„Youth Sessions“ Osnabrücker Elektrokünstler „Cass.“ stellt drittes Album vor

Von David Knollmann

Der Osnabrücker Student Niklas Rehme-Schlüter alias „Cass.“ komponiert Ambient-Musik. Sein Album „Youth Sessions“ erscheint am Montag. Foto: Niklas Rehme-SchlüterDer Osnabrücker Student Niklas Rehme-Schlüter alias „Cass.“ komponiert Ambient-Musik. Sein Album „Youth Sessions“ erscheint am Montag. Foto: Niklas Rehme-Schlüter

Osnabrück. Osnabrück. Niklas Rehme-Schlüters Musik erreicht Millionen Hörer. Der Sound des jungen Bissendorfers ist all denen ein Begriff, die sich für das Elektro-Genre „Ambient“ interessieren. Mit seinem dritten Album geht er neue Wege.

Das Osnabrücker Land gilt nicht gerade als Wiege international beachteter, elektronischer Musik abseits des Mainstreams. Doch genau hier hat Niklas Rehme-Schlüter, der unter dem Pseudonym „Cass.“ auftritt, erste Schritte auf der Suche nach einem eigenen Sound unternommen. Indem er Naturgeräusche aufzeichnete und in seine Musik einfließen ließ. Der auf einem Bauernhof bei Bissendorf aufgewachsene Künstler und Autodidakt ist heute all denjenigen ein Begriff, die sich für eine besondere Spielart elektronischer Musik begeistern können: „Ambient“ zeichnet sich durch sphärisch-warme Klangflächen aus. Taktgebende Beats und Bässe verschwinden ganz oder rücken in den Hintergrund. Auf dem Musikstreaming-Dienst Spotify werden Rehme-Schlüters Songs millionenfach gespielt.


Label in England, Video aus Texas

Für den Soziologie-Studenten ist Osnabrück vor allem berechenbare Komfortzone. Er ist Teil des Kulturkollektivs „Stammtisch Mortale“, das die Anklang-Parties in der Skatehall veranstaltet, und findet neue und alte Musik im Miniatur-Plattenladen „Fundament“ in der Hasestraße. Als unverzichtbaren Kreativort würde er seine Wahlheimatstadt jedoch nicht verstehen. Inspiration und Vernetzung sucht der 1991 geborene Bissendorfer, der sich selbst als „Internetkind“ bezeichnet, folgerichtig auch online. „Letztlich ist es egal, wo ich meine Musik produziere, solange die digitalen Verbreitungsmöglichkeiten potentiell unbegrenzt sind“, sagt er. So sitzt Rehme-Schlüters Label-Chef in England und eine Freundin, die das Video zur neuen Single produzierte, wohnt in Austin, Texas.

Die Musik entsteht im Computer

In seinem Homestudio, unweit des Osnabrücker Rosenplatzes, arbeitet Rehme-Schlüter mit verschiedenen Techniken der elektronischen Musikproduktion. Kopierte Soundschnipsel und selbst eingesungene Sprachfragmente werden verfremdet, wiederholt und in komplexen Schichten zu einem dichten Ganzen geformt. Analoge Synthesizer stellen eine Verbindung zwischen Soft- und Hardware da, die Musik entsteht im Computer. Bei der Produktion gelinge es ihm, sich ganz auf eine Sache zu konzentrieren, sagt der Künstler, frei von den permanenten Ablenkungsversuchungen, die die digitalisierte Alltagswelt bereit hält.

Das jetzt erscheinende, neue und dritte Album Rehme-Schlüters, „Youth Sessions“, bedeutet eine gewisse Abkehr von den klaren Ambient-Klängen früherer Tage. Es ist die Platte, die der Künstler „schon immer einmal machen wollte“: Referenzen an aktuelle Club- und Popmusik sind ebenso zu finden wie ein verfeinertes Gespür für Spannungsverläufe und Tempiwechsel. So gesehen ist „Youth Sessions“ Rehme-Schlüters „Coming-Of-Age“-Album und ein eindrucksvoller Schritt aus der Komfortzone heraus.

„Youth Sessions“ erscheint digital und als Schallplatte am 19. Dezember 2016 auf Emotional Response.


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