Im BBK-Kunstquartier Piefige heile Welt? Werke von Sabine Kürzel

Die Osnabrücker Künstlerin Sabine Kürzel vor ihrer „Perfekten Welt“. Foto: Jörn MartensDie Osnabrücker Künstlerin Sabine Kürzel vor ihrer „Perfekten Welt“. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. „Perfect World“ lautet der Titel einer neuen Ausstellung im BBK Kunstquartier. Die Osnabrücker Künstlerin Sabine Kürzel zeigt aktuelle und auch ein paar ältere Arbeiten und Objekte.

Was haben Supermodell Toni Garrn und eine Rinderroulade mit Rotkohl und Klößen gemeinsam? Eigentlich gar nichts, außer dass Speise wie Person von einer Osnabrücker Künstlerin porträtiert wurden. Auf ovalen Bildträgern mit Zwiebelmuster als Hintergrund sind sie zu sehen, popartig, in krassen Farben gemalt. Eine ganze Wand des BBK-Kunstquartiers hängt zurzeit mit diesen Motiven voll, die für Sabine Kürzel die „Perfect World“ symbolisieren: Currywurst mit Pommes, Nationaltorwart Manuel Neuer, zwei Brötchenhälften mit Honig und Frischkäse oder einfach nur ein netter Familienvater. Für die Künstlerin sind das in ihrer Art alles Sympathieträger. Garrn weil sie schön ist und sich sozial engagiert. Neuer weil er gut aussieht und effektiv das Tor hütet. Mit der Rinderroulade verbindet Kürzel Heimat und eine schöne Kindheit, die Currywurst mit Pommes ist das Essen schlechthin.

Kunststile der 1960er-Jahre

Die Kunststile der 1960er-Jahre lässt Sabine Kürzel hier wieder aufleben. Benutzten Künstler wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein Motive aus der Konsumwelt und des Comicbereichs, um sie zu Ikonen der Kunst zu verwandeln, so wählt die Osnabrückerin Objekte aus ihrer persönlichen Umgebung oder aus ihrer Erinnerung, um sie zu stilisieren. Und das nicht ohne Ironie. Denn die „Perfekte Welt“ hat auch immer etwas Piefiges. Eine Serviette mit vertrautem Muster findet sich in jedem trauten Heim und das Teeservice im Zwiebelmuster begleitet auch heute noch so manches nachmittägliche Kuchenessen. Dabei kommt es nicht auf die tatsächliche Ausführung des Kunstwerks an. Ob Konturen eines Motivs, das wie bei „Malen nach Zahlen“ nach Kolorierung schreit, oder Neuer-Porträt, bei dem das Zwiebelmuster wie bei einer Alabasterskulptur durchscheint, die Idee, die hinter dem Kunstwerk steht, ist wichtig. Wie bei den Vertretern der konzeptuellen Kunst, die ihre Arbeiten kaum als autark verstanden, sondern bisweilen gern einen theoretischen Hintergrund mitlieferten.

Grenze zum Kitsch

So versteht man auch die großformatigen Bilder von Sabine Kürzel besser, wenn man weiß, dass sie autobiografisch sind und nach Fotovorlagen aus ihrer Jugend entstanden. Aber: Wirken die Bilder anders, wenn man die Information serviert bekommt, dass sich Kürzel und ihre Schwester in „Heißer Sommer 1971“ mit Onkel Theo unterhalten? Und dass es die erste Kamera ist, die sie zur Kommunion geschenkt bekam und mit der sie zusammen mit Mama vor der Kamera posiert? Hier und jetzt auf eine rosa Wolke gebeamt und vor poppiger Mikrobenkulisse.

Bei Kürzel ist man nie sicher, ob und wann sie bewusst die Grenze zum Kitsch überschreitet. So zeigt sie im Kunstquartier auch einige ältere Arbeiten, die von Postkarten dominiert werden: Heile Welt auf Handtuchmuster. Die Massenmedien nimmt sie aufs Korn, indem sie zwei Fernsehmonitore zu Objekten macht. So wird „Casablanca: Immer noch aktuell“ zu einer Auseinandersetzung mit der Flüchtlingsproblematik aus einer geradezu historischen Perspektive.


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