Museum Industriekultur „Menschen(s)kinder“: Fotos von Michael Salz

Von Tom Bullmann

Michael Salz in der Ausstellung „Menschen(s)kinder“. Foto: Hermann PentermannMichael Salz in der Ausstellung „Menschen(s)kinder“. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Menschen mit und ohne Behinderung zeigt der Fotograf Michael Salz in ungewöhnlichen Umgebungen. „Menschen(s)kinder“ nennt er die Ausstellung mit Fotos, die zurzeit im Osnabrücker Museum Industriekultur zu sehen sind.

In einem verlassenen, maroden Industriegebäude sitzen und stehen vier Personen, angezogen wie im vergangenen Jahrhundert, als würden sie für ein Theaterstück proben. Man hört förmlich die Dialoge, als warteten die Protagonisten auf eine Lieferung illegal gebrannten Schnapses.

„Ich habe die Fotos, die ich machen will, genau im Kopf“, sagt Fotograf Michael Salz. Bevor er loslegt, sucht er nach passenden Locations, sucht geeignete Requisiten aus, fertigt Skizzen an.

Aufwendige Inszenierungen

Doch das wichtigste Element in seinen Fotografien birgt immer eine gewisse Unsicherheit: Es ist der Mensch. Und der lässt sich manchmal nicht so einfach in Szene setzen, wie man es gern hätte. „Menschen(s)kinder“ heißt die Ausstellung mit 15 großformatigen Fotografien von Michael Salz, die zurzeit im Museum Industriekultur gezeigt werden. Die aufwendigen Inszenierungen erzählen Geschichten. Oft skurrile, denn ein Grammophon, ein Oldtimerauto und eine Staffelei in einem Waldstück, in dem sich sechs Personen zu einem „Familienporträt“ zusammenfinden, ist kein Ausschnitt aus der Wirklichkeit.

Doch diese ungewöhnlichen Kulissen werden für die Akteure für eine bestimmte Zeit zur Realität. Dann nämlich, wenn sie von Michael Salz aus der „Lebenshilfe Lindlar“ im Oberbergischen Kreis abgeholt werden, einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung.

Bekannte Gesichter

Der Fotograf fährt mit ihnen an ausgesuchte Orte, an denen sie für diese außergewöhnlichen Fotos posieren. Ob im Schaukelstuhl mit Stahlhelm und Gasmaske auf Bahngleisen vor der Ruine eines Bahnwärters oder mit Zigarre und grimmigem Blick auf einem Boden aus Silberkugeln. Bizarr sind diese Fotografien, die uns am Leben der Menschen mit Behinderung teilhaben lassen: „Das ist Inklusion, wenn der Fotograf die Persönlichkeit des Gezeigten bildlich macht. Da werden auf beiden Seiten Grenzen überschritten“, erklärte Bernd Breidenbach von der „Lebenshilfe Lindlar“ bei der Eröffnung der Ausstellung.

Und dann entdeckt man plötzlich bekannte Gesichter in den Fotos: Klaus J. Behrendt, bekannt als Kölner Tatort-Kommissar, und Kabarettist und Entertainer Herbert Feuerstein. Beide hatten sich auf die Anfrage des Fotografen bereit erklärt, an den fotografischen Inszenierungen teilzunehmen. Die Eröffnung der Ausstellung wurde von Darbietungen des inklusiven Chors „Stimmt so“ unter der Leitung von Barbara Dümmerling sowie von der Gruppe „JellyArt“ mit der inklusiven Tanzperformance „ich-du-wir“ begleitet.


Museums Industriekultur, Haseschachtgebäude: „Menschen(s)kinder“ –Fotografien von Michael Salz. Bis 19. Februar, Mi.-Fr. 11-17 Uhr, Sa. und So. 10-18 Uhr.