Wohnsitzauflagen, Abschiebung, keinen Job Darum demonstrieren diese Flüchtlinge in Osnabrück

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In Osnabrück demonstrieren am 6. Dezember über Tausend Flüchtlinge. Unter den Teilnehmern sind auch (v.l.) die Syrerin Rania Kakarli, der Sudanese Badreldeen Babiker und der Palästinenser Ibrahem Damaj. Viele andere Redner wollten nicht mit Foto gezeigt werden, weil ihre Asylverfahren noch laufen. Foto: Claudia Sarrazin/ Michael Gründel/privatIn Osnabrück demonstrieren am 6. Dezember über Tausend Flüchtlinge. Unter den Teilnehmern sind auch (v.l.) die Syrerin Rania Kakarli, der Sudanese Badreldeen Babiker und der Palästinenser Ibrahem Damaj. Viele andere Redner wollten nicht mit Foto gezeigt werden, weil ihre Asylverfahren noch laufen. Foto: Claudia Sarrazin/ Michael Gründel/privat

Osnabrück. Am 6. Dezember demonstrieren Flüchtlinge unterschiedlicher Herkunft in Osnabrück unter dem Titel „Bleib doch Mensch“. Vorab erzählen ein paar von ihnen, warum sie geflohen sind, was sie sich in Deutschland erhoffen und was sie kritisieren.

Gegen Asylverschärfungen und für Menschenrechte demonstrieren am 6. Dezember Flüchtlinge unterschiedlicher Nationen ab 17 Uhr am Goslingplatz, Rosenplatz, Gewerkschaftshaus und ab 18 Uhr im Schlossgarten. Organisiert wird die Demo vom Osnabrücker Verein Exil – Osnabrücker Zentrum für Flüchtlinge und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Exil geht von rund 1500 Teilnehmern aus, wie Sprecherin Sara Höweler mitteilte. Es soll die erste Veranstaltung bundesweit sein, auf der ausschließlich Flüchtlinge sprechen werden. Vorab erzählen einige von ihnen von ihrem Schicksal, warum sie demonstrieren und was sie sich erhoffen.

„Schwer für mich als afghanischer Flüchtling“

Arezao Naiby aus Afghanistan, 23 Jahre alt. Naiby hatte in Kabul Jura studiert und als Nachrichtensprecherin für einen amerikanischen Sender gearbeitet. Sie sei mit ihrer Familie im November 2015 nach Deutschland geflohen, weil sie in Afghanistan als Hazara (ethische Minderheit in Afghanistan) verfolgt würde. „Afghanistan ist kein sicheres Land“, sagt Naiby, auch deshalb demonstriere sie am 6. Dezember.

Denn noch weiß Naiby nicht, ob sie in Deutschland bleiben darf. Ihr Asylverfahren läuft noch . Zurzeit macht sie für zwei Wochen ein Praktikum in Köln bei der Tagesschau und arbeitet an einer Dokumentation über Flüchtlinge in Deutschland . „Es ist schwer für mich als afghanischer Flüchtling, ich muss mich um alles selbst kümmern, bekomme keine Unterstützung“, sagt die 23-Jährige.

„Die Deutschen sind keine Maschinen“

Badreldeen Babiker, 41 Jahre alt. Asylstatus: anerkannt. Babiker arbeitete im Sudan als Lehrer für Arabisch und Islamische Religion. 2014 floh er nach Deutschland. In seinem Heimatland wurde er verfolgt, weil er über Aids informiert und gegen die sudanesische Regierung demonstriert habe. Eigentlich wollte er ursprünglich nach Norwegen und nicht nach Deutschland, weil er gehört habe, dass die Deutschen wie „gefühllose Maschinen“ sein sollen, aber in Köln endete seine Reise, später zog er nach Osnabrück.

„Ich fand schnell heraus, dass die Menschen in Deutschland doch keine Maschinen sind, die Leute sind sehr nett“, sagt Babiker. Aber viele seiner Flüchtlings-Bekannten hätten Probleme in Deutschland, fänden keine Arbeit oder Wohnung, würden abgeschoben werden. Babiker selbst hat bisher auch keinen festen Job gefunden, er arbeitete für mehrere Zeitarbeitsfirmen, er engagiert sich in der Aids-Hilfe in Osnabrück.

„Wohnsitzauflagen sind Verstoß gegen Menschenrechte“

Fatoumata Kira aus Guinea ist seit acht Jahren in Osnabrück. Über ihre konkreten Fluchtgründe möchte die 30-Jährige nicht sprechen. Sie gibt an, vor den politischen und sozialen Verhältnissen in Guinea geflohen zu sein. In Deutschland wird Kira nur geduldet, theoretisch kann sie jederzeit abgeschoben werden, den Anspruch auf einen Integrationskurs hat sie nicht.

Sie träumt von einer Ausbildung zur Krankenschwester. Gegen ihre derzeitig eingeschränkten Rechte in Deutschland möchte sie demonstrieren: „Menschen mit Duldung oder Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, ist es in Deutschland nicht erlaubt, ihren Aufenthaltsort frei zu wählen. Das ist auch ein Verstoß gegen die Menschenrechte“, sagt sie. Wohnsitzauflagen würden gegen das Menschenrecht, sich frei innerhalb eines Staates zu bewegen, verstoßen.

„Darum sind wir hier“

Rania Kakarli aus Syrien, 50 Jahre alt. Im syrischen Damaskus arbeitete Kakarli als Malerin, stellte in Galerien aus. Vor drei Jahren floh sie vorm Krieg in ihrem Land nach Deutschland, ihr Asylstatus wurde anerkannt. Sie machte Deutschkurse bis zum Fortgeschrittenen-Level B1, arbeitete als Putzfrau, Köchin und im Altenheim. Am 6. Dezember demonstriert sie in Osnabrück, um auf ihr Schicksal und das anderer syrischer Flüchtlinge aufmerksam zu machen. „Ich möchte klarmachen, warum wir da sind“, sagt Kakarli. Deutschland sei ein gutes Land, aber sie mache sich Sorgen. Wer gebe ihr in ihrem Alter noch einen festen Job.

„Werde anders behandelt als andere Flüchtlinge“

Ibrahem Damaj aus dem Westjordanland, 34 Jahre alt, floh nach Deutschland, weil er von der Hamas verfolgt und fast getötet worden sein soll. „Ich dachte, Deutschland sei das Paradies auf Erden“, sagt Damaj. Aber die Realität sei anders. Ich bin seit drei Jahren in Deutschland und bis jetzt verstehe ich die Kultur hier nicht.“ Als Palästinenser müsse er Deutschkurse selbst bezahlen, aber die seien zu teuer für ihn.

„Wir Palästinenser werden in Deutschland anders behandelt als andere Flüchtlinge.“ Dagegen möchte Damaj demonstrieren, aber auch, weil er länger in Deutschland bleiben möchte. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, sein Anwalt legte Berufung ein. „Ich hoffe, dass ich weiter in Deutschland leben kann. In meinem Land herrscht Krieg, seit 1948 ist das so und es wird noch 100 Jahre so sein. In Deutschland kann ich sicher leben und frei sagen, was ich denke.“


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