Beschuss mit Mörsergranaten 20 Jahre nach IRA-Anschlag in Osnabrück: Verdächtiger festgenommen

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Aufregung in Eversburg nach dem Granaten-Anschlag auf die britische Quebec-Kaserne am 28. Juni 1996. Archivfoto: Hermann PentermannAufregung in Eversburg nach dem Granaten-Anschlag auf die britische Quebec-Kaserne am 28. Juni 1996. Archivfoto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Über 20 Jahre nach dem Anschlag auf die Quebec-Kaserne in Eversburg ist ein weiterer Verdächtiger in Frankfurt festgenommen worden.

Wie die Generalbundesanwaltschaft am Donnerstag mitteilte, hatten irische Behörden am Dienstag den 47-jährigen Briten James Anthony Oliver C. der Bundesrepublik ausgeliefert. Der Verdächtige wurde nach der Landung auf dem Flughafen Frankfurt von Polizisten festgenommen. Ein Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofes erließ Haftbefehl wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes. Der Verdächtige sitzt seither in Untersuchungshaft.

Drei Granaten, keine Verletzten

Der Generalbundesanwalt wirft dem aus Belfast stammenden Mann vor, sich als Mitglied einer kämpfenden Einheit der terroristischen Vereinigung „Provisional Irish Republican Army“ (PIRA) am 28. Juni 1996 an dem Anschlag auf die britische Kaserne „Quebec Barracks“ an der Landwehrstraße in Osnabrück beteiligt zu haben. Dabei wurden drei Mörsergranaten auf das Gelände der Kaserne abgeschossen, von denen eine auf dem Kasernengelände detonierte.

Zum Zeitpunkt des Anschlags befanden sich etwa 150 Angehörige der britischen Rheinarmee in der Kaserne. Personen kamen nicht zu Schaden. Im Umkreis der Anschlagstelle entstanden erhebliche Sachschäden auf dem Kasernengelände sowie an Privathäusern in Eversburg. Durch die Druckwelle sowie umherfliegende Splitter wurden auch ein altes Tanklager und mehrere Autos britischer Soldaten beschädigt. Der Sachschaden belief sich auf 95000 Euro.

Mittäter 2003 verurteilt

Ein Täter ist 2003 vom Oberlandesgericht Celle zu sechs Jahren Haft wegen versuchten Mordes und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion verurteilt worden. Die Celler Richter gingen damals davon von fünf Tätern aus, von denen zwei zu dem Zeitpunkt namentlich bekannt waren.

Die PIRA spaltete sich in den Siebzigerjahren von der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) ab und führte den Terror weiter. Als Teil des Friedensprozesses in Nordirland erging 1998 eine Amnestie für ehemalige Terroristen. 428 Verurteilte wurden freigelassen. Deutschland beharrte aber weiterhin auf Durchsetzung des Strafanspruches und forderte die Auslieferung von Verdächtigen, die an Taten im Bundesgebiet beteiligt gewesen sein sollen.


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