Premiere im Lortzinghaus Theater Osnabrück zeigt Lessings „Ernst und Falk“

Von Anne Reinert

Stefan Haschke als Falk (vorn) und Janosch Schulte als Ernst in Lessings „Ernst und Falk“ im Lortzinghaus Osnabrück. Foto: Uwe LewandowskiStefan Haschke als Falk (vorn) und Janosch Schulte als Ernst in Lessings „Ernst und Falk“ im Lortzinghaus Osnabrück. Foto: Uwe Lewandowski

Osnabrück. Lessings „Ernst und Falk“ gehört bis heute zu den Kerntexten der Freimaurer. Das Theater Osnabrück führt den selten auf der Bühne zu erlebenden Text im Rahmen eines Lessing-Spielzeitschwerpunktes im Lortzinghaus auf, wo die Osnabrücker Freimaurer zusammenkommen. Die Premiere fand am Freitagabend statt.

Diese O-Töne sprechen für sich. „Freimaurer? Ist das nicht `ne Sekte?“ fragt da einer. Ein weiterer Passant fühlt sich beim Stichwort Freimaurer an Kinofilme mit Tom Hanks erinnert. Noch ein anderer denkt gar an einen geheimnisvollen Bund mit alljährlichem Selbstmordritual eines der Mitglieder. Nichts von alldem entspricht den Freimaurern wirklich. Doch so geheimnisvoll und rätselhaft ihr Ruf ist, es gibt sie seit fast 300 Jahren tatsächlich. In Osnabrück kommen sie im Lortzinghaus zusammen, wo am Freitag die Premiere von Lessings „Ernst und Falk“ stattfand.

Die O-Töne webt Regisseurin Birga Ipsen in ihre Inszenierung ein. Osnabrücker wurden dafür auf der Straße befragt, was sie über die Freimaurer wissen. Nun werden sie zwischen zwei Szenen im Lortzinghaus abgespielt, wo Stefan Haschke als Falk und Janosch Schulte als Ernst das gesamte Gebäude vom Foyer bis zum Tempelsaal bespielen.

(Weiterlesen: „Stadtprojekt Nathan“ des Theaters, zu dem die Inszenierung von „Ernst und Falk“ gehört)

Wer sind die Freimaurer?

Lessing stellt in seinem philosophischen Gespräch zwischen den titelgebenden Charakteren die Frage danach, wer die Freimaurer sind. Und beantwortet sie doch nicht vollends. Vielmehr fordert der Text im Sinne der Freimaurer zur Arbeit an sich selbst und zum eigenen Denken auf. Die Freimaurer als Idee mit ihren Idealen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität existieren dabei unabhängig von den Logen, in denen sich der Bund organisiert.

Wie sieht der ideale Staat aus? Das ist eine Frage, über die Ernst und Falk diskutieren. Dabei kommen sie zu dem Ergebnis, dass der Staat für den Menschen da sein solle und nicht umgekehrt. Doch der Staat kann nicht alles leisten, etwa die Aufhebung der Grenzen zwischen den Ständen und Nationalitäten. Was, wenn die Freimaurer es sich zur Aufgabe gemacht hätten, die Trennungen zwischen den Menschen weitestgehend wieder aufzuheben, fragt Falk, während er symbolhaft einen Faden zwischen einigen Zuschauern zum Netz spinnt.

Überhaupt übersetzt Birga Ipsen den Text sinnigerweise immer wieder auf die Metaebene der Bildsprache. Das lockert den Text auf, passt aber auch zu Lessings Text, in dem es heißt, dass nicht Worte, sondern Taten und Bilder die ewigen Dinge, die für die Freimaurer gelten, verkörpern.

(Weiterlesen: Birga Ipsen über ihre Inszenierung von „Ernst und Falk“)

Gehaltvolles Traktat wird lebendig.

Dass der gehaltvolle Text so lebendig wird, ist aber auch dem Schauspielduo Stefan Haschke und Janosch Schulte zu verdanken. Bevor der philosophische Diskurs beginnt, schweigen sie erst einmal. Und spielen. Da besucht der jüngere Ernst Falk bei einer Wasserkur. Während der Ältere das Heilwasser in kleinen Schlucken genießt und mit geschlossenen Augen wirken lässt, spült Ernst, der seinen Freund gleich darauf mit Fragen bedrängen wird, ungeduldig eine ganze Flasche hinunter. So lassen Haschke und Schulte die Figuren spielerisch lebendig werden, ohne dem Text etwas künstlich überzustülpen.

Das Bühnenbild von Janine Hagedorn ist derweil auf wenige Mittel wie Sitzwürfel und Diaprojektor reduziert. Die eigentliche Bühne ist schließlich das Lortzinghaus, die Heimat der Osnabrücker Freimaurer, wo es bei der Premiere warmherzigen Applaus für eine gelungene Aufführung gab.

(Weiterlesen: Jens Peters als Leitender Schauspieldramaturg am Theater Osnabrück)


Weitere Aufführungen: Donnerstag, 15. Dezember, und Freitag, 27. Januar, jeweils 19.30 Uhr. Kartentel.: 0541/ 7600076.

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