Piepenbrock Kunstförderpreis Jury ehrt zwei Rauminstallationen

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Osnabrück. Zwei Kunststudierende erhalten den Piepenbrock Kunstförderpreis 2016: Merle Lembeck und Gian Luca Cadeddu dürfen sich über jeweils 3000 Euro Preisgeld freuen.

Der Mensch steht im Fokus. Bizarre Gipsköpfe, collagierte Porträts, die sich aufzulösen scheinen, die zeichnerisch dokumentierte Alterung des Menschen oder gemalte Antlitze im Prozess der Abstraktion: Viele Studierende des Faches Kunst an der Universität Osnabrück beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit der Krone der Schöpfung. Spielerisch, entlarvend, experimentell oder auch surrealistisch.

Einmal mehr gleicht das Gebäude an der Seminarstraße, in dem das Fach Kunst untergebracht ist, einer riesigen Galerie. In drei Geschossen, in den Schaufenstern zur Straße und im Innenhof präsentieren die Studierenden Arbeiten, die für die diesjährige Verleihung des Piepenbrock Kunstförderpreises nominiert wurden. Gleich im Flur des Erdgeschosses empfangen einen die Handzeichnungen von Mása Tomka. Mit Kohle und Pastellkreide bannte sie Frauen auf Papier, die einer „neuen“ Sportart frönen: Poledance. Bekannt eher aus dem Rotlicht-Milieu wird der Tanz an der Stahlstange zu einer geradezu akrobatischen Übung. Mit extremen Schatten und Hell-dunkel-Kontrasten arbeitend enthüllt Tomka das radikale Spiel von Muskeln und Sehnen.

Doch nicht zeichnerische Studien, Bildhauerei, Malerei, Grafik-Design oder Druckgrafik sind in diesem Jahr in den Augen der Juroren preisgeldwürdig, sondern raumgreifende Installationen. Der mit 6000 Euro dotierte Förderpreis wurde je zur Hälfte an zwei Studierende vergeben, die künstlerisch, aber auch handwerklich arbeiten. Merle Lembeck wurde für ihre mehrteilige Raumkomposition „Space Oddity oder Die Eigentümlichkeit des Raumes“ ausgezeichnet. Dabei handelt es sich um Bilder und Objekte, die einen Raum strukturieren - streng in schwarz-weiß gehalten und in ihrer geometrischen Formsprache an die Konstruktivisten erinnernd. Nur die Interaktion des Betrachters, der die Objekte in Bewegung setzen kann, löst das straffe Konzept auf.

Für seine gelungene Übersetzung eines drängenden Problems der globalisierten Welt in eine raumgreifende Installation wurde Gian Luca Cadeddu von der Jury ausgezeichnet. „Burg Europa“ heißt die begehbare Arbeit, die der Student im Innenhof des Kunstgebäudes aufbaute. Der Turm aus Abfallholz, der in abgewandelter Form auch schon einmal im Kunstraum hase29 zu sehen war, symbolisiert die Festung, in der wir Europäer leben, umgeben von Gold und Luxus. Und im Urlaub fahren wir zum Kamelreiten und Tauchen in Länder, in denen Armut herrscht.

Darüber hinaus gibt es aber auch laufende Bilder zu sehen. Fünf Kurzfilme wurden im Bereich „Visuelle Medien“ nominiert, unter anderem der Beitrag „King Beza“ von Line Pardo Kelm und Azim Becker, der von der Jury lobende Erwähnung fand. „King Beza“ ist das experimentelle Porträt eines autistischen Jungen, der in Bremen lebt. Auf eindrucksvolle Art wird der Zuschauer mit der introvertierten Gefühlswelt des Jungen konfrontiert.

„Es wäre schön, wenn wir in Zukunft mehr von diesen gelungenen, filmischen Arbeiten zu sehen bekämen“, erklärte Jurorin Maria-Theresia Piepenbrock von der Piepenbrock Unternehmensgruppe Berlin als Preisgeber. Zum ersten Mal war in diesem Jahr Professor Wolfgang Lücke, Präsident der Universität, Mitglied der Jury – an der Seite von Kunstkritikerin Ursula Bode sowie Professor Klaus Dierßen von der Universität Hildesheim und Professor Thomas Rentmeister von der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig.


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