Mutprobe in Bühners Sterneküche Kinder hinter den Kulissen des La Vie in Osnabrück


Osnabrück. Tintenfische und Krebse kannten die Kinder natürlich, für die der berühmte Sternekoch Thomas Bühner gestern ein Adventstürchen in seinem Restaurant „La Vie“ geöffnet hat.

Einige von ihnen hatten auch schon mal Gerichte damit probiert. Lecker fanden es die meisten zwar nicht, aber darauf kam es auch gar nicht an, sondern die Kinder waren aufgefordert, einen Taschenkrebs und einen Pulpo, wie die Tiere mit den acht langen Tentakeln in Spanien genannt werden, anzufassen.

In dieser Mutprobe bestand eine der Aufgaben beim „Festival der Sinne“, einem Parcours mit Aufgaben zum Riechen, Sehen, Fühlen, Schmecken und Fühlen. Den hatte Bühner für einige Drittklässler unserer Adventstürchen-Aktion vorbereitet. Die Einladung ins „La Vie“ war bisher wieder das gefragteste Angebot bei unserer Aktion, bei der vom 1. bis 24. Dezember jeden Tag besondere Führungen und Besichtigungen auf dem Programm stehen. Weil der Wunsch auf so vielen Teilnahmescheinen angekreuzt war, haben wir die Kinder, die sich beteiligen durften, wieder in einer Auslosung ermittelt.

„Warum, kann ich gar nicht so richtig erklären, aber ich wollte unbedingt mit hierher und freue mich riesig, dass es geklappt hat“, meinte die neunjährige Lydia. Das Mädchen kostete es erst einige Überwindung, den Krebs und den Oktopus anzufassen, wie ihr Minenspiel zweifelsfrei verriet . Nachdem sie es probiert hatte, lautete ihr erster Kommentar, dass sich der Tintenfisch „ekelig“ anfühle und der Krebs „weniger schlimm“. Als sich wenig später andere Kinder nicht sicher waren, wie sie die Tiere richtig anfassen sollten, war es Lydia, die ihnen zeigte, wie es geht. „So schlimm war es dann doch nicht“, meinte sie. Den Krebs fanden die meisten Kinder einfach „hart“, aber bei dem Tintenfisch gingen die Meinungen weit auseinander. Tim (9) fand es „wie normale Haut, nur ein bisschen feucht.“ Eva (8) meinte, dass er sich anfühlt wie „etwas Glibberiges, das getrocknet“ ist. Mia wollte die Tiere lieber gar nicht anfassen. „Ich überlege, ob ich gar kein Fleisch mehr essen möchte. Sicher bin ich mir aber noch nicht“, meinte sie.

Bühner mag gern Kartoffelsalat

Der Sternekoch erklärte den Kindern, dass es ganz viele tollen Sachen auf der Welt gibt, die man essen kann. Man müsse nicht alles mögen, aber es sei wichtig, Speisen nicht einfach so abzulehnen, sondern sie zumindest einmal zu probieren. „Ich habe auch schon Sachen gegessen, die ich nicht noch mal haben muss“, gab Bühner zu. Beispielsweise seien ihm in Asien schon Fischaugen und rohe Tentakel von einem Tintenfisch serviert worden, die sich noch bewegt hätten. Als die Kinder wissen wollten, wie die Fischaugen und die Tentakel geschmeckt hätten, verglich es Bühner mit einer Mischung aus „Ohrläppchen und Fingernägeln“ – damit hatte er natürlich die Lacher auf seiner Seite.

Noch etwas wollten die Kinder von Bühner wissen – nämlich, was er gerne esse finde. Als er ihnen darauf erklärte, dass er alles lecker findet, was gut gekocht wird, frotzelte Tim, dass er dann ja vermutlich nur das gerne mag, was er selber gekocht hat. „Nein, das stimmt nicht“, entgegnete Bühner. „Es gibt ja auch noch viele andere, die gut kochen können – außerdem mag ich auch gerne so etwas wie Kartoffelsalat oder Linsensuppe“.

Keiner kannte Petersilienwurzel

Bühner und Restaurantleiterin Nadja Siebert bereiteten den Kindern einen tollen Nachmittag. Zunächst waren alle an einem liebevoll eingedeckten und mit Nüssen, Keksen, Schokolade dekorierten Tisch zum Kakaotrinken eingeladen. In der lustigen Tischrunde verflog schnell die Scheu vor dem berühmten Koch, der sich von den Kindern mit Vornamen ansprechen und duzen ließ. Nach dem Kennenlernen ging es zum Festival der Sinne, das in einer für Koch- und Genusskurse eingerichteten Vorbereitungsküche im Obergeschoss des Restaurants für die Kinder aufgebaut war. Unter anderem. ging es darum, Linsen, Nüsse und Reis zu ertasten, die in drei Säckchen verborgen waren oder die Aromen von Vanille, Zimt und Apfel(essig) durch Riechen zu ermitteln. Von den drei Knollen, die erkannt werden mussten, gab die dritte Sorte neben dem Fenchel und dem Ingwer allen Kindern ein Rätsel auf. Wie sich herausstellte, war es eine Petersilienwurzel – die so ähnlich wie eine Möhre schmeckt. Weitere Aufgaben bestanden zum Beispiel darin, die Temperatur warmen Wassers richtig zu schätzen oder salziges Popcorn, süß gewürzte Schweinschwarten und zartbittere Schokolade zu erkennen und geschmacklich richtig zuzuordnen.

Viel lieber als die bittere Schokolade mochten die Kinder natürlich süße Vollmilchsorten, aus denen auch die Schokoweihnachtsmänner auf der Kaffeetafel bestanden. Am Beispiel der süßen Weihnachtsmänner erklärte Bühner, wie viel Zucker in einer süßen Schokolade enthalten ist – nämlich fast die Hälfte ihres Gewichts. „Man muss elf Äpfel essen, um so viele Kalorien bzw. Zucker zu sich zu nehmen wie bei einer Tafel Schokolade – aber von elf Äpfel wird man natürlich viel satter.“

Nach dem Sinnesparcours führte Bühner die Kinder noch durchs Haus. Im Weinlager, das im La Vie nicht im Keller, sondern auf dem Dachboden untergebracht ist, interessierten sich die Kinder vor allem für die besonders großen Flaschen. Als ein Junge wissen wollte, wie viele Weinsorten es sind und was der Wein kostet, erklärte ihm Bühner, dass in dem Lokal rund 1000 verschiedene Weinsorten vorrätig sind, die zwischen 30 und 5000 Euro pro Flasche kosten.

Weihnachtsgeschenke waren natürlich auch ein Thema in der Runde. Nachdem die Kinder erklärt hatten, dass sie sich Playmobil, Lego, ein ferngelenktes Auto und anderes Spielzeug wünschen, musste auch der Sternekoch seine Wünsche nennen. „Wir fahren nach Weihnachten ein paar Tage weg. Ich wünsche mir nichts mehr als schlechtes Wetter, damit ich in aller Ruhe die Füße hochlegen und ein schönes Buch lesen kann.“


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