Diskussion im Bürgerforum Was wird aus der Wagenburg in Osnabrück?

Idylle am Finkenhügel in Gefahr? Die Bewohner der Wagenburg engagieren sich für ökologische Belange. Sie befürchten, dass Siedlungspläne ihnen den Platz zum Leben nehmen. Bald tagt der Stadtentwicklungsausschuss.Foto: Michael GründelIdylle am Finkenhügel in Gefahr? Die Bewohner der Wagenburg engagieren sich für ökologische Belange. Sie befürchten, dass Siedlungspläne ihnen den Platz zum Leben nehmen. Bald tagt der Stadtentwicklungsausschuss.Foto: Michael Gründel 

Osnabrück. Die Wagenburg sorgt sich um ihr Gelände, denn die Verwaltung arbeitet an einem Plan für eine Siedlung. Das Institut für Musik freut sich auf einen Anbau an der Caprivistraße. Darüber diskutierte das Bürgerforum für die Stadtteile Westerberg und Weststadt.

jweb Osnabrück. Was wird aus der Wagenburg am Finkenhügel? Seit 19 Jahren pachtet der Verein Wagenburg Osnabrück (WabOS) das 7000 Quadratmeter große Gelände zwischen dem Parkplatz des Klinikums und der Straße Am Hirtenhaus.

Was geschieht im Stadtentwicklungsausschuss?

Wo einst eine vierspurige Schnellstraße als Westumgehung geplant war, entstand eine alternative Bauwagensiedlung. Für den Straßenbau wird das Gelände auch dann nicht gebraucht, wenn eines Tages der Plan für eine zweispurige Entlastungsstraße entlang des Westerbergs verwirklicht werden sollte. Die Stadt fasst einen Bebauungsplan ins Auge – was Franz Schürings, Leiter des Fachbereichs Städtebau, während des Bürgerforums mit diesen Worten begründete: „Wir benötigen eine große Anzahl an Wohnungen.“ Stand der Dinge sei: „Wir steigen in ein Planverfahren ein.“ Der Stadtentwicklungsausschuss befasst sich am Donnerstag, 8. Dezember, mit dem Gelände mit den Bebauungsplan-Nummern 616 und 617. Dann wird die Öffentlichkeit beteiligt. Der Plan soll von Montag, 19. Dezember, bis Freitag, 3. Februar, im Dominikanerkloster ausliegen. Während des Zeitraums ist er auch auf www.osnabrueck.de/buergerbeteiligung einzusehen. Was letztendlich geschehen wird, entscheidet der Rat.

Idylle und Ökologie in der Bauwagensiedlung

Die Bewohner des Geländes sehen die Existenz der Wagenburg in Gefahr. Sie empfinden sich als „starken Pluspunkt“ am Finkenhügel. Die Männer und Frauen leben in zwölf Bauwagen und einem Gemeinschaftsbereich, pflegen kulturelle Projekte, duschen sich mit Regenwasser, erzeugen Strom mit Solarzellen und betreiben eine Komposttoilette.

Impulse aus alternativen Wohnkonzepten für die Stadt

Die Bewohner passen jedoch nicht in das Klischee von Aussteigern. Sie sind berufstätig und ziehen gleichwohl eine andere Wohnform vor. Gemeinsam ist ihnen auch das Engagement für ökologische Belange. Sie sehen ihr Gelände als Freiraum, den sie auch nicht gerne gegen Ersatzstandorte in Atter oder in der Gartlage eintauschen würden – die Verwaltung hatte diese Alternativen ins Gespräch gebracht. Ob sich die Wagenburg in eine Siedlung integrieren lässt, wie die CDU-Ratsfrau Katharina Pötter es für möglich hält?

Sympathie für die Wagenburg äußerte Professor Andreas Bertram, Präsident der Hochschule Osnabrück. Die Stadt könne von Impulsen aus alternativen Wohnkonzepten profitieren: „Das macht die Stadt bunter.“ Er sieht auch eine inhaltliche Nähe zu Projekten der Hochschule – wie etwa den „Urbanen Interventionen“.

Schallgedämmte Räume für das Musikinstitut

Der Hochschulpräsident erläuterte auch das Vorhaben des Instituts für Musik an der Caprivistraße. Auf dem Gelände der früheren Frauenklinik soll ein Anbau entstehen, damit die Musikstudenten sich nicht mehr auf ausgelagerte Standorte an der Rehmstraße, an der Spichernstraße, am Limberg und im Hafen Bisher verteilen müssen. Es ist ein Architektenwettbewerb geplant. Das Preisgericht treffe sich im März 2017. Ziel sei es, dass zum Wintersemester 2019 ein Gebäude unter anderem mit 13 schallgedämmten Räumen bezugsfertig ist.

Die Parknot und das wenig genutzte Parkhaus

Weil die Hochschule keine Tiefgarage plant, befürchten Nachbarn, dass in benachbarten Straßenzügen die Parknot zunehmen wird. Stadtkämmerer Thomas Fillep sieht dies anders. Er verwies auf das Parkhaus an der Lotter Straße. Es werde bisher nur wenig benutzt.

Plan für ein Gewerbegebiet

Auch was sich im benachbarten Hellern entwickelt, interessiert die Anwohner des Westerbergs und der Weststadt. Ein Anwohner fragte, ob sich das geplante Gewerbegebiet an der Blankenburg und am Eselspatt auf den Verkehr der „heimlichen Westumgehung“ auswirken wird? Stadtplaner Franz Schürings antwortete: „Wir erwarten keine nennenswerten Steigerungen.“ Eine Anwohnerin fragte, weshalb denn dort an der Autobahn ein weiteres Gewerbegebiet vorgesehen ist. Bürgermeister Burkhard Jasper, der die Sitzung leitete, erläuterte, Gewerbegebiete seien für die Stadt von vitalem Interesse. „Wir möchten den Menschen auch Arbeitsplätze anbieten können – in der Stadt.“ Unter anderem werde auf diese Weise der Pendelverkehr verringert.

Fahrradstraße zur Hochschule?

Die Straße „Am Natruper Steinbruch“ als Fahrradstraße zum Hochschulgelände? Das jedenfalls wünscht sich eine Anwohnerin. „Gute Idee“, sagte dazu Stadtplaner Schürings. Ob der Wunsch Wirklichkeit wird, sei derzeit noch nicht vorherzusagen. Die Fahrradwege müssten dafür im Zusammenhang gesehen werden. „Wir sind dabei, Vorschläge zusammenzutragen“. Ziel sei es, den Radverkehr zu fördern.


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