Experten bewerten Nachwuchsprojekt Egerland-Stiftung engagiert sich weiter in Baden-Baden



Die Felicitas und Werner Egerland-Stiftung setzt die Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus Baden-Baden fort. Allerdings setzt sie dabei auf die Kompetenz von Experten.

An diesem Samstag gehört das Festspielhaus Baden-Baden den Kindern. Im Orchesterraum unterm Dach, im Tanzsaal, im Foyer, in den vielen kleinen und großen Räumen vor und hinter der Bühne: überall Kinder. Sie erarbeiten ihre Version der „Odyssee“; am Sonntag, wuchten sie das Stück auf die riesige Bühne. Zuvor erarbeiten sie n kleinen Gruppen die einzelnen Elemente, die Projektleiterin Nelly Noack auf der Bühne zusammenmontiert: Die Musik der Lotophagen, das Schiff entsteht als Bewegungstheater, die Zyklopen stampfen wuchtig und auf der Bühne formieren sich die Götter. Wie gesagt: überall Kinder.

Expertise für Baden-Baden kommt aus Osnabrück

Ein paar Erwachsene finden sich natürlich auch und ordnen das Gewusel: Nelly Noack, die Theaterpädagogin, und Richard McNicol, der englische Musikvermittler, der den Film „Rhythm is it!“ einige Prominenz erlangt hat. Musiker, ein Sänger, zwei Artistinnen. Mitarbeiter des Festspielhauses Baden-Baden. Und eine Delegation der Felicitas und Werner Egerland-Stiftung aus Osnabrück. 

Nach dem Tod von Felicitas Egerland will die Stiftung ihre Förderpraxis neu ausrichten: Im Sinne der Stifterin, aber weg von der Exzellenzförderung, hin zu eine Musikpädagogik, die in die Breite wirkt. Und da gibt die Stiftung nicht nur Geld - mit 120000 Euro hat sie das Odyssee-Projekt finanziert -, sondern auch Expertise. Weiterlesen: Neuer Name für die Egerland-Stiftung

„Wie wollen wir unsere aktive Zusammenarbeit gestalten?“, fragt auch Rüdiger Beermann, Pressesprecher im Festspielhaus. Die Antwort suchen beide Seiten im „Odyssee“-Projekt; deshalb haben Johannes Dälken und Felix Osterheider, die Vorsitzenden der Egerland-Stiftung dem Antrag zugestimmt. Gleichzeitig begleitet sie das Projekt kritisch: Deshalb sind Dälken und Osterheider mit einer Gruppe von Experten nach Baden-Baden gereist.

Kulturelle Bildungsarbeit statt Spaßprogramm

Die sprechen auch deutliche Worte: In Gesprächsrunden mit den Projektverantwortlichen kritisiert Helmke Stolzenburg die latente „Überforderung“ der Kinder, Hedwig Middendorf-Greife macht theaterhandwerkliche Schwächen aus. Beide sprechen aus Erfahrung: Stolzenburg bildet am Studienseminar Osnabrück Referendare und an der Uni Osnabrück Studierende für den Musikunterricht an Schulen aus, Middendorf-Greife hat schon verschiedene Theatergruppen angeleitet. 

Diese Kritik nimmt Beermann dankbar an. Denn das Festspielhaus will nicht mit einer Art Spaßprogramm das Publikum von morgen gewinnen, sondern kulturelle Bildungsarbeit leisten. Deshalb waren Nelly Noack und Richard McNicol seit Ende September regelmäßig in drei 4. Klassen, um mit den Kindern zu arbeiten: Jede Woche anderthalb Stunden, und zwar „in den Stundenplan integriert“, sagt die Theaterpädagogin.

Darauf zielt die Arbeit auch ab: Musikalische und kulturelle Bildung stärker im schulischen Alltag der Kinder zu verankern. Und es gibt eine junge und reformwillige Lehrerschaft, die bereit ist, mitzuziehen, wie Studiendirektor Achim Fessler in einer Diskussionsrunde in der Club Lounge des Festspielhauses sagt. Er arbeitet daran, die kulturpädagogische Arbeit an den Institutionen mit der Arbeit in Schulen zu verzahnen. Mit Erfolg: Die Projektarbeit schlägt sich in den Lehrplänen nieder.

Genau dieser Umstand weckt das besondere Interesse der Egerland-Stiftung. Am vergangenen Montag haben sich die Osnabrücker „Odyssee“-Experten ausgetauscht, und bei aller Kritik, „die wir dem Festspielhaus ins Stammbuch schreiben werden“, wie Osterheider sagt, wird die „Odyssee“ in die zweite Runde gehen. Weiterlesen: Die Egerland-Stiftung im Proträt

Aber bei allem Engagement: Die Egerland-Stiftung hat ihren Sitz in Osnabrück. Daraus ergibt sich fast zwangsläufig die Frage: Gibt es die Chance fruchtbarer Kooperationen mit dem Festspielhaus Baden-Baden? Durchaus, sagt Hildegard Oevermann von der Egerland-Stiftung: „Vielleicht lassen sich Strukturen übertragen, Workshops anbieten, überhaupt mit den Schulbehörden kooperieren“. Eine Expertenrunde, um derartige Fragen zu erörtern, hat sich ja auf der Fahrt nach Baden-Baden gefunden.


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