Debatte um Stickstoffdioxid Osnabrücker Klimaallianz fordert ebenfalls weniger Raum für Autos

Von Jörg Sanders/pm

Stau auf dem Wall – ein Bild, dass weder die Osnabrücker Klimaallianz noch die Stadtbahn-Initiative gerne sehen. Foto: Jörn MartensStau auf dem Wall – ein Bild, dass weder die Osnabrücker Klimaallianz noch die Stadtbahn-Initiative gerne sehen. Foto: Jörn Martens

yjs/pm Osnabrück. Die Osnabrücker Klimaallianz (OK) kritisiert die Osnabrücker Politik wegen ihrer Umweltpolitik. Sie müsse „angesichts der hohen Stickoxidwerte endlich konkret handeln“, teilte das Bündnis mit. Ein Dorn im Auge ist der OK insbesondere der hohe Pendleranteil. Und die Stadtbahn-Initiative sieht sich in ihrer Forderung bestätigt.

Die Zehntausenden Pendler aus dem Umland müssten endlich umwelt- und klimaverträglich abgewickelt werden. „Die immer rein theoretisch beschworene Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landkreis kann im Bereich Verkehr am leichtesten praktisch werden“, heißt es in der Mitteilung. Verbesserungsbedarf sieht die OK bei den Verbindungen im Bus- und Bahnverkehr. „Wer dreißig Minuten auf den nächsten Bus warten muss und am Abend und am Wochenende noch länger, benötigt eine hohe Leidensfähigkeit.“ Zudem sei es inakzeptabel, dass Busse mit 35 Fahrgästen ebenso lange im Stau warteten wie Autos.

Die OK wirft der Osnabrücker Politik Untätigkeit vor. Seit Jahren gebe es „wohlfeile Absichtserklärungen“, aber „getan habe sich kaum etwas Grundlegendes“. Der ÖPNV und das Radverkehrsnetz seien unzureichend und könnten nicht mit dem Auto konkurrieren.

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NO2 auch 2016 zu hoch

Hintergrund der Kritik ist ein Bericht unserer Redaktion vom 3. Dezember, wonach die erlaubten Stickstoffdioxid-Jahresmittelhöchstwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter am Schlosswall und am Neumarkt wohl auch in diesem Jahr deutlich überschritten werden. Anwohner können die Stadt wegen der überschrittenen Werte und der daraus resultierenden gesundheitsschädlichen Wirkungen verklagen. Schuld an der Misere ist der OK zufolge der unverändert hohe Anteil der Autos.

„Verkehrsraum neu verteilen“

Um das zu ändern, müsse die Politik den Verkehrsraum neu verteilen und den „Raumwiderstand für das Auto“ erhöhen. Damit schlägt sich die OK auf die Seite des Osnabrücker Stadtbaurats: Frank Otte hatte im Gespräch mit unserer Redaktion bereits zweimal gefordert, Autofahrern mehr Raum zugunsten der Radfahrer zu nehmen. Auch Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz, forderte im Gespräch mit unserer Redaktion eine radikale Reduzierung des Autoverkehrs in Osnabrück. In der Summe müsse der „Autoanteil am Verkehrsmix ganz erheblich verringert“ werden, fordert die OK.

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Auch Stadtbahn-Initiative sieht sich bestärkt

In der Debatte um zu hohe NO2-Werte sieht sich auch die Stadtbahn-Initiative (SBI) in ihrer Sicht bestärkt. Die Umweltprobleme könnten nur durch ein attraktives Nahverkehrssystem gelöst werden, teilte die Initiative mit. Sie bekräftigte erneut ihre Forderung, die Option einer Stadtbahn ernsthaft zu prüfen – unabhängig von der Frage der Finanzierung. Das sei ein „Totschlagargument“. „Es gebe von der Europa- bis zur Landesebene Fördermöglichkeiten, die den Eigenanteil der Stadt beziehungsweise Region auf 25 bis 10 Prozent schrumpfen ließen“, schreibt die SBI.


Die Osnabrücker Klimaallianz

Zur Osnabrücker Klimaallianz gehören Organisationen aus Umweltschutz, Entwicklungspolitik, Kirchen, Energiepolitik und der Arbeit für soziale Gerechtigkeit. Das sind unter anderem der ADFC, der BUND, Attac, Greenpeace, der Nabu und der VCD.

Messstationen in Osnabrück

Messstationen in Osnabrück stehen am Schlosswall (Verkehrsmessstation DENI067) und an der Bomblatstraße am Ziegenbrink (DENI038 zur Hintergrundmessung). Eine zusätzliche NO2-Messstation mit einem Passivsammler steht nahe dem Neumarkt am Neuen Graben.

Tageswerte und Monatsprotokolle der Stationen am Schlosswall und am Ziegenbrink sind hier einsehbar. Die Werte für des Passivsammlers im Bereich des Neumarkts sind online nicht abrufbar.

NO2: Das Gift aus den Dieselabgasen

Stickstoffdioxid ist ein giftiges Gas mit der chemischen Formel NO2, das ähnlich stechend riecht wie Chlor und an seiner rotbraunen Farbe zu erkennen ist. Es entsteht bei der Verbrennung fossiler Energie und soll zu mehr als 75 Prozent vom Straßenverkehr stammen. Emittiert wird es vor allem von Dieselmotoren.

NO2 gilt als krebsverdächtig und greift die Atemwege an. Der Mittelwert darf nicht höher sein als 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. In Osnabrück wurde dieser Grenzwert in der Vergangenheit am Neumarkt, an der Martinistraße und am Schlosswall überschritten. Während der Neumarkt-Sperrung sanken die Werte dort ebenso wie an der Martinistraße, während sie sich am Schlosswall erhöhten.

Wegen der gravierenden gesundheitlichen Beeinträchtigung ist die Stadt verpflichtet, die Richtwerte einzuhalten. Kommt es zu Überschreitungen, riskiert sie Klagen von Bürgern oder Umweltverbänden, außerdem muss sie mit einem Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Union rechnen, das Strafzahlungen zur Folge hat.

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