Gretescher Steine Megalithgrab mit Rauminstallation aufgewertet

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Osnabrück. „Zeitstrahl“ nennt sich die Rauminstallation, die ein Denkmal aus der Megalithzeit aufwertet: Sieben Stelen aus Cortenstahl setzen die „Gretescher Steine“ in einen historischen Zusammenhang.

Anna ist beeindruckt: „Ich finde es sehr faszinierend, dass die Menschen vor so langer Zeit mit wenigen Mitteln und ohne Maschinen so gigantisch große und schwere Steine bewegt und aufgestellt haben“, sagt die 10-jährige Schülerin. Mit der Klasse 5e der Gesamtschule Schinkel hat sie gerade eine Exkursion zu den „Gretescher Steinen“ unternommen. So wird das Megalithgrab genannt, das dort nicht weit entfernt von der Mindener Straße bisher gar nicht besonders auffiel.

Doch das ändert sich jetzt: Eine Rauminstallation macht schon an der Gerhard-Schoeller-Straße auf die prähistorische Steinsetzung aufmerksam. Die Perspektive in die Vergangenheit öffnet sich mithilfe eines „Zeitstrahls“. Das sind sieben Stelen aus Cortenstahl, auf denen große Jahreszahlen zu sehen sind, die die zeitliche Dimension fühlbar machen, in die man sich hier begibt. Immerhin wurde das Megalithgrab vor knapp 5500 Jahren errichtet. Und die erste Stele steht für die Zeit vor 500 Jahren, als das Osnabrücker Rathaus gebaut wurde.

Jetzt bestaunt die Schulklasse eine Stele mit der Jahreszahl 4500, denn eine Tafel erklärt, dass vor so langer Zeit die Aufsehen erregende Megalithanlage im englischen Stonehenge errichtet wurde. „Damals haben die Menschen sich schon Gedanken über das Leben nach dem Tod gemacht?“ fragt Johanna und schaut jetzt überwältigt auf die „Trilithen“ in Gretesch, die zwei Tragsteine und den darüber liegenden Deckstein, die hier 1000 Jahre vor Stonehenge über einer Grabkammer aufgestellt wurden.

Landmarken für Reisende

„Die Megalithen sind Zeitzeugen der Geschichte und waren zu allen Zeiten auch Landmarken für Reisende“, sagte Katalin Nagy anlässlich der Eröffnung des „Zeitstrahls“. Die Ungarin untersucht und bewertet zurzeit im Auftrag des European Institute for Cultural Routes (EICR) die einzelnen Stationen der „Straße der Megalithkultur“, zu der auch die Gretescher Steine gehören.

Beim Beschreiten des Weges von der Straße bis zu dem Grab folgt der Besucher jetzt dem „Zeitstrahl“ und nimmt eine räumliche Dimension wahr, die mithilfe der Stelen in eine zeitliche verwandelt wird. Von der Jetztzeit geht man über die Rathausmarke und die Osnabrücker Stadtmauer, die vor 800 Jahren errichtet wurde, zu dem Bauwerk, das vor 1200 Jahren als das damals größte Gebäude nördlich der Alpen galt: dem Osnabrücker Dom. Für noch ältere Bauwerke muss man zunächst in die Welt hinaus: Das Kolosseum in Rom wurde vor 1940 Jahren gebaut, mit der Chinesischen Mauer wurde vor 2230 Jahren begonnen und die Akropolis in Athen gibt es bereits seit 2480 Jahren. Der Abstand zur nächsten Stele ist ein bisschen größer, weil aus der Zeit zwischen 460 vor Christi Geburt und der Entstehung von Stonehenge keine Funde von Weltrang erhalten sind.

Steine werden gut gepflegt

„Die Gretescher Steine, dieses Grab am Hochufer des Belmer Baches, ist eines der herausragenden archäologischen Zeugnisse des Osnabrücker Landes“, betont Bodo Zehm von der archäologischen Denkmalpflege der Stadt. Daher werden die Steine auch gut in Schuss gehalten: „Einmal im Jahr geht ein Mitarbeiter mit einer Wurzelbürste daran, Moos und Algen zu entfernen“. Die Idee für den „Zeitstrahl“ hatte er zusammen mit der Agentur für Kommunikation Kuhl und Frenzel entwickelt, als die „Zeit“ zum kulturellen Schwerpunktthema der Stadt erkoren wurde. Zehm freut sich darüber, dass diverse Sponsoren es ermöglicht haben, die Stelen zu erreichten. „Die Steine liegen auf dem Gelände der Firma Schoeller, nicht weit vom Wohnhaus eines Geschäftsführers entfernt“, sagt Friederike Texter von der Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit der Felix Schoeller Group. Daher habe man sich an der Aufwertung des Megalith-Denkmals durch die Rauminstallation auch finanziell beteiligt. Die Fundamente für die Stelen wurden von der Firma Dieckmann gesetzt.


„Zeitstrahl“: Rauminstallation an den Gretescher Steinen (Gerhard Schoeller-Straße 1) auf der „Straße der Megalithkultur“

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