesdienst in der Marienkirche ab. Zu Hause wir dann der Weihnachtsbaum mit einem ganz besonderen Erbstück geschmückt: „Die Christkindfigur ist über 100 Jahre alt und stammt noch von meiner Oma“, sagt sie. Nach der Bescherung wird sich vor allem unterhalten. „In der Familie treffen so viele Generationen aufeinander. Da ist es wichtig sich auszutauschen.“ Schade sei nur, dass in der Hektik der Vorweihnachtszeit oft das Geheimnisvolle verloren geht. Auch der Weihnachtsmarkt habe für sie wenig besinnliches an sich.

Nicht stressen lassen

Entspannter geht es bei Renate Zimmer zu. Vom allgemeinen Weihnachtsstress lässt sich die Direktorin des Niedersächsischen Instituts für frühkindliche Bildung und Entwicklung nicht anstecken. Dementsprechend wird bei der Familienfeier auch kein aufwendiger Braten serviert, sondern gemeinsam Raclette gemacht. Zur passenden Stimmung gehöre dann auch der Weihnachtsspaziergang durch den Wald mit der gesamten Familie. „Den machen wir bei jedem Wetter“, sagt Zimmer. Bei ihrer Adventsdeko kommt nur warmes Licht in Frage. Die Fenster im Haus dekoriert die Direktorin gerne mit Leuchten, die sie in verschiedenen Städten gekauft hat. Nur zu überladen, dürfe es nicht wirken.

Verschobene Bescherung

Joe Enochs, Trainer des VfL Osnabrück, hat bis zur Bescherung noch ein paar Kilometer zurückzulegen. Er fliegt mit der Familie über Weihnachten zu seinen Eltern in die USA. Anders als in Deutschland, gibt es die Geschenke dort erst am Morgen nach Heiligabend. Stattdessen werden abends neue Rezepte ausprobiert: „In diesem Jahr wollen wir Tapas machen“. Der Tannenbaum steht in den USA schon seit Wochen geschmückt bereit. „Das komplette Haus ist mit Lichtschläuchen dekoriert. Meine Mutter steht darauf“, sagt Enochs.

Und was ist mit dem Sport? Der kommt natürlich auch nicht zu kurz: „ Zu Weihnachten laufen die besten American Football-Spiele. Die schaue ich mir mit meinem Bruder an. Das ist unsere persönliche Weihnachtstradition.“ An der Vorweihnachtszeit in Osnabrück schätzt Enochs besonders die Stimmung der Menschen. „Alle sind freundlich, entspannt und besser gelaunt.“

Nur mit echten Kerzen

Bei Oberbürgermeister Wolfgang Griesert brennen zu Weihnachten nur echte Kerzen am Tannenbaum, während traditionell Gans mit Rotkohl, Klößen und Bratäpfeln aufgetischt wird. Den Gottesdienst besuchen Grieserts mal in der katholischen, mal in der evangelischen Kirche. In diesem Jahr haben sie sich auf die Marienkirche geeinigt. Das schöne an Weihnachten sei, dass keine dringenden Termine anstehen. „Statt Schreibtischlampe Kerzenschein und statt schnellem Bissen zwischendurch die gemütliche Weihnachtstafel“, sagt Griesert. Weihnachten sei ein Gesamtpaket aus Familie, Tradition, Atmosphäre und Erinnerung. Egal ob man es aus kirchlichem oder kulturellen Grund feiert.


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