Umweltministerium zahlt Zuschuss 1,7 Millionen Euro für Radschnellweg Osnabrück-Belm

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Mit Muskelkraft flott in die Stadt: In Osnabrück soll der erste Radschnellweg gebaut werden – hier ein Beispiel aus einem Vorort von Kopenhagen. Foto: Lahmann-LammertMit Muskelkraft flott in die Stadt: In Osnabrück soll der erste Radschnellweg gebaut werden – hier ein Beispiel aus einem Vorort von Kopenhagen. Foto: Lahmann-Lammert

Osnabrück. Aus dem Bundeswettbewerb „Klimaschutz im Radverkehr“ fließen mehr als 1,7 Millionen Euro nach Osnabrück. Der größte Teil davon soll dem Radschnellweg nach Belm zugutekommen.

187 Kommunen haben sich um die Förderung beworben, Osnabrück mischt ganz weit vorne mit. Das Bundesumweltministerium fördert regionale Radverkehrsprojekte mit Vorbildcharakter, die zur CO2-Reduzierung beitragen und zugleich die Lebensqualität erhöhen. Eine Kooperation von Kommunen mit privaten oder öffentlichen Unternehmen ist ausdrücklich erwünscht. In Osnabrück ist die Stadt mit den Stadtwerken und dem Kupferhersteller KME ins Rennen gegangen. Konkretes Projektziel ist die Verbesserung der Radverkehrssituation im Quartier Gartlage-Süd.

Hohes Reisetempo

Im Wohngebiet zwischen der Bohmter Straße und der Schlachthofstraße läuft schon seit zwei Jahren das Sanierungsmanagement, das darauf abzielt, den Eigentümern von Altbauten wirksame Wärmedämmung und sparsame Heizsystemen schmackhaft zu machen. Gerade erst am Dienstag hat der Rat das Projekt um weitere zwei Jahre verlängert. Dass in diesem Wohngebiet an der Liebigstraße der Radschnellweg nach Belm beginnen soll, passte perfekt in die Förderrichtlinien des Bundeswettbewerbs.

Radschnellwege sollen vor allem Pendlern eine Alternative zum Auto bieten. In Dänemark und den Niederlanden gibt es schon eine ganze Reihe solcher Fahrradautobahnen, auf denen Pedalisten mit sportlichen Ambitionen oder elektrischem Zusatzantrieb hohe Reisegeschwindigkeiten erzielen können. Radschnellwege sollen zwei Richtungsfahrbahnen mit gutem Asphalt haben und so angelegt werden, dass Ampeln, Vorfahrtsschilder oder Bahnübergänge den Vorwärtsdrang ihrer Nutzer möglichst nicht stören.

An der Eisenbahn entlang

Im Zusammenhang mit dem Masterplan „100 Prozent Klimaschutz“ hatte die Stadt Osnabrück gemeinsam mit dem Landkreis und den Umlandkommunen ausgelotet, welche Trassen für Radschnellwege mit überschaubarem Aufwand zu realisieren sind und voraussichtlich auch gut angenommen werden. In der Machbarkeitsstudie lief alles auf den Weg nach Belm hinaus. Für die 6,8 km lange Strecke zwischen der Liebigstraße und dem Belmer Zentrum kalkulierten die Planer 2 bis 2,5 Millionen Euro.

Inzwischen habe sich herausgestellt, dass es teurer wird, sagt die Verkehrsplanerin Ulla Bauer. Die Mehrkosten sind erforderlich, um die Wurzeln der Kastanien an der Schlachthofstraße unbehelligt zu lassen. Bislang steht noch nicht fest, wie der Radschnellweg an der Halle Gartlage vorbei zum Bahndamm geführt wird. Bis zum Power Weg an der Stadtgrenze sollen die Radler an den Eisenbahngleisen bleiben. Diese Strecke bietet den Vorzug, dass der steile Schinkelberg ohne nennenswerte Steigung umfahren werden kann. Auf dem letzten Abschnitt stehen noch zwei Varianten zur Auswahl: Entweder muss der steile Power Weg bezwungen werden oder es findet sich eine flachere Variante, die zur Heinrichstraße in Belm führt.

Lastenräder und Fietstrommeln

Nach ersten Prognosen könnte der Radschnellweg 6,8 Millionen Autokilometer im Jahr überflüssig machen, was einer ein CO2-Einsparung von 190 Tonnen entsprechen würde. Mit dem Geldsegen aus dem Umweltministerium in Berlin hofft die Stadt, das Vorzeigeprojekt für den Klimaschutz ein gutes Stück voranbringen zu können. Ein Teil der Fördersumme wird aber in den fahrradfreundlichen Ausbau des Wohnquartiers rund um die Liebigstraße fließen.

Detlef Gerdts vom Fachbereich Grün und Umwelt zählt auf: 18 sogenannte Fietstrommeln sind geplant, in denen hochwertige Räder sicher eingeschlossen werden können. Die Stadtwerke stellen drei Lastenräder zur Verfügung, mit denen manche Autofahrten überflüssig werden sollen. Außerdem werden für Mitarbeiter und Kunden Fahrradbügel und ein Fahrradhäuschen aufgestellt. Bei KME sollen sogar Abstellanlagen für 370 Fahrräder entstehen, außerdem 28 Ladepunkte für Pedelecs. Auch dafür gibt es Zuschüsse aus dem Umweltministerium.

Stadtbaurat Frank Otte ist zuversichtlich, dass der Radschnellweg ein wirksamer Schritt ist, um Pendler in nennenswerter Zahl zum Umsteigen aufs Rad zu bewegen. Baubeginn wird voraussichtlich 2018 sein. Zuvor muss aus der Grobplanung eine Detailplanung gemacht werden.


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